Affenpocken-Fälle steigen

WHO ruft wegen Affenpocken Notfallausschuss ein

Affenpocken
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Elektronenmikroskopische Aufnahme von Affenpocken-Viren.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beruft wegen der Affenpocken-Fälle in zahlreichen Ländern den Notfallausschuss ein.

Genf – Der Expertenrat der WHO entscheidet, ob es sich – wie beim Coronavirus – um eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ (PHEIC) handelt.

„Der Ausbruch von Affenpocken ist ungewöhnlich und beunruhigend“, schreibt WHO-Chef Tedros auf Twitter. Aus diesem Grund habe er sich entschlossen, nächste Woche den Notfallausschuss einzuberufen.

Affenpocken: Deutschland meldet 200 Fälle – laut RKI keine Fälle bei Frauen und Kindern bekannt

In Deutschland ist die Zahl der Affenpocken-Fälle auf mehr als 200 gestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet 229 Affenpocken-Fälle aus elf Bundesländern (Stand: 14. Juni). Aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein sind Affenpocken-Fälle an das RKI übermittelt worden.

Weiterhin seien keine Fälle bei Frauen und Kindern bekannt, teilte eine RKI-Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit.

„Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland schätzt das RKI nach derzeitigen Erkenntnissen als gering ein“, heißt es auf der RKI-Webseite.

Virologe: „Die Zahlen sind keine Überraschung und auch nicht erschreckend“

„Die Zahlen sind keine Überraschung und auch nicht erschreckend - die Übertragung des Virus erfolgt nach derzeitigem Kenntnisstand, wie erwartet, praktisch nur durch direkten Kontakt“, teilte der Virologe Gerd Sutter vom Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen der LMU München am Dienstag auf Anfrage mit. Das Ausbreitungstempo beschrieb er als „relativ langsam“. Mit der Impfung von Kontaktpersonen beziehungsweise spezifischer Zielgruppen „sollte eine Begrenzung des Ausbruchs weiterhin gut möglich sein“, erwartet er.

Es gebe immer noch vereinzelte Übertragungen, „aber der Ausbruch hat eher nicht die Eigenschaft, exponentiell wachsende Fallzahlen zu entwickeln“, teilte Timo Ulrichs, Experte für Globale Gesundheit an der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin auf Anfrage mit. Eine sexuell übertragbare Infektionserkrankung breite sich langsamer aus als eine, bei der Erreger durch die Luft übertragen werden. Seit Mai wurden Affenpocken bei Hunderten Menschen in zahlreichen Ländern außerhalb Afrikas nachgewiesen.

„Dass die Affenpocken es überhaupt aus Afrika in die Welt geschafft haben, war zwar erwartbar, aber hat in dieser Dynamik doch überrascht“, meint Ulrichs. Die nun dokumentierten Fälle in Deutschland ließen sich durch verschiedene Maßnahmen gut begrenzen. Dazu gehören eine flächendeckende und gute Aufklärung über Übertragungswege und Schutzmöglichkeiten – dies entspreche im Wesentlichen den Safer-Sex-Regeln – sowie gezielten Impfungen.

Impfstoff gegen Affenpocken in Deutschland

Wie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kürzlich angekündigt hatte, sollte ab 15. Juni Impfstoff bereitstehen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte vorige Woche bekanntgegeben, dass für bestimmte Gruppen der Pockenimpfstoff Imvanex empfohlen werde. Dazu zählen etwa Erwachsene, die Kontakt zu Infizierten hatten, und Männer, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern haben. Wegen zunächst begrenzter Impfstoffverfügbarkeit hieß es, dass die Impfung bevorzugt Menschen angeboten werden soll, die dem Virus ausgesetzt waren.

Die Europäische Union hat rund 110.000 Dosen Impfstoff gegen Affenpocken gekauft. Wie die EU-Kommission mitteilte, wurde der Vertrag mit dem Unternehmen Bavarian Nordic über 109.090 Dosen Impfstoff der dritten Generation am Dienstag geschlossen. Bereits Ende Juni sollten die ersten Dosen laut EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides an die EU-Staaten geliefert werden. Derzeit gebe es 900 Affenpocken-Fälle in der EU, weltweit seien es rund 1400.

Affenpocken gelten verglichen mit den seit 1980 ausgerotteten Pocken als weniger schwere Erkrankung. Experten hatten vor einer Weiterverbreitung des Virus, etwa bei bevorstehenden Festivals und Partys gewarnt. Die Inkubationszeit beträgt laut RKI 5 bis 21 Tage. Die Symptome (darunter zum Beispiel Fieber und Hautausschlag) verschwinden gewöhnlich innerhalb weniger Wochen von selbst, können bei einigen Menschen aber zu medizinischen Komplikationen und in sehr seltenen Fällen auch zum Tod führen.(dpa/ml)

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