American Football

Wenn aus Verlegenheit die Idealbesetzung wird

Rick Schneider, wie er leibt und lebt. Der Stadionsprecher geht bei den Heimspielen seiner Paladins emotional mit.
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Rick Schneider, wie er leibt und lebt. Der Stadionsprecher geht bei den Heimspielen seiner Paladins emotional mit.

Rick Schneider ist als Stadionsprecher bei den Paladins-Footballern nicht mehr wegzudenken.

Von Fabian Herzog

Die Entscheidung, nicht mehr selbst spielen zu können, fiel ihm schwer. Sehr sogar. Weil Rick Schneider durch und durch Footballer ist und war. Aber 2012 zog er einen – zugegebenermaßen spektakulären – Schlussstrich, als der Defense-Spieler im Charity-Bowl der Solingen Paladins gegen Schiefbahn mit einem 80-Yard-Touchdown seine aktive Karriere beendete.

Seinem Verein, zu dem er im ersten Jahr der Gründung von den Wuppertal Greyhounds gewechselt war, blieb er dennoch treu. Als Stadionsprecher. „Das hat sich so ergeben“, blickt der 39-Jährige schmunzelnd zurück. Schmunzelnd deshalb, weil aus der einstigen Verlegenheitslösung längst eine Idealbesetzung geworden ist. „Mit Rick haben wir einen Stadionsprecher der Extraklasse“, schwärmt Ingo Hübner Silva, der 1. Vorsitzende, in den höchsten Tönen. „Immer vorbereitet, immer gut gelaunt und dazu auch noch fachlich versiert. Es ist nie eine leichte Aufgabe, als Stadionsprecher die vielen verschiedenen Situationen während eines Spiels zu erfassen und auch passend zu behandeln. Doch mit Rick haben wir jemanden, der genau das kann. Er ist für uns nicht mehr wegzudenken.“

Als Footballer hielt Schneider jahrelang in der Paladins-Defense die Knochen hin.

An die Anfänge erinnert sich der gebürtige Sprockhöveler, der in Bochum geboren wurde und mittlerweile in Dortmund lebt, noch genau. „Es war schon eine interessante Herausforderung, da mit dem Mikrofon zu stehen und den Leuten zu erzählen, was ich sehe“, erzählt Schneider, dem es vom ersten Tag an wichtig war, auch den Laien unter den Zuschauern das Geschehen mit verständlichen Worten zu erklären. Und das zwar „am Anfang mit null Erwartungen“, aber auch einer ordentlichen Portion Aufregung, die bei aller Routine über die mittlerweile fast zehn Jahre geblieben ist, wie der Stadionsprecher der Paladins zugibt: „Ich würde nicht sagen, dass ich jetzt nicht mehr nervös bin. Das gehört irgendwie dazu, bevor man das Mikro anmacht. Dass man sich sagt: Ey, jetzt red´ mal keinen Mist.“

Dieses Vorhaben muss man als durchaus gelungen bezeichnen. Wobei sich Rick Schneider auch an zwei Ausrutscher erinnert. „In meinen Anfängen habe ich sogar mal eine Flagge kassiert.“ Also eine Strafe seitens der Schiedsrichter, die das Team auf dem Feld ein paar Yards kostete. Der Grund: Schneider hatte den Spielzug des Gegners dank seines Fachwissens von seiner Position aus frühzeitig gelesen und dies über die Mikrofonanlage kundgetan. Bei einem anderen Spiel hat er eine Schiedsrichter-Entscheidung in seinem Kommentar infrage gestellt. „Dafür habe ich mich später aber auch direkt entschuldigt.“

Die Beispiele zeigen: Der 39-Jährige ist immer mit großer Leidenschaft dabei. „Wenn man nicht selber spielen kann, blutet einem das Herz. Umso mehr freut man sich, wenn was Gutes gelingt, oder ärgert sich, wenn etwas misslingt.“ Und auch wenn er selbst sagt, dass er „zwischendurch auch viel Käse“ erzählt, kommt seine Art an. Immer wieder erhält Schneider aus unterschiedlichen Richtungen positives Feedback. „Wenn man dann plötzlich Anfragen von anderen Vereinen bekommt, macht einen das schon stolz.“

Passend dazu: Paladins suchen die Saison-Basis

Eine solche erreichte den Stadionsprecher vor der zurückliegenden Saison aus Düsseldorf. Martin Wagner, der Solinger Macher beim ELF-Team Rhein Fire, den Schneider noch als Teil der Paladins-Coachingcrew kennt, wollte ihn für die Heimspiele gewinnen. Lange darüber nachdenken musste er nicht, zumal die Termine nicht mit denen in Solingen kollidierten. „Das war natürlich eine ganz andere Hausnummer“, blickt der Dortmunder auf großartige Momente wie das Duell mit Frankfurt Galaxy zurück, als Ende August mehr als 12 000 Zuschauer für einen neuen ELF-Rekord sorgten. Schneider führte dabei nicht nur durchs Spiel, sondern vor und nachher auch Interviews. Unter anderem mit den Ex-Paladins Daniel Rennich, Patrick Poetsch und Martin Pinter. „Das war richtig witzig.“

Was ihm bei all dem die meiste Freude bereitet: „Football wird in Deutschland immer beliebter, und ich kann ein Teil davon sein und den Sport bekannter machen.“ So – oder sogar nur so? – lässt es sich für ihn auch etwas besser ertragen, nicht mehr selbst auf dem Rasen stehen zu können.

Endspiel-Traum

Rick Schneider hat einen Traum: „Ich möchte mal ein Football-Endspiel als Stadionsprecher begleiten.“ Verstärkt wurde dieses Verlangen vor wenigen Wochen. Am 25. September führte der 39-Jährige durch das Finale der Deutschen Flag-Football-Liga in Essen, wo der Gastgeber vor rund 600 Zuschauern mit 27:0 gegen die Dresden Monarchs gewann.

Rick Schneider, selbstironischer Stadionsprecher der Paladins

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