Mein Blick auf die Woche im Sport

Zwischen politischem Geschacher und konstruktiven Arena-Plänen

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Das Gute: Die CDU will mitgestalten und das Projekt Bergische Arena nach vorne bringen. Das Bedenkliche: Man wird den Verdacht nicht los, dass es sich um politisches Geschacher handelt.

Von Thomas Rademacher

Wer die Diskussionen um die geplante Bergische Arena verfolgt hat, hätte den Eindruck gewinnen können, der Plan der Stadtverwaltung um Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) sei größenwahnsinnig. Die Bewegung „Fridays For Future (FFF)“ richtete prompt eine Internetseite ein, die aufzählt, was von den ins Auge gefassten Investitionen für den Bau einer modernen Veranstaltungshalle stattdessen angeschafft oder gemacht werden könnte. Doch nicht nur FFF schießt gegen Kurzbach – nun hat es auch die CDU getan. Nur eben aus der völlig anderen Richtung. Die Christdemokraten wollen das Geld nicht sparen. Nein, sie wollen noch deutlich mehr ausgeben. Es ist also anzunehmen, dass FFF seine Internetseite bald überarbeiten muss.

Oder doch nicht? Der Reihe nach. Realistisch haben die Absichten Kurzbachs freilich nichts mit Größenwahn gemeinsam. Sie stellen lediglich den selbstbewussten Plan dar, in Solingen etwas Großes zu schaffen – mit Synergieeffekten für die ganze Stadt. Kurz gefasst soll eine moderne Arena entstehen, in der unter anderem Handball-Bundesligist Bergischer HC seine Heimspiele austragen wird. Im Anschluss soll die marode Klingenhalle abgerissen und damit unter dem Strich ein gutes Geschäft gemacht werden. Die Rechnung: Die Sanierung der Klingenhalle (laut Gutachten 20 Millionen Euro) wird genauso gespart wie deren mit 680 000 Euro recht hohen Betriebskosten. Die Arena schlägt ohne Fördergelder mit etwa 50 Millionen zu Buche, bei deutlich geringeren jährlichen Betriebskosten im Vergleich zur Klingenhalle. Etwa 200 000 Euro werden hier veranschlagt.

Die CDU hat nun noch einen drauf gesetzt. Die Klingenhalle soll saniert und erhalten werden bei gleichzeitiger Errichtung einer Arena. Der Vorschlag ist geradezu paradiesisch: Der in Kurzbachs Plan zu opfernde Fußballplatz bleibt bestehen, zusätzliche Grünflächen werden geschaffen – und das eigentlich erst noch zu erstellende Verkehrskonzept hat die CDU gleich mitgedacht. Das Ganze wird garniert mit vom Gutachten abweichenden Zahlen. So soll eine Sanierung der Klingenhalle auch für acht Millionen machbar sein. Kurz gesagt: Wenn der Plan aufgeht, sind wirklich alle glücklich – die Schul- und Vereinssportler, die Fußballer, Konzertliebhaber und natürlich auch der BHC.

Das klingt zu gut, um wahr zu werden? Das ist wohl so. Alleine die Vorstellung, dass ohne Freiräumung von zusätzlichem Platz auf dem Weyersberg eine Arena angebaut werden soll, erfordert viel Fantasie. Und dass sich die Stadt die jährlichen Betriebskosten von beiden Hallen ans Bein bindet, ist ebenfalls nicht zu erwarten.

Das Gute: Die CDU will mitgestalten und das Projekt nach vorne bringen. Das Bedenkliche: Man wird den Verdacht nicht los, dass es sich um politisches Geschacher handelt. In einer Pressemitteilung präsentiert die CDU-Fraktion um Daniel Flemm nicht nur ihre Vorschläge, sondern kritisiert auch in epischer Breite den Alleingang von Tim Kurzbach. Es bleibt zu hoffen, dass der Eindruck trügt und es der Fraktion tatsächlich um die Sache geht.

Was muss nun also passieren? Am 17. Februar soll im Rat der Grundsatzbeschluss zum Arena-Bau gefasst werden. Die CDU hat ihren Änderungsantrag eingebracht. Dass dieser so durchgeht, ist unwahrscheinlich. Es gilt, einen Kompromiss zu finden, mit dem alle leben können. Denn fest steht: SPD, FDP und CDU wollen die Arena – und damit eine breite Mehrheit im Rat.

TOP Handball-Hochburg Solingen: Der BHC hat einen Europameister in seinen Reihen, der HSV gewinnt und gewinnt.

FLOP Im Amateurhandball werden deutlich zu viele Spiele coronabedingt verlegt. Klares Reglement fehlt oder wird nicht angewendet.

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