Skaterhockey

Titelkampf ist einmalige Chance und Tragödie zugleich

Weil sein Vater in Quarantäne ist, trägt Jonah Harscheidt (2.v.l.) die Verantwortung für die mit (v.l.) Mirco Haarmann, Luke Harscheidt und Aaron Fürst spielenden Velberter. Foto: Markus Steffl
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Weil sein Vater in Quarantäne ist, trägt Jonah Harscheidt (2.v.l.) die Verantwortung für die mit (v.l.) Mirco Haarmann, Luke Harscheidt und Aaron Fürst spielenden Velberter.

Skaterhockey: Drei Solinger treten am Wochenende mit den Velbert Commanders um die Deutsche U16-Meisterschaft an

Von Thomas Rademacher

In Solingen gibt es keinen einzigen Skaterhockey-Verein, doch im Umland ist die Sportart, die am ehesten Eishockey auf Inline-Skatern entspricht, sehr beliebt. Nordrhein-Westfalen gilt sogar als Hochburg, und die Crash Eagles Kaarst sind vor allem im Nachwuchs so etwas wie das Bayern München ihres Sports. An diesem Wochenende findet in Düsseldorf (Samstag und Sonntag, jeweils ab 9 Uhr, Sportpark Niederheid) die Deutsche U16-Meisterschaft statt. Mit dabei sind drei Solinger Spieler und zwei Trainer, die sich mit den Velbert Commanders für die Titelkämpfe qualifiziert haben. „Es ist eine einmalige Chance“, sagt Chefcoach Markus Harscheidt. „Für mich ist es aber leider auch eine Tragödie.“

Der 50-Jährige hat sich vor gut einer Woche mit dem Coronavirus infiziert. „Vermutlich ist es bei der Arbeit im Fahrschulauto passiert“, sagt der Trainer, der Erkältungssymptome hatte und deshalb noch bis kommenden Dienstag in Quarantäne bleiben muss. „Das ist leider so, obwohl ich inzwischen wieder negativ getestet bin“, hadert er. „Nicht nur in meiner Rolle als Verantwortlicher wäre ich gerne dabei gewesen, sondern auch, weil ich meinem Sohn beim bisher größten sportlichen Ereignis seines Lebens gerne zugeschaut hätte.“ Das geht nun voraussichtlich nur via Livestream.

Das Gute: Zumindest dürfen Luke Harscheidt und als Trainer sein Bruder Jonah bei den Titelkämpfen antreten. Beide leben zwar im selben Haushalt, sind aber geimpft und wurden negativ getestet. Da Vater Markus sich sofort auf dem Dachboden isolierte, bleibt die riesige sportliche Chance erhalten.

„Ziel ist natürlich, das letzte Spiel des Jahres zu absolvieren.“

Markus Harscheidt, Trainer

Ebenfalls gesetzt sind die beiden weiteren Solinger im Team: Mannschaftskapitän Aaron Fürst und Torhüter Mirco Haarmann. Beide trainierten bereits in jungen Jahren unter Markus Harscheidt – damals noch bei den Hilden Flames. Anfang des vorigen Jahres ging es nach Velbert, wo die Saison 2020 zwei Mal coronabedingt abgebrochen wurde und 2021 verspätet eine verkürzte Spielzeit durchgezogen wurde. Die 1. Jugendliga West wurde in zwei Gruppen geteilt, die jeweils Ersten sollten sich für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren.

„Ich hatte schon bei der Einteilung ein gutes Gefühl“, sagt der Coach. „Wir waren mit Essen und Bissendorf (Niedersachsen) in einer Gruppe.“ Die Velberter gewannen alle acht Spiele, zogen damit ins NRW-Finale ein, wo sie erwartungsgemäß deutlich gegen Kaarst, den verlustpunktfreien Sieger der Parallelgruppe, unterlagen. Die Mannschaften sehen sich am Samstag wieder. Gleich zum Auftakt um 9 Uhr bestreiten sie ihr Duell. Es folgen fünf weitere Partien gegen Teams aus Bayern, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. „Ziel ist natürlich, das letzte Spiel des Jahres zu absolvieren“, sagt Harscheidt. Dazu sind mindestens der vierte Platz nach der Vorrunde und ein Sieg im Halbfinale nötig. Topfavorit ist freilich Kaarst, „aber ich habe die Hoffnung, dass wir besser als der Rest sind.“ Sollte der Final-Coup gelingen, winkt im kommenden Jahr die Teilnahme am Europapokal.

Dort dürfte die Mannschaft in ihrer aktuellen Besetzung antreten, obwohl der Großteil in die U19 aufrückt. „Das ist natürlich ein großer Anreiz“, sagt Kapitän Aaron Fürst. „Wir haben sehr hart dafür gearbeitet. Ich meine aber sogar, dass wir eine Chance auf den Meister-Titel haben – obwohl wir gegen Kaarst im NRW-Finale klar verloren haben.“ So sei nicht immer die beste Besetzung auf dem Feld gewesen. „Der Stellenwert der NRW-Meisterschaft war auch nicht so hoch wie die Deutsche, weil sowieso beide Teams dafür qualifiziert waren. Wir haben ein paar Schwächen des Gegners rausgefunden, die wir am Wochenende nutzen wollen.“

Hintergrund

Skaterhockey: Gespielt wird fünf gegen fünf inklusive Torhütern. Körperkontakt ist wie im Eishockey erlaubt. Statt auf Kufen geht es auf Rollen zur Sache, der Puck wird durch einen Ball ersetzt.

Die Solinger: Aaron Fürst und Luke Harscheidt sind die erfolgreichsten Torjäger der Velberter U16, Mirco Haarmann ist im Tor gesetzt. An der Bande übernimmt Jonah Harscheidt für seinen Vater die Rolle des Cheftrainers.

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