Baseball-Bundesliga

Trübe Stimmung bei den Solingen Alligators

Passend zur Witterung machten die Alligators zum Schluss Gesichter wie sieben Tage Regenwetter. Foto: Moritz Alex
+
Passend zur Witterung machten die Alligators zum Schluss Gesichter wie sieben Tage Regenwetter.

Cologne Cardinals nehmen überraschend einen Sieg mit – Regen kostet Revanche-Chance.

Von Thomas Rademacher

Es war ein gebrauchter Tag, den die Solingen Alligators gegen die Cologne Cardinals erwischt hatten. „Mir fehlen dafür die richtigen Worte“, ordnete Nils Hartkopf ein. „Das hat nach außen bestimmt schrecklich ausgesehen. Als seien wir benommen gewesen. Es tut mir für das Publikum, das uns angetrieben hat, wirklich leid – eine absolute Enttäuschung war das.“ Die Kölner gehören in der Nordgruppe der Baseball-Bundesliga gewiss nicht zu den Favoriten. Aber in Solingen feierten sie beim 4:1 völlig überraschend ihren zweiten Saisonsieg gegen am Schlag harmlose Alligators. Der einsetzende starke Regen und daraus folgende Ausfall des zweiten Duells setzte dem Ganzen aus Sicht der Klingenstädter noch die Krone auf.

„Wir haben uns heute selbst geschlagen.“

Nils Hartkopf, Alligators-Spieler

Die Domstädter erwischten gleich den besseren Start. Josef Rosenthal erreichte nach seinem Schlag sofort die dritte Base, und Samuel Gorsch holte ihn und sich selbst mit einem Homerun nach Hause. Giovanni Tensen agierte auf dem Solinger Wurfhügel zwar solide, kassierte bis zum fünften Durchgang aber zwei weitere Gegenpunkte.

Die Alligators fanden allerdings überhaupt keine Antworten. In acht Abschnitten gelangen der Truppe zwei Treffer. Brandt Holland landete einen davon, als er auf 1:4 verkürzte. Der zweite ging auf das Konto von Karsten Schäfer. Davon abgesehen erreichten die Gastgeber die erste Base nur, weil die gegnerischen Werfer, Niklas Piontek beziehungsweise Florian Kawczynski, die Strike-Zone nicht trafen. Das Duo agierte so unpräzise, dass insgesamt elf Solinger den Freilauf bekamen. Chancen ergaben sich dadurch in großer Menge, doch Profit gab es keinen.

„Wir haben uns heute selbst geschlagen. Das muss man so sehen – bei allem Respekt für die Kölner“, sagte Hartkopf, der selbst im Angriff auch nicht viel zustande bekam. „Es war wie eine Blockade. Ich hatte Schmerzen im Handgelenk, die mich daran gehindert haben, befreit aufzuspielen. Eine Katastrophe, wie sich das durch das Spiel gezogen hat“, meinte der Third-Baseman. Da die Solinger durch die Bank so schwach auftraten, konnten die Cardinals recht bequem an Brandt Holland vorbeiwerfen. Der US-Amerikaner erhielt zwei freie Bases, Fernando Escarra sogar drei. Kein Alligator holte sie nach Hause. Insgesamt kassierte die Truppe sogar zehn Strike-outs – zwei davon gingen auf das Konto von Jake MacDonald, auf den offensiv bislang eigentlich immer Verlass gewesen war.

Lars Szameitpreuss erklärt seinen sofortigen Rücktritt

„Uns fehlte da auch einfach der Biss. Das Spiel plätscherte einfach vor sich hin. Als einzigen leicht entlastenden Faktor lasse ich die drei Wochen Spielpause gelten. Eine Entschuldigung ist das aber trotzdem nicht“, meinte Hartkopf. Nach acht Durchgängen begann dann der Regen. Kurz darauf folgte der Abbruch, die Wertung der Partie für Köln und der Ausfall des geplanten zweiten Duells. Ob das vor den Play-offs noch nachgeholt werden kann, ist offen.

