Zusammenhang bislang unklar

Herzmuskelentzündungen nach Corona-Impfung mit Biontech? Kardiologe hält Daten für „nicht beunruhigend“

In Israel gab es zuletzt Berichte von Dutzenden Corona-Geimpften, die an Herzmuskelentzündungen erkrankt sind. Ein deutscher Kardiologe gibt vorerst Entwarnung.

Mainz - Israelische Medien hatten zuletzt über eine Analyse berichtet, wonach 62 Fälle von Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) nach einer Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer* aufgetreten seien. Insbesondere junge Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren seien betroffen gewesen. Israels Gesundheitsministerium hält eine ungewöhnliche Häufung der Erkrankung bislang für nicht erwiesen. Laut einem Bericht von RTL, wollte sich Ugur Sahin*, Mitgründer des deutschen Impfstoff-Herstellers Biontech, bei einer Pressekonferenz zu den Berichten äußern. Auf Merkur.de-Nachfrage erklärte Biontech: „Bei der Pressekonferenz handelte es sich um eine Veranstaltung für Auslandskorrespondenten.“ Die Redaktion bittet das Missverständnis zu entschuldigen.

Corona-Impfung von Biontech/Pfizer: Berichte über Herzmuskelentzündungen in Israel

In Israel haben seit Beginn der Corona-Impfkampagne vor mehr als vier Monaten etwa fünf der neun Millionen Einwohner bereits eine vollständige Impfung gegen das Coronavirus* erhalten. In dem Land wurde nahezu ausschließlich mit dem Biontech/Pfizer-Präparat geimpft. Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums teilte am Dienstag (27. April) mit, ein Expertenteam überwache alle Nebenwirkungen der Corona-Impfungen* und veröffentliche regelmäßig Berichte. Die in den Medien zitierte Analyse sei aber nicht vom Ministerium veröffentlicht worden.

„Sie zeigt keinen eindeutigen Anstieg der Sterblichkeit wegen der Impfung, und es ist auch nicht sicher, dass es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg der Zahl von Herzmuskelentzündungen gibt“, erklärte die Sprecherin. Es handele sich allerdings um einen „wichtigen Bericht“, über den das Expertenteam in den kommenden Tagen beraten werde. Die Ergebnisse der Beratung zum Corona-Impfstoff* würden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Corona-Impfstoff von Biontech: Pfizer dementiert Zusammenhang - Kardiologe gibt Entwarnung

Biontechs Impfstoff-Produktionspartner Pfizer dementierte einen Zusammenhang zwischen der Impfung und Herzmuskelentzündungen. Man sei aber über die Berichte in Israel informiert. „Wir haben keine Rate von Myokarditis beobachtet, die höher wäre, als man es in der allgemeinen Bevölkerung erwarten würde“, hieß es in der Mitteilung. „Ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung wurde nicht festgestellt. Es gibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Beweis dafür, dass in Verbindung mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff ein Risiko von Myokarditis besteht“, so Pfizer.

Laut einem Bericht der Bild, wurden auch in Deutschland insgesamt sieben Fälle von Myokarditis* nach einer Impfung mit dem Biontech-Vakzin gemeldet. Der deutsche Kardiologe Dirk Westermannn erklärte allerdings gegenüber der dpa: „Insgesamt ist bisher keine Häufung mit klarer Kausalität von Myokarditis nach mRNA-Impfungen belegt. Die bisher berichteten Daten sind damit aus kardiologischer Sicht zu diesem Zeitpunkt nicht beunruhigend.“ Grundsätzlich sei ein Zusammenhang von Impfungen mit dem Auftreten von Herzmuskelentzündungen bekannt, sagte der stellvertretende Klinikleiter des UKE Hamburg weiter. Allerdings betreffe dies keine mRNA-Impfstoffe, wie den von Biontech/Pfizer, sondern vor allem die Pockenimpfung. (ph/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler

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