Handball

Vanessa Brandt ist die Tormaschine des HSV Gräfrath

Wenn Vanessa Brandt abzieht, haben die Torhüterinnen in der 2. Liga zumeist das Nachsehen – egal, ob bei Sprung-, Hüft-, oder Schlagwurf. Foto: Moritz Alex
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Wenn Vanessa Brandt abzieht, haben die Torhüterinnen in der 2. Liga zumeist das Nachsehen – egal, ob bei Sprung-, Hüft-, oder Schlagwurf.

Die Rückraumspielerin hat in dieser Saison einen gewaltigen Sprung gemacht – wo das noch hinführt, erwartet sie mit Spannung.

Von Thomas Rademacher

Oft wünschen sich Handballtrainer zumindest einen Spieler im Kader, der die sogenannten einfachen Tore erzielen kann – soll heißen: jemand, der auch dann noch trifft, wenn spielerisch gerade nichts mehr funktioniert. Vanessa Brandt ist so eine Spielerin. Wenn die Zweitliga-Handballerin des HSV Solingen-Gräfrath abzieht, schlägt die Kugel oft mit brachialer Gewalt in den Maschen ein. „Das ist schon seine sehr hohe Wurfhärte – gerade im Frauenbereich“, sagt ihre Trainerin Kerstin Reckenthäler. „Aber die hatte sie schon immer. In dieser Saison kommt auch noch ihre ganze Dynamik zur Geltung.“ So steht Vanessa Brandt mit 56 Treffern auf dem zweiten Platz der ligaweiten Torschützenliste und hat großen Anteil am schier unglaublichen Lauf, den die Solingerinnen in dieser Saison hinlegen. Der Tabellenletzte der vorigen Spielzeit ist mit 11:3-Punkten plötzlich in der Spitzengruppe unterwegs.

„Wir fragen uns manchmal selbst, was mit uns passiert ist.“
Vanessa Brandt, HSV-Spielerin

„Wir fragen uns manchmal selbst, was mit uns passiert ist“, sagt Brandt, wagt die Analyse aber trotzdem: „In der vorigen Saison war es für viele von uns das erste Jahr in der 2. Liga. Da wussten wir teilweise nicht, wo vorne und hinten ist. Inzwischen kann man sagen, dass wir angekommen sind.“ Das gilt auch für Brandt. Torjägerin war sie schon immer, doch noch nie war sie so gefährlich wie in dieser Saison. „Sie hat die Corona-Zeit sehr gut genutzt“, findet Reckenthäler. „Sie hat ihre Ernährung umgestellt und mehr im Athletikbereich gearbeitet. Der Erfolg ist jetzt auch auf dem Feld zu sehen. Sie ist eine der Spielerinnen, die den größten Fortschritt gemacht haben.“

So ist Vanessa Brandt nicht nur in der Lage, über die gegnerische Deckung zu werfen, um eines der begehrten einfachen Tore zu erzielen, sondern besticht auch mit einem dynamischen Zweikampfverhalten, das vom Gegner oft nur durch einen Griff ins Trikot zu unterbinden ist. Die 21-Jährige zieht regelmäßig zwei Abwehrspielerinnen auf sich und verschafft damit Spielmacherin Mandy Reinarz Platz oder eröffnet die Passmöglichkeit an den Kreis zu Carina Senel. Kurz: Brandt ist eine der absoluten Leistungsträgerinnen ihres Teams.

Dass solche Qualitäten Begehrlichkeiten wecken, liegt auf der Hand. „Es gab schon früher das eine oder andere Angebot von anderen Vereinen, aber ich habe mich immer sehr wohl gefühlt beim HSV“, sagt die Sportlerin, die dabei klingt, als würde sie schon viele Jahre in Solingen spielen. Dabei bestreitet sie erst ihre dritte Saison mit den Gräfratherinnen. Im Sommer 2018 wechselte Brandt von Borussia Dortmund zum damaligen Drittligisten. „Ich kam aus der A-Jugend-Bundesliga, durfte auch ins Erstliga-Team hereinschnuppern, aber ich wollte eine Ausbildung beginnen“, erzählt sie. „Meine Eltern kannten Nicole Münch, die damalige Trainerin des HSV – so kam der Kontakt zustande.“

Das Kapitel Münch endete zwar nach wenigen Spieltagen, doch an einen Wechsel hat Brandt nicht gedacht. „Mit Keke (Kerstin Reckenthäler, d. Red.) hat es auf Anhieb sehr gut funktioniert, so dass ich nie daran gezweifelt habe, in Solingen richtig zu sein.“ Privat hat sich die gebürtige Hattingerin in Wuppertal niedergelassen. Ihre Ausbildung zur Steuerfachangestellten absolviert sie in Ennepetal. „Der Aufwand ist zwar groß, aber dadurch, dass wir nicht morgens trainieren, ist er noch gut zu bewältigen“, beschreibt sie ihren Alltag.

Im kommenden Sommer wird Brandt ihre Ausbildung voraussichtlich abschließen. Ob sie dann nur noch auf die Handballkarte setzt? „Ich werde nicht Vollzeit in dem Beruf weiterarbeiten, aber nur auf Handball werde ich mich auch nicht konzentrieren. Ich möchte ein Sport- und Wirtschaftswissenschaftsstudium auf Berufsschullehramt beginnen“, sagt die Rückraumspielerin.

Einen schnellen Wechsel in die Erstklassigkeit strebt sie jedenfalls nicht an: „Klar will ich noch sehen, was ich im Handball erreichen kann. Aber ich bin noch jung und muss nichts überstürzen. Auch in zwei Jahren habe ich noch das perfekte Alter für den Sport.“ Zudem mag Brandt auch ihre Rolle als Führungsspielerin des HSV. Das ist ihr auf dem Feld anzumerken. Einen Verbleib über das Saisonende hinaus hält sie für möglich: „Die Gespräche laufen, auch wenn ich noch nichts Konkretes sagen kann.“

Vanessa Brandt

Familie: Dass die HSV-Torjägerin den Weg zum Handball gefunden hat, ist keine Überraschung. Ihre Mutter Anna war eine herausragende Spielerin, die sogar für Deutschland angetreten ist. Vater Jens lief in der 3. Liga für Dortmund auf. Dort spielt aktuell ihre zwölfjährige Schwester Jana im Nachwuchs. „Wer weiß, vielleicht können wir irgendwann mal zusammen auf der Platte stehen“, sagt Vanessa Brandt.

Anfänge: Begonnen hat Brandt in ihrer Heimat bei der JSG Hattingen-Welper. Von der C- bis zur A-Jugend trat sie für Borussia Dortmund an.

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