„Ziemlich enttäuscht“ ist auch Peter Niemeyer. Ein solches Spiel hat er schon lange nicht mehr gesehen. Der Alligators-Vorsitzende berichtet zudem vom plötzlichen Rücktritt von Lars Szameitpreuss. „Aus beruflichen Gründen steht er uns nicht mehr zur Verfügung“, sagt Niemeyer über den Infielder, der viele Jahre zum Stammpersonal des Teams gehörte. Hartkopf hat dazu eine klare Meinung: „Wir fühlen uns schon im Stich gelassen. Eine solche Entscheidung kann man nach der Saison treffen.“ Hartkopf verweist auf ein Trainingsvorkommnis als Auslöser. „Letztlich eine Lappalie.“ Sein Mitspieler Dustin Hughes sieht es ähnlich: „So etwas macht man als Mannschaftssportler nicht.“

Lars Szameitpreuss hat Verständnis, dass seine ehemaligen Mannschaftskameraden seinen Schritt nicht akzeptabel finden, verweist aber auf Unstimmigkeiten. „Mir ist es in meinem Job nicht immer möglich, frühzeitig zum Training zu kommen. Das hat schon früher zu Diskrepanzen geführt“, sagt der Sportler. „Ich erwarte keine Sonderbehandlung, aber ein wenig Verständnis.“

Ausblick

Die Teilnahme an den Play-offs haben die Alligators weiterhin in eigener Hand. Doch in Dohren (Samstag) und gegen Berlin (17. Juli) müssen nun Siege her. Sonst droht sogar erstmals in der Clubhistorie das Verpassen des Viertelfinals.

Meinung: Reinigendes Gewitter

Von Thomas Rademacher

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Über den Sonntagnachmittag der Solingen Alligators hüllt man wohl besser den Mantel des Schweigens. Die Bundesliga-Baseballer haben tatsächlich gegen die Cologne Cardinals verloren. Das ist an sich schon eine Überraschung, selbst wenn es in der Vergangenheit bereits vorgekommen war. Das lag dann aber stets an einem überragenden Werfer, der im Baseball schließlich manchmal Spiele im Alleingang entscheiden kann. Ein solcher stand am Sonntag am Weyersberg aber nicht auf dem Wurfhügel. Beide Kölner Pitcher hatten wenig Kontrolle, ließen dadurch unheimlich viele Freiläufe auf die Bases zu. Solche Chancen dürfen auch die Alligators mal auslassen – gegen Köln „strandeten“ allerdings elf Läufer. „Einige sahen nicht bereit für das Spiel aus“, befand Trainer Wayne Ough mit etwas Distanz zum 1:4. Dabei kann man es belassen und feststellen: Mit weiteren solchen Leistungen verpassen die Alligators die Play-offs.

Wie eine Farce wirkt auch die zweite Nachricht um die Partie gegen Köln. Lars Szameitpreuss zieht sich aus beruflichen Gründen mitten in der Saison zurück. Es ist offensichtlich zu Auseinandersetzungen im Training gekommen, die ihn zu diesem drastischen Schritt bewogen haben. Verständlich, dass die wenigsten seiner Mannschaftskameraden den sofortigen Rückzug goutieren. Von außen betrachtet, beschleicht einen das Gefühl, dass der Konflikt mit einem reinigenden Gewitter gelöst werden könnte. Das letzte Wort ist sicher noch nicht gesprochen, denn Szameitpreuss gehört weiterhin dem Vorstand an.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Zeitplan im Kreispokal gerät arg ins Wanken
Zeitplan im Kreispokal gerät arg ins Wanken
Zeitplan im Kreispokal gerät arg ins Wanken
HSV startet bei Werder und hat ein frühes Derby
HSV startet bei Werder und hat ein frühes Derby
HSV startet bei Werder und hat ein frühes Derby
Mit Trotz und Optimismus in die neue Saison
Mit Trotz und Optimismus in die neue Saison
Mit Trotz und Optimismus in die neue Saison
Unding: Amateur- und Jugendsportler vor nächster Pause
Unding: Amateur- und Jugendsportler vor nächster Pause
Unding: Amateur- und Jugendsportler vor nächster Pause

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare