Die Woche im Sport von Thomas Rademacher

Wettbewerbsverzerrungen gehören in jeder Saison dazu

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thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Handballer werden gemeinhin für ihren Sportsgeist gelobt.

Gerne wird der Vergleich zu Fußballern gezogen, die nach Fouls auch mal länger liegen bleiben oder sich nach einem harmlosen Einsteigen vor Schmerz auf dem Boden wälzen, als seien ihnen gerade beide Beine gebrochen worden. Handballer sind da anders. Wenn jemand nicht weiterspielt, stimmt tatsächlich etwas nicht – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Diese Gradlinigkeit auf dem Feld geht mit einem respektvollen Umgang untereinander einher. Und auch die Unparteiischen, die durchaus auch mal eine falsche Entscheidung treffen, werden üblicherweise nicht angegangen oder öffentlich scharf kritisiert. Als Journalist sehnt man sich in Interviews daher häufiger nach dem einen oder anderen klaren Wort, das allzu oft in Diplomatie verloren geht.

Im Spielbetrieb während der Corona-Pandemie ist das anders. Zwar sind weiterhin nicht Gegner oder Schiedsrichter verbales Ziel, dafür gerät im weitesten Sinne die spielleitende Stelle der Handball-Bundesliga regelmäßig ins Kreuzfeuer. Ein Beispiel: Nachdem der SC Magdeburg – am ersten Spieltag überraschend zu Hause 27:31-Verlierer gegen den Bergischen HC – gegen die Rhein-Neckar Löwen (RNL) bereits seine dritte Heimpleite der noch jungen Saison kassiert hatte, zeigte sich Trainer Bennet Wiegert im Interview auf Fernsehsender Sky konsterniert. „Das mögen andere bewerten, was die Tabelle am Ende der Saison für eine Aussagekraft hat“, sagte der Coach nach dem 31:33 gegen die starken Löwen und verwies auf die enorme mentale Belastung, die bei seinen Spielern herrscht.

So sei im Vorfeld Thema gewesen, dass RNL-Topspieler Uwe Gensheimer bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft in einem Zimmer mit dem positiv getesteten Johannes Bitter geschlafen habe, aber trotzdem mitspielen durfte (und sieben Treffer erzielte). Hintergrund: Das Mannheimer Gesundheitsamt hatte Gensheimer die Freigabe nach einem negativen Test gegeben, weil er die Infektion schon im Sommer durchgemacht hatte. Andere Ämter hätten vielleicht anders entschieden. Möglich.

Ist das schon Wettbewerbsverzerrung? Streng genommen, ja. Aber es geht ja noch weiter: Die Füchse Berlin, die an diesem Samstag beim Bergischen HC antreten, befanden sich vorsorglich in Quarantäne und haben kaum trainiert. Objektiv ist das eine Beeinträchtigung, die alle Teams mit Corona-Ausbrüchen in dieser Saison in Kauf nehmen müssen. Einen Nachteil hatte übrigens auch der BHC, der in Magdeburg und Hannover vor Publikum antrat, zu Hause aber noch gar keine Unterstützung erhielt.

Das ist nicht gerecht. Natürlich nicht. Gerecht wäre es, wenn kein Team in Quarantäne muss, die Hallen überall ausverkauft sind und – das darf man nicht vergessen – alle Mannschaften immer mit ihrem kompletten Kader antreten können. Corona steht bei den ersten beiden Punkten im Weg, Letzteres jedoch hat es auch vor der Pandemie noch nie gegeben. Verletzungspech gehört immer dazu. Es ist eine Unwägbarkeit, ja sogar eine Wettbewerbsverzerrung, mit der man seit eh und je leben muss. Das gilt für die coronabedingten Folgen nicht. Die sind neu, aber sie gehören jetzt einfach leider dazu, wenn man spielen will. Da hilft auch kein Jammern.

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