Tennis

Tennis-Club Ohligs beherbergt drei ukrainische Frauen

Freuen sich, eine gute Übergangslösung gefunden zu haben (v.l.): Stefan Hugo (Vorstand TCO), Viktoriia Statska, Valeriia Statska, Raia Brezytska und Axel Flügge.
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Freuen sich, eine gute Übergangslösung gefunden zu haben (v.l.): Stefan Hugo (Vorstand TCO), Viktoriia Statska, Valeriia Statska, Raia Brezytska und Axel Flügge.

Oma, Mutter und erwachsene Tochter sind in die ehemalige Gastronomie-Wohnung auf der Anlage gezogen.

Von Jutta Schreiber-Lenz

So allmählich kehrt das Lächeln in die Gesichter von Valeriia (23) und Viktoriia (44) Statska sowie Raia Brezytska (64) zurück. Die drei Frauen – Großmutter, Mutter und Tochter – konnten Anfang Mai in die vom Tennis-Club Ohligs extra für sie sanierte Wohnung in der ersten Etage des Vereinshauses einziehen und sind spürbar dankbar und glücklich darüber. Nicht nur über das neue Zuhause, das ihnen zwar die zurückgelassene Heimat in Charkiw nicht ersetzen kann, aber doch eine Basis für einen Neuanfang in Solingen bietet. Sondern auch über die zupackende Freundlichkeit der Vereinsmitglieder und ihres Netzwerks sowie die Anbindung an das sportliche Geschehen und die Gemeinschaft auf der Anlage im Grünen.

„Alle hatten noch nie zuvor etwas mit Tennis zu tun. Nun haben alle drei einen Schläger und üben fleißig – an der Wand oder miteinander“, sagt Stefan Hugo aus dem TCO-Vorstand. Über ihn und seine Nachbarn, Tanja und Axel Flügge, kam der Kontakt zu Familie Brezytska/Statska zustande. „Seit März sind sie in Solingen, gekommen mit einem Bus, der Flüchtlinge an der Grenze zu Polen eingesammelt und hierher gebracht hat“, erzählt Axel Flügge. Zunächst kamen sie im ehemaligen Hotel in den Straßen in Oberburg unter, mussten diese Bleibe wegen nicht ausreichenden Brandschutzes wieder verlassen und waren dann eine Weile im Walder Roten Esel.“

„Unsere Stadt, Charkiw, gibt es nicht mehr.“

Viktoriia Statska

Er sei in der „Oberburg-Phase“ eingestiegen, berichtet Flügge. „Da gