Trotz sinkender Zahlen

NRW: Wer steckt sich jetzt noch mit Corona an?

Die Corona-Zahlen sinken, doch noch immer stecken sich Menschen in NRW mit dem Virus an. Wer ist das – und warum?

Dortmund – Auf den Straßen in NRW ist der Sommer eingekehrt. Coronawas? Gibt es das noch? Ja! Und noch immer stecken sich Menschen mit dem Coronavirus* an. RUHR24* erklärt, welche Altersgruppen das sind und wie das Robert Koch-Institut die Lage einschätzt.

LandNRW
Corona-Inzidenz (Stand 17. Juni)12,7
Aktuell infizierte Personen9300

Coronavirus in NRW: Zahlen sinken, doch es gibt immer noch Ansteckungen

Von 100.000 Menschen haben sich in NRW in den vergangenen sieben Tagen im Landesschnitt nur 12,7 Personen mit dem Coronavirus infiziert (Stand 17. Juni). Da scheint es fast unmöglich, sich selbst noch anzustecken.

Ein Blick in die Altersverteilung der aktuell Infizierten verrät, wer betroffen ist: der jüngere Teil der Bevölkerung. Am 16. Juni machten die 0- bis 19-Jährigen 34 Prozent der NRW-Inzidenz aus, 32,7 Prozent kamen aus der Altersgruppe 20- bis 39 (hier weitere News zum Coronavirus in NRW* bei RUHR24 lesen).

Coronavirus: Umso älter, desto weniger Infektionen in NRW

Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil an Infizierten an der Gesamtbevölkerung in NRW ab. Die 40- bis 59-Jährigen machten am 16. Juni nur noch rund ein Viertel der Inzidenz aus, bei den 60 bis 79-Jährigen waren es nur noch 7,3 Prozent. Und die ganz Betagten, also die Gruppe 80 Jahre und älter, machte nur noch 1,6 Prozent der 7-Tage-Inzidenz-Zahl aus.

Zum Vergleich: Im Dezember vergangenen Jahres und im Januar dieses Jahres, als es noch keine Massen-Impfungen gegen das Coronavirus gab, sahen die Zahlen ganz anders aus. Am 31. Dezember 2020 hatten die über 80-Jährigen einen Anteil an der NRW-Inzidenz von 13,4 Prozent.

Zu Hochzeiten war auch die Auslastung der Intensivstationen eine andere. In NRW herrschte Alarmstufe Rot, die Krankenhäuser befanden sich im Notbetrieb, weil Betten knapp wurden. Nur unter zehn Prozent alle Intensivbetten waren zwischenzeitlich frei. Inzwischen sind – Stand 17. Juni – laut DIVI-Intensivregister 14,4 Prozent aller Intensivbetten frei.

Corona-Impfungen in NRW sorgen für Umkehr der Corona-Infektionen

Danach begann die Impfkampagne – angefangen mit der alten Bevölkerung. Das wiederum spiegelt sich jetzt in der Altersverteilung der 7-Tage-Inzidenz in NRW wider. Deutlich mehr junge als alte Menschen stecken sich jetzt noch mit dem Coronavirus an.

Das Robert Koch-Institut beschreibt das Infektionsgeschehen im Lagebericht vom 16. Juni als „diffus“. Doch es gibt eine kleine Eingrenzung der Infektions-Hotspots. Es sind die Haushalte, das berufliche Umfeld sowie die Kitas.

NRW: Regelbetrieb in Kitas und Schulen sorgt für mehr Infektionen, die erkannt werden

In Letzteren müssen Kinder in NRW auch in geschlossenen Räumen keine Maske tragen. Ist ein Kind infiziert, breitet sich das Virus schnell aus. Hinzu kommt, dass sich Kitas in NRW seit dem 7. Juni wieder im Regelbetrieb befinden, also deutlich höher ausgelastet sind, als davor.

Auch in den Schulen wird aktuell in voller Mannschaftsstärke – aber mit Maske – gelernt. Nicht zu vergessen: In Kitas und Schulen wird viel und regelmäßig getestet, was natürlich für mehr entdeckte Corona-Fälle in genau dieser Altersgruppe sorgt.

In Schulen in NRW wird zweimal die Woche auf das Coronavirus getestet. Dadurch fallen mehr Infektionenfälle auf.

Auffällig: In der Gruppe der 15- bis 34-Jährigen ist der Anteil der Infektionen unter allen Infizierten in NRW mit rund 8,5 Prozent am höchsten. Ein möglicher Faktor neben den oben genannten: Unter Jugendlichen hat die Bereitschaft, sich an die Corona-Maßnahmen zu halten, nachgelassen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Junge Deutsche“ unter der Leitung von Simon Schnetzer. Zu beobachten ist das an Party-Exzessen wie zuletzt etwa am Aasee in Münster oder am Aachener Weiher in Köln.

Corona-Ärger unter Jugendlichen in NRW: Disziplin lässt nach

Dass Jugendliche undiszipliniert wären, wollen die Studienautoren allerdings nicht als Fazit ziehen. „Der Rückgang an Disziplin ist kein Zeichen von abnehmender Solidarität, sondern ein Hilferuf“, sagt Studienleiter Simon Schnetzer: „Jugendliche wägen das Risiko von Regelverstößen gegen psychische Schäden ab, um endlich wieder Spaß im Leben zu haben.“

Zudem kommt die Tatsache, dass Corona-Impfungen für genau diese Zielgruppe, also die 0- bis 12-Jährigen, noch nicht empfohlen werden. Selbst für die Gruppe der 12- bis 16-Jährigen wird die Corona-Impfung von der Ständigen Impfkommission (Stiko) nur für Vorerkrankte empfohlen*.

Corona-Varianten in NRW: Ansteckungen deutlich schneller

Dass die Zahlen der Corona-Ansteckungen in der Gruppe der besonders jungen Menschen am höchsten ist, die jetzt auch noch in vollen Kita- und Schulräumen sitzen, ist kaum verwunderlich. Zumal die sich aktuell ausbreitende „Delta-Mutation“* eine höhere Ansteckungsgefahr vorweist und sich daher schneller ausbreitet, als der Ur-Typ. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ole Spata/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Niederlande: NRW-Nachbar ändert Corona-Reiseregeln – auch Deutsche betroffen
Niederlande: NRW-Nachbar ändert Corona-Reiseregeln – auch Deutsche betroffen
Niederlande: NRW-Nachbar ändert Corona-Reiseregeln – auch Deutsche betroffen
Corona-Inzidenz in Dortmund steigt deutlich – Stufe 1 sorgt für schärfere Maßnahmen
Corona-Inzidenz in Dortmund steigt deutlich – Stufe 1 sorgt für schärfere Maßnahmen
Corona-Inzidenz in Dortmund steigt deutlich – Stufe 1 sorgt für schärfere Maßnahmen
Ruhrgebiet: Auto im Fluss sorgt für Großeinsatz – aber wo ist der Fahrer?
Ruhrgebiet: Auto im Fluss sorgt für Großeinsatz – aber wo ist der Fahrer?
Ruhrgebiet: Auto im Fluss sorgt für Großeinsatz – aber wo ist der Fahrer?
Tödlicher Unfall: Das ist der Grund für die Sperrung auf der A31 bei Coesfeld
Tödlicher Unfall: Das ist der Grund für die Sperrung auf der A31 bei Coesfeld
Tödlicher Unfall: Das ist der Grund für die Sperrung auf der A31 bei Coesfeld

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare