Sportvereine

Velo erfährt Rückhalt und gibt Vollgas

Die idyllisch gelegene Radrennbahn am Dorperhof ist ein Stützpunkt von Velo Solingen, hier präsentiert Jannis Schüren sein Können. Der Verein hält dort einen Kurs rund um die Bahn für wünschenswert. Fotos: Christian Beier
+
Die idyllisch gelegene Radrennbahn am Dorperhof ist ein Stützpunkt von Velo Solingen, hier präsentiert Jannis Schüren sein Können. Der Verein hält dort einen Kurs rund um die Bahn für wünschenswert.

Serie: Wir beschäftigen uns unter anderem mit den Pandemie-Folgen für die Sportvereine.

Von Jürgen König

Ralf Müller (v. l.), Andreas Jacob und Mitja Girkin sind zufrieden mit der Entwicklung und planen weiter eifrig.

Schon nach dem ersten Lockdown durften die Verantwortlichen von Velo Solingen zufrieden sein – der Radsportverein stand seinerzeit den Einschränkungen zum Trotz hoch im Kurs. Kaum zu glauben, aber wahr: Nach rund sieben Monaten der Tatenlosigkeit fällt das Fazit identisch aus. „Wir haben insbesondere bei der Jugend eine enorme Nachfrage“, freut sich der Vorsitzende Andreas Jacob über den unverminderten Zuspruch. Gerade das Mountainbiking erfreut sich bei Jung und Alt einer großen Beliebtheit. Entsprechend ausgeprägt ist der Tatendrang.

Die Corona-Folgen: Dass die Mitgliederzahl bei rund 200 konstant geblieben ist, ist eine Seite der Medaille. Mitja Girkin nennt die andere: „Das Vereinsleben hat eineinhalb Jahre auf Eis gelegen, da wir uns sehr an die Auflagen gehalten haben.“ Girkin ist unter anderem für die Gravity-Mountainbike-Kategorien wie Downhill, Freeride oder Slopestyle zuständig. Es gilt nunmehr seit der nach langer Zwangspause erteilten Erlaubnis für den Sport, das Leben in der Gemeinschaft wieder hochzufahren. Und auf dem Rad an der individuellen Form zu arbeiten.

Der Wille dazu ist da, aber so Mountainbike-Sportwart Ralf Müller: „Wir erhalten mehr Anfragen, als wir trainiert kriegen.“ Was daran liegt, dass man auf Qualität im Trainerstab viel Wert legt – und auf eine eigene anspruchsvolle Ausbildung, auch über Lehrgänge. Diesem Aufwand setzen sich dann nicht so viele aus, wie es erforderlich wäre. Mountainbiking sammelt Top-Werte bei Umfragen zu beliebtesten Sportarten, der Markt rund ums Fahrrad erlebt einen Boom. Diesem Interesse will man bei Velo gerecht werden. Dass Sport nach den Fünfer-Trainingsgruppen zum Neustart mittlerweile wieder mit größeren Zahlen möglich ist, macht ebenso Mut wie der intensive, persönliche Umgang anstelle von virtuellen Sitzungen, in denen nur das Nötigste besprochen wurde.

Die Veranstaltungen: Wie schon 2020 fiel das internationale Mountainbike-Event am Halfeshof Corona zum Opfer. Dort ging es stets im Frühjahr sogar um Weltranglisten-Punkte, die Rennen sind auch als wirtschaftlicher Faktor für den Verein von Bedeutung. „Wir mussten mit einem Zeitpolster die Planungen forcieren oder eben einstellen“, erläutert Ralf Müller das Handicap, welches auch die kleinere Ausgabe für Anfang August – um zumindest den Nachwuchs erfreuen zu können – ergriffen hat. Dass die Lockerungen zuletzt so schnell gingen, sei nicht erwartet worden. Eine Hoffnung gibt es noch: Am 10. Juli steht die reizvolle Fahrt durchs Bergische Land für Radtouristiker im Programm.

Das Anliegen: Gerade in der Pandemie haben die Menschen die Liebe zum Zweirad und damit auch wie noch nie zum Mountainbike entdeckt. Die Konsequenz: Der Wald war voll, die Konflikte waren da. Für Mitja Girkin ist die Schlussfolgerung, um die Grauzone in den Wäldern verschwinden zu lassen, daher zwingend: „Wir brauchen mehr legale Angebote.“ Der Aufbau zusätzlicher Infrastruktur für den „neuen Skisport“ soll die Interessen der Ökologie bedienen – und kann durchaus zu einem Magneten werden, wie es im Bärenloch der Fall ist.

„Wir müssen dem Nachwuchs unseren Sport vorleben.“

Andreas Jacob, Velo-Vorsitzender

Der Klingentrail: Es ist eine der sportlichen Erfolgsgeschichten in Solingen schlechthin. 2018 eröffnet, hat er sich zu einer echten sportlichen Attraktion entwickelt. „Wir haben ein großes Einzugsgebiet“, weiß Mitja Girkin um die Treue der Besucher, die sogar aus den Niederlanden kommen. Unterschiedliche Leistungsgruppen vom Anfänger bis zum gestandenen Mountainbiker können auf ihren jeweiligen Linien im Naherholungsgebiet Bärenloch bedient werden, die Organisationen arbeiten in Absprache mit den Stadtdiensten ständig an Optimierungen – um den Kurs an das Leistungsvermögen der Fahrer anzupassen und um dem Nachwuchs die technischen Grundlagen für folgende Neigungen und Qualität bieten zu können. Der Start in diese Saison hat erst recht mit Blick auf Corona-Regeln gut funktioniert, in der Winterpause wurden 500 Bäume gepflanzt. Der Blick auf die Homepage verrät, ob der Trail offen oder witterungsbedingt gesperrt ist.

www.klingentrail.de

Das Vereinsdenken: In der Philosophie von Verantwortlichen und Mitgliedern steht die Jugendarbeit ganz oben. „Wir wollen Möglichkeiten schaffen, dass sich die Kinder und Jugendlichen über den Sport weiterentwickeln können“, betont Andreas Jacob die soziale Bindung. Sogar das Wort von der „Heimat“ fällt, all dies geschieht innerhalb des gesetzlichen Raums auf den Velo zur Verfügung stehenden Sportstätten. Der Anspruch an sich selbst ist entsprechend groß. Jacob: „Wir müssen dem Nachwuchs unseren Sport vorleben.“Und dieser Freizeitsport ist vielfältig. „Wir sind in alle Richtungen gut aufgestellt“, betonen die Sportwarte Müller und Girkin die Bandbreite, ohne müde zu werden – sondern vielmehr, um neue Angebote wie Downhill mit reichlich Höhenmetern ins Portfolio einzubringen.

„Ein Kurs rund um die Bahn wäre wünschenswert.“

Ralf Müller, Sportwart für Mountainbike

Die Radrennbahn: Am Dorperhof liegt ein Teil Heimstätte für Velo, das dort unter anderem einen Raum für Besprechungen und organisatorische Tätigkeiten zur Verfügung hat. Immer noch wird die historische Betonbahn intensiv genutzt, so von Triathletin Saskia Käs und ihrem Coach Peter Sauerland. Bogenschützen des SSC 95/98 sind dort ebenso zuhause wie die Radsportler von Musketier Wuppertal. Velo selbst nutzt die Bahn für Schnelligkeitsinhalte auf dem Rennrad, gibt es doch auch hierfür eine rund 30 Personen starke Abteilung. Und so kann Kondition für die Mountainbiker aufgebaut werden, die leistungssportlich an die Sache herangehen. „Es wäre wünschenswert, wenn wir einen Kurs rund um die Bahn hätten“, setzt Ralf Müller aufs Reinschnuppern hin zur Radbeherrschung und schwärmt von den Potenzialen.

