Serie

Wenn fünf Marathons nicht mehr zählen

Bastian Schumacher zeigt dem ST-Sportredakteur auf dem Laufband, wie es besser geht.
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Bastian Schumacher zeigt dem ST-Sportredakteur auf dem Laufband, wie es besser geht.

„Mitgemacht!“ – ST-Sportredakteur unterzieht sich einer Laufanalyse

Von Jürgen König

Fünf Marathons mit einer Bestzeit von knapp unter dreieinhalb Stunden auf der Balearen-Insel Mallorca, den Syltlauf über 33,333 Kilometer, etliche Halbmarathons, Winterlaufserien, Stadtläufe und vieles mehr – mit meiner „Karriere“ als Langläufer, die ihre heiße Phase mit der Eröffnung der Korkenziehertrasse 2006 bis ungefähr 2013 hatte, war ich im Reinen, als mich mein Weg zum Sportpark Landwehr führte. Inhaber Lars Buschmann und sein Team hatten mich im Rahmen unserer „Mitgemacht!“-Serie zur Laufanalyse eingeladen.

Selbstbewusst, aber auch mit Respekt betrete ich den Bereich, in dem die Philosophie von „next level.running“ gelehrt wird. Selbstbewusst, weil ich schon einigen läuferischen Herausforderungen wie eingangs beschrieben getrotzt habe. Respektvoll, weil ich oft Kritik bis Mitleid ob meines Laufstils geerntet habe. Unvergessen bleibt mir der Halbmarathon in der Hildener Heide, als mich die für einige Kilometer auf gleicher Höhe befindliche Mitläuferin bat, entweder weiter vorne oder hinten zu laufen – meinen Laufrhythmus könne sie nicht ertragen. Da sind Bastian Schumacher und Kim Steinigans vom Sportpark schon freundlicher zu mir, legen nach einer Einführung in unser Vorhaben und offiziellen Dingen gleich los.

„Du läufst fast ausschließlich über die Kraft und überhaupt nicht ökonomisch.“

Bastian Schumacher zum ST-Sportredakteur

Ganz wichtig ist das Ziel. Aufbruch zu einer neuen Bestzeit oder längeren Distanzen? Nein. Veränderung des Stils, um Verletzungen zu beseitigen? Nicht nötig. Und so einigen wir uns darauf, eine Basis für mein Hobby zu erarbeiten, um noch möglichst lange beschwerdefrei zu laufen – schließlich haben die mittlerweile verschwundenen Achillessehnenprobleme doch jahrelang richtig fies weh getan. „Wir starten mit Übungen, die unter anderem das Potenzial bei Kraft, Koordination und Stabilität offenlegen“, sagt Schumacher, seines Zeichens Diplom-Sportwissenschaftler und Sportlicher Leiter am Solinger Standort der Sportpark-Gruppe.

Schon da erkennen die Fachleute bei mir eine ausgeprägte Muskelkraft, aufgrund der einige Übungen souverän ohne Wackler bestanden werden. Aber es gibt auch die Erkenntnis von einer nicht minder gänzlich fehlenden Beweglichkeit im Rumpfbereich. Was sich dann auf dem Laufband in geradezu ernüchternder Form bestätigen soll.

Bei ansprechendem Tempo laufe ich einige Minuten, werde sowohl von der Seite wie auch von hinten gefilmt. Die Analyse fällt dem Duo Schumacher/Steinigans nicht schwer – es gibt viel zu kritisieren. „Du läufst fast ausschließlich über die Kraft und überhaupt nicht ökonomisch“, teilen mir die beiden ihr Urteil mit. So ist anhand der Aufnahmen unschwer zu erkennen, dass meine Beine zu eng beieinander sind, sich fast berühren. Von der nötigen Spurbreite keine Spur.

Die Füße kommen zu weit vorne und hinten auf, aber auf jeden Fall nicht annähernd dort, wo es sein sollte: dicht am Körperschwerpunkt. Mein Fachmann an der Seite erinnert mich an den kenianischen Wunderläufer Eliud Kipchoge, der die richtige Stelle mit 100-prozentiger Quote trifft. Davon bin ich weit entfernt und riskiere gesundheitliche Schäden wie etwa eine Überbelastung des Knies.

Der Einsatz des Fersenhubs, um die Schwung-Frequenz oben zu halten, ist nicht gegeben. Zudem zieht es mich immer nach oben, auch dadurch geht viel Energie verloren. Und dann wäre da noch die Armarbeit, von der ich gedacht hätte, sie sei eigentlich ganz okay. Weit gefehlt, die Bilder dokumentieren es: kaum Armeinsatz, Kraftvergeudung, Geschwindigkeitsverlust, Leistungseinbuße – die Kette ist gnadenlos.

Eine Wurzel all jener Verfehlungen ist allerdings die schon beschriebene Unbeweglichkeit im Rumpfbereich. Bastian Schumacher kommt mit einer für den Fünffach-Marathoni verblüffenden Idee daher: „Wir fangen mit einer Stunde Yoga an.“ Machen wir, denn Videoaufnahmen von anderen Teilnehmern wie dem jungen Basketballer oder dem erfahrenen Triathleten mit ihren Laufstilen vorher und nachher sorgen für den Aha-Effekt. „Ich bin schmerzfrei, auch deswegen bringt mir das Training viel mehr, unter anderem höhere Geschwindigkeit“, erlebt Triathlet Joachim Hill (57) seinen Sport mit dem neuen, richtigen Laufstil viel bewusster.

Auch wenn es für mich als neues Mitglied der Altersklasse M60 nicht mehr um Rekorde geht, kann ein besserer Laufstil nicht schaden. Schließlich soll es ein verletzungsfreies Hobby bleiben. Mit Yoga & Co. gegen den „Materialverschleiß“ – auf geht’s. . .

Aufruf

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lokalsport @solinger-tageblatt.de

Sportart und Ligazugehörigkeit sind dabei im Übrigen vollkommen irrelevant.

Rund um die Laufanalyse

Programm: Der Analyse, die alle Schwachstellen aufdecken soll, folgen mehrere Wochen mit Trainingseinheiten. Sie sind zugeschnitten auf verschiedene Sportarten – die Angebote richten sich an Einzelne wie Patienten, Kinder und passionierte Läufer, aber auch an Teams. Über Pakete und Preise informiert der Sportpark (die Analyse für Mitglieder ist kostenlos).

Partner: Beim Partner „next level.running“ handelt es sich nach eigenen Angaben um die größte Laufschule Europas. Ein Markenbotschafter ist Edgar Itt, einst deutscher Top-Läufer über die 400 Meter Hürden und flach. Er hielt auch schon einen Vortrag im Landwehrer Sportpark.

www.nextlevelrunning.de

Sportpark: Das von Familie Buschmann inhabergeführte Solinger Unternehmen ist die Keimzelle der Sportpark-Gruppe. Hilden und Mönchengladbach sind weitere Standorte mit Fitness, aber auch mit dem Trampolin-Park Hi-Fly. In Landwehr sind zudem Badminton, Tennis, Fußball möglich.

www.sportpark.de

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