Fußball

Das waren unvergessliche Eintracht-Momente

Am 26. Mai 2013, dem viertletzten Niederrheinliga-Spieltag, bejubelten die Eintracht-Frauen einen 2:0-Heimsieg gegen den späteren Vizemeister SV Hemmerden. Ein Meilenstein auf dem Weg in die Regionalliga.
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Am 26. Mai 2013, dem viertletzten Niederrheinliga-Spieltag, bejubelten die Eintracht-Frauen einen 2:0-Heimsieg gegen den späteren Vizemeister SV Hemmerden. Ein Meilenstein auf dem Weg in die Regionalliga.

Mit dem Rückzug vor wenigen Wochen ist eine Ära des Solinger Frauenfußballs zu Ende gegangen.

Von Sonja Bick

Es ist der 9. Juni 2013, vorletzter Spieltag der Frauen-Niederrheinliga: Eintracht Solingen ist Tabellenführer, allerdings mit nur zwei Pünktchen Vorsprung. Am Sportplatz Zietenstraße feuern rund 300 Zuschauer das Team in Schwarz-Gelb an und jubeln, als in der 71. Minute das erlösende 1:0 fällt. Am Ende heißt es gegen Jägerhaus-Linde 2:0.

Sonja Bick (40, hier links an der Seite von Nicole Päpke) war als Fußballerin zwischen 1997 und 2014 selbst von der Kreis- bis in die Regionalliga dabei und hat mit einigen Toren zu den Erfolgen der Eintracht beigetragen.

Am Spieltag darauf gelingt der Eintracht bei Viktoria Krefeld ein 4:0 und somit der historische Aufstieg in die Regionalliga West, der dritthöchsten Liga im Frauenfußball. Und die Gegner heißen statt TB Heißen oder CfR Links plötzlich Bayer Leverkusen, VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach. „In unserem ersten Spiel gegen Alemannia Aachen dachten wir nach fünf Minuten: Ach du Schande, worauf haben wir uns hier eingelassen?“, blickt Andrea Rohrbach-Kerl lachend zurück. „Viel mehr Tempo, viel mehr Taktik. Was für eine Herausforderung. Aber welche Ehre, dabei sein zu dürfen.“

„Wir waren einfach ein geiles Team – egal ob Jung oder Alt. Es war perfekt.“

Marion Schnäbelin-Perschke, Spielerin von 1979 bis 2007

Die heute 41-Jährige war von 1995 bis 2022 Eintracht-Mitglied und hat von der Kreis- bis zur Regionalliga alle Aufstiege mit geprägt. „Rückblickend ganz schön beeindruckend, was wir da als Team aus dem Nichts geschafft haben“, sagt die langjährige Spielführerin. „Eigentlich hatten wir immer mit so viel Gegenwind zu kämpfen und haben es doch mit Ehrgeiz, Kraft, Wille, Ausdauer und Emotionen geschafft.“

Monika Heidrich gehörte über Jahrzehnte zu den prägenden Figuren bei der Eintracht – auf und neben dem Platz.

Weitere Gründe nennt die langjährige Torjägerin Nicole Päpke (2006 bis 2016): „Wir waren immer eine disziplinierte Truppe auf dem Trainingsplatz und an Spieltagen, aber auch außerhalb war eine gute Stimmung untereinander.“

Das, bestätigt Monika Heidrich (geborene Fleck), sei von Beginn an so gewesen. Bereits ein Jahr nach der Gründung der Frauenfußball-Abteilung im Jahr 1973 war die heute 65-Jährige dabei. 1977 gründete und trainierte sie die Mädchenmannschaft, feierte 1993 als Spielertrainerin den ersten Aufstieg in die Landesliga und war jahrelang Torschützenkönigin. „Gerade in den ersten zehn Jahren waren wir alle ein eingeschworenes Team. Jede Mannschaft hat sich gegenseitig angefeuert, und anschließend haben wir stundenlang im Vereinslokal gefeiert und gesungen“, blickt Monika Heidrich, die bis 2018 Mitglied war, zurück. „Es hat immer Spaß gemacht. Die Fußballabteilung ist zu Länderspielen gefahren und hat gemeinsame Fahrten gemacht.“

Das ist tatsächlich auch heute noch so. Es sind in der Zeit viele Freundschaften entstanden, und so fährt eine Gruppe um Anja Lunau, Anja Cassens und Co. weiterhin einmal im Jahr gemeinsam weg. Mit dabei ist auch Marion Schnäbelin-Perschke, die in den Jahren von 1979 bis 2007 für die Eintracht im Mittelfeld die Regie führte. „Wir waren einfach ein geiles Team – egal ob Jung oder Alt. Es war perfekt. Wir haben uns so gut verstanden. Sonst hätte das auch nicht so funktioniert.“

In diesem Zusammenhang ist ihr ein Spiel besonders in Erinnerung geblieben: Im September 2000 lag die Eintracht gegen SW Düsseldorf mit 1:4 zurück. Am Ende stand es 5:4 – sie selbst hatte den Siegtreffer erzielt. „Unglaublich, wie wir da aufgeholt haben, und das ohne Trainer“, sagt die heute 53-Jährige.

Nicht nur einmal stand die Eintracht ohne Verantwortlichen an der Seitenlinie da – und trotzdem blieb das Team zusammen. „Wir hatten viele verschiedene Trainer, aber drei haben zu unserem Erfolg beigetragen“, sagt Nicole Päpke. „Uli Jaeger, der Schleifer für Kondition und Disziplin. Mark Zilleßen, der uns den modernen Fußball taktisch nähergebracht hat, und Thomas Eigerdt, der das Ganze mit dem Aufstieg gekrönt hat.“ Der Regionalliga-Aufstieg sei ihr persönliches Highlight, sagt die heute 33-Jährige. „Aber auch unsere Fans bei Heimspielen und auf den weiten Auswärtsfahrten mit dem Bus. Und meine vielen Tore natürlich.“ So wie beim 2:0 am 9. Juni 2013 – einer von vielen unvergesslichen Eintracht-Momenten.

Ehemalige Spielerinnen erinnern sich: Von Gänsehaut bis zum Frosch und der Butter

Anja Lunau (53, Spielerin von 1987-2012): „Als wir 1993 in die Landesliga aufgestiegen sind, ist Britta Meier mit ihrem Auto auf den Aschenplatz an der Zietenstraße gefahren und hat laut ,We Are The Champions’ gespielt. Zusammen mit der anschließenden Sektdusche ein absoluter Gänsehaut-Moment“.

Anja Lunau (53, Spielerin von 1987-2012)

Sabine Senkowski (jetzt Karmisevic, 48, Spielerin 86-96 und 02-12): „Im Jahr 2005, als wir in Hilgen in die Niederrheinliga aufgestiegen sind: Mein Kopfballtor in den Winkel zum 2:0, dann anschließend noch die Party im Brandy’s – das bleibt unvergessen.“

Sabine Senkowski (jetzt Karmisevic, 48, Spielerin 86-96 und 02-12)

Ann-Kathrin Hadamek (jetzt Dietrich, 33, Spielerin 06-15): „Die Ansprache von Thomas Eigerdt vor dem Pokalspiel gegen Gladbach im März 2013 war legendär. Wir sollten, wie der Frosch in der entsprechenden Fabel, aus Milch Butter machen. Wir haben nur 0:1 verloren. Kurz darauf sind wir aufgestiegen und hatten Shirts mit einem Frosch, der Butter gemacht hat.“

Ann-Kathrin Hadamek (jetzt Dietrich, 33, Spielerin 06-15)

Aufstiege

1993: Landesliga

2001: Landesliga

2005: Niederrheinliga

2013: Regionalliga

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