Die Wettkampfsportler: Über reichlich Potenzial verfügt auch der Nachwuchs, der sich nicht zuletzt durch die Grundlagenarbeit auf dem Trail in etlichen Disziplinen prächtig präsentiert. So gehört Elias Seifert dem NRW-Kader an und zählt ebenso wie Paul-Frederick Gebauer zu den heißen Eisen des Vereins – in einer Sportart, in der bei der Technik die Entwicklung wahrlich rast.

Das Projekt: Womit wir bei weiteren Plänen des Vereins wären, für den Stillstand offenbar wirklich Rückschritt bedeutet. Nichts mehr im Wege steht dem nächsten großen Vorhaben, der Dirt-Anlage neben dem Parkplatz Bärenloch. Im Rahmen des NRW-Förderprogramms „Moderne Sportstätte 2022“ flossen 72 500 Euro an Velo, das damit das bestehende Trainingsgelände aufwerten will. „Es gibt einen großen ehrenamtlichen Input“, freut sich Andreas Jacob über das Engagement in den eigenen Reihen, was sich entscheidend auf die Kosten auswirkt. Das Fünffache und mehr hätte man ausgegeben, wenn alles in professionelle Hände gelegt worden wäre. So sind „nur“ zwei hauptberufliche Trail-Designer am Werk, die gemeinsam mit der Jugend des Vereins für einen abwechslungsreichen Kurs, unter anderem mit Sprüngen, sorgen. Rhythmische Linien auf unterschiedlichen Untergründen zu finden, das ist eine der Herausforderungen. Die Arbeiten sind angelaufen und sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen sein.

„Wir sind dem Vertrauen durch die Stadt gerecht geworden.“

Mitja Girkin, Sportwart Gravity/Klingentrail

Der Appell: Im Jahr 2019 waren Velo und das Klingentrail-Team Partner der Sport-Gala mit ihren festen Gastgebern Stadt, Sportbund und Tageblatt. Auch damals spielten die Radsportler eine gute Rolle – und bestätigen dies kontinuierlich. „Wir haben unser Potenzial und unsere Professionalität aufgezeigt, sind dem durch die Stadt entgegengebrachten Vertrauen gerecht geworden“, sieht Mitja Girkin bei der Nutzung von Mountainbike-Strecken weiterhin einen großen Bedarf. Es seien viele zusätzliche Kilometer in geordneten Bahnen erforderlich und dank gefüllter Töpfe auch finanzierbar, hofft Girkin auf eine ständige Weiterentwicklung des Mountainbikesports, der mit seiner Attraktivität das Zeug zum Wirtschaftszweig habe – mit Velo Solingen als einem bedeutenden Teil davon.

Der Verein

Vorstand: Andreas Jacob steht als 1. Vorsitzender an der Spitze, sein Stellvertreter ist Markus Kiesler. Weitere Posten bekleiden: Jennifer Tillmanns (Pressesprecherin), Holm Barkmann (Kassenwart), Ralf Müller (Sportwart Mountainbike), Christian Friedrich (Sportwart Rennrad), Mitja Girkin (Sportwart Gravity/Klingentrail), Martina Quadder (Jugendwartin).

Trainer: Ralf Müller, Christian Friedrich, Martina Quadder, Karsten Quadder, Andreas Künzel, Björn Pfeiffer (Gravity/Klingentrail) und Majlen Müller, die auf viele Mountainbike-Erfolge national wie international blicken kann.

Kontakt: Der Verein ist auf Facebook und Instagram vertreten – Homepage: www.velosolingen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Sportvereinigung triumphiert im dritten Anlauf
Sportvereinigung triumphiert im dritten Anlauf
Sportvereinigung triumphiert im dritten Anlauf
Becker und Holzknecht sind rundum begeistert
Becker und Holzknecht sind rundum begeistert
Becker und Holzknecht sind rundum begeistert
Paulina Holzknecht sattelt ganz um
Paulina Holzknecht sattelt ganz um
Paulina Holzknecht sattelt ganz um
Deinet peilt das Finale über 200 m an
Deinet peilt das Finale über 200 m an
Deinet peilt das Finale über 200 m an

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare