Fußball

Lau verwirklicht sich beim TSV

Nicht am Flinger Broich in Düsseldorf oder am Geißbockheim in Köln will Dustin Lau seine Vision von guter Jugendarbeit in die Tat umsetzen, sondern beim TSV. Foto: Christian Beier
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Nicht am Flinger Broich in Düsseldorf oder am Geißbockheim in Köln will Dustin Lau seine Vision von guter Jugendarbeit in die Tat umsetzen, sondern beim TSV.

Statt 95 oder Effzeh – Sportlicher Leiter der Jungen sieht viel Potenzial.

Von Timo Lemmer

Für viele Fußballer ist der Weg, den Dustin Lau beschritten hat, die Erfüllung eines Traums. Mit 18, 19 Jahren begann der Leichlinger bei seinem Heimatverein SC Leichlingen erste Schritte als Trainer in der Jugend zu gehen. Lau, geboren am 4. November 1993, verzeichnete aus seiner Truppe einige Abgänge in die Nachwuchsleistungszentren (NLZ) von Bundesligisten. „So kam der erste Kontakt zustande. Man hat sich oft gesehen und unterhalten“, sagt Lau.

Ab Anfang 2017 arbeitete er dann lose für Fortuna Düsseldorf. „Ich war zwischenzeitlich von Leichlingen für ein Jahr mit Luca Conradi zum TSV gekommen, mit der B-Jugend wir sind Kreisleistungsmeister geworden.“ Von dort aus folgte der feste Schritt zum Profiverein mit ganz anderen Bedingungen. Als Jugendscout hielt Lau den Solinger Kreis im Blick, war zudem Co-Trainer der Düsseldorfer U13. „Ich konnte mich endlich mit meinen Ideen austoben. Als Erstes hatten wir mit 95 ein großes Turnier und dann folgte auch direkt ein Trainingslager in Wedau.“ Eine andere Dimension. Und doch: „Das Kapitel TSV hat mich nie mehr losgelassen. Hier sind so viele Freundschaften entstanden.“ Und: Es ist persönlicher.

Zunächst aber schritt Lau im Dunstkreis des Profitums weiter voran. Wenn er erzählt, wie professionell – und gewisse Vereine auch fragwürdig – im NLZ-Bereich der Bundesligisten gearbeitet wird, riecht das nach großer Fußballwelt, den ersten Schritten auf einer großen Karriereleiter. „Das stimmt natürlich auch. Ich habe wahnsinnig tolle Erfahrungen gemacht, konnte mein Fachwissen noch mal ganz anders erweitern.“ Den Kontakt zu Fußballern, die früher auf ganz anderem Niveau gespielt haben, hält er zum Austausch teilweise bis heute.

„Ich will dort arbeiten, wo man etwas hinterlassen kann.“

Dustin Lau, Fußball-Romantiker

Gerade in Köln hat Lau solche Menschen kennengelernt. Nach anderthalb Jahrenin Düsseldorf verpflichtete ihn im Sommer 2018 der „Effzeh“. Dort sei alles eine Spur größer gewesen, erinnert sich Lau. „Es war noch mal professioneller, es waren bekanntere Persönlichkeiten involviert. Die machen dort eine überragende Jugendarbeit.“ Lau wechselte vor allem auch deshalb in die Domstadt, weil er mehr Kompetenzen übertragen bekam: Sein Scouting-Gebiet war plötzlich der komplette Niederrhein, der Altersbereich bis U17 auch noch einmal höher. „Wenn du da einen Spieler verpflichtet hast, ging es auch mal schnell zu Stefan Ruthenbeck.“ Der frühere Bundesligatrainer coacht in Köln die U19. Das Familiäre aber, das vermisste Lau schon hier. „Im NLZ der Fortuna fühlt es sich noch an wie in einer Familie. Das ist aber auf dem Niveau auch die absolute Ausnahme und sticht heraus.“

Lau, gerade halbwegs im Traumland vieler Fußballer, dem Profibereich, angekommen, ging nun einen ungewöhnlichen Schritt: den zurück. „Ich brauche das nicht für mein Ego. Ich will dort arbeiten, wo man etwas hinterlässt. Das nenne ich die Fußball-Romantik: Selber etwas schaffen und mit dem Team bewegen. Das sind auch im Nachhinein immer die schönsten Momente.“

Gut, dass mit Yorik Heiber der Sportliche Leiter des TSV nicht nur umtriebig, sondern auch hartnäckig ist. Der Kontakt war nie abgebrochen. Und als im Sommer 2019 die Fusion von TSV Aufderhöhe und Sportring über die Bühne gebracht wurde, war der richtige Zeitpunkt gekommen. Lau sagte zu, die Sportliche Leitung im Jungenbereich zu übernehmen. Weil er hier etwas bewegen und formen kann, das Feld nach seinen Vorstellungen bestellen. „Mit der Fusion haben wir unglaublich viel Potenzial“, sagt Lau, der letzte Saison 23 Jungen-Teams ins Rennen schicken konnte.

In fünf Jahren sollen sich TSV-Teams in der Niederrheinliga etablieren

Tendenziell werden es noch mehr. Und mit der A-, B- und C-Jugend schaffen es womöglich drei Teams in die Bergische Leistungsklasse – zwei Jahre vor Planung. Und die D-Jugend war schon in der Niederrhein-Spielrunde. „Im ersten Schritt wollen wir beides, Breitensport und Leistungsteams. Die erste Saison war sehr erfolgreich. Wenn ich mir etwas für in fünf Jahren wünschen darf, dann nutzen wir die großen Schritte, die aktuell in der Infrastruktur gegangen werden. Das sucht nämlich auch im Umland seinesgleichen. Und dann haben wir in fünf Jahren hoffentlich ein, zwei, drei Teams, die es nicht nur mal in die Niederrheinliga schaffen, sondern die sich auch etablieren.“

Der Baustein sei die unterste Ebene, macht Lau insbesondere an der Basis viel Arbeit. Der TSV ist beinahe lückenlos aufgestellt, was wiederum Heiber, der schon von ersten Talenten profitiert, erfreut: „Es hat sich absolut gelohnt, Dustin von einer Rückkehr zu überzeugen. Wenn er seine Arbeit so konsequent fortführt und uns nicht verlässt, blicke ich sehr positiv in die Zukunft.“

TSV Solingen

Struktur: Neben den Jungen-Teams stellte der TSV Solingen in der unlängst abgebrochenen Spielzeit vier Mädchen- und drei Inklusions-Mannschaften. Jugendleiter ist Thorsten Marks, der auf Sarah Görtz (Sportliche Leitung Mädchen) und Dustin Lau (Jungen) bauen kann. Andrea Mertgen (Frauen) und Yorik Heiber (Herren) leiten die sportlichen Geschicke der Senioren.

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