Handball, 2. Bundesliga

Zweiter! Der HSV schockt Göppingen

Vanessa Brandt war vor allem in der zweiten Halbzeit ein entscheidender Faktor beim HSV. Hier kommt sie frei vor Louisa de Bellis (links) und Lisa Frey aus dem Rückraum zum Wurf.
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Vanessa Brandt war vor allem in der zweiten Halbzeit ein entscheidender Faktor beim HSV. Hier kommt sie frei vor Louisa de Bellis (links) und Lisa Frey aus dem Rückraum zum Wurf.

Solingen-Gräfrath gewinnt 27:25 beim Favoriten. In der riesigen EWS Arena schaffte der HSV Solingen-Gräfrath eine große Überraschung.

Von Lutz Clauberg

Diebische Freude bei Kerstin Reckenthäler (im roten Shirt) – und die Bank jubelt mit.

Während Tabellenführer VfL Waiblingen bei den Füchsen Berlin zwar knapp mit 22:20 (11:8) die Tabellenführung verteidigte, setzte im zweiten Topspiel des Wochenendes der Außenseiter die Akzente. Das Team von Kerstin Reckenthäler gewann 27:25 (9:8) und ist jetzt wieder grandioser Zweiter. „Das war mega“, meinte die Trainerin nach einer leidenschaftlichen Leistung – vor allem in der Abwehr.

Es war erst das zweite direkte Duell: Vor neun Jahren, am 28. Oktober 2012, verlor der HSV in der Klingenhalle im Pokal mit 21:34 gegen den damaligen Erstligisten. Dorthin will Frisch Auf auch eigentlich so schnell wie möglich wieder zurück. Mit 563 Zuschauern im Rücken taten sich die 20/21 mit 16 Pluspunkten als Drittletzter abgestiegenen Göppingerinnen vom Anpfiff weg extrem schwer gegen die robuste HSV-Deckung. Weil Göppingen ebenfalls überragend verteidigte, entwickelte sich ein zäher Abnutzungskampf.

Tolle Atmosphäre war Ansporn für das Team

Wie so häufig in dieser so erfolgreichen Spielzeit war die 28 Jahre alte Natascha Krückemeier der gefeierte Rückhalt. Die Torhüterin entschärfte reihenweise starke Würfe und hob die ohnehin tolle Stimmung an. „Schon im Bus hatte ich gemerkt, dass alle heiß sind“, sagte Kerstin Reckenthäler. Das habe sich beim Aufwärmen fortgesetzt – wohl auch wegen der anspornendenden Eindrücke vor Ort. „Göppingen zieht das Ganze schon sehr professionell auf. Das und die tolle Halle hat der Mannschaft imponiert.“

Göppingen schien mit Wiederanpfiff auf dem besseren Weg zu sein, schaffte binnen zwei Minuten die erste Führung (10:9). Das war aber kein Problem für die Gäste, die weiter konsequent verteidigten, obgleich der Gegner immer wieder frische Kräfte brachte. Mit einem 4:0-Lauf zwischen der 36. und 39. Minute zur 15:11-Führung setzte der HSV den Gegner unter Zugzwang, Mandy Reinarz (zum 16:12; 39.) und die immer stärker werdende Vanessa Brandt (zum 17:13; 41.) sorgten für noch mehr Hoffnung auf zwei Überraschungszähler. Fortan war aber Göppingen am Drücker, nachdem Trainer Nico Kiener volles Risiko gegangen war und eine siebte Feldspielerin gebracht hatte. „Das haben sie wirklich gut gemacht“, meinte Reckenthäler. In der 46. Minute stand es 18:18, fortan entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit zwei entscheidenden Faktoren pro HSV: Merit Müller und Carina Senel trafen nämlich ins leere Tor. Das sorgte für Verunsicherung in den Köpfen der Göppingerinnen, während der HSV neuen Mut fasste und immer wieder vorlegte. Müller und Brandt brachten den Auswärtssieg Hand in Hand unter Dach und Fach – unterstützt von Cassandra Nanfack, der das ebenfalls ganz wichtige 26:24 gelang. Stark aufsteigende Form-Tendenz stellte Reckenthäler bei Franziska Penz in Abwehr und Angriff fest. „Überhaupt haben alle sehr viel richtig gemacht.“ Einziges Haar in der Suppe war erneut das äußerst mäßige Überzahlspiel. Reckenthäler: „Darüber machen die Mädels schon Witze.“

HSV: Krückemeier, Gün; Brandt (10, 4), Müller (5), Penz (3), Nanfack (3), Senel (3), Münch (1), Reinarz (1), Tesche (1), Kamp, Weyh

Pokal

Achtelfinale: In der Runde der letzten 16 stehen zehn Erstligisten, fünf Zweitligisten sowie der HC Rödertal (3. Liga). Karten für das HSV-Spiel am Samstag gegen Thüringen: www.solingen-live

HSV setzt ein Zeichen

Kommentar von Thomas Rademacher

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Gerade als sich das Gefühl einstellte, dass die Zweitliga-Handballerinen des HSV Solingen-Gräfrath langsam, aber sicher ihren Höhenflug beenden würden, toppten sie alles bisher Dagewesene. Das Team von Trainerin Kerstin Reckenthäler überraschte mit einem 27:25 bei Frisch Auf Göppingen. Hatten die Solingerinnen bis dahin überwiegend gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte überzeugt, setzten sie nun mit diesem Sieg bei einem der großen Aufstiegsfavoriten ein Zeichen. So unerwartet dieser Erfolg auch war, komplett sensationell ist er nicht. Der HSV überzeugt im Kollektiv und hat mehrere Spielerinnen in seinen Reihen, die immer wieder hervorragend funktionieren. Neben Torhüterin Natascha Krückemeier und der auch individuell überragenden Top-Torschützin Vanessa Brandt ist besonders Cassandra Nanfack zu nennen. Die 22-Jährige ist auf beiden Seiten des Feldes eine echte Waffe.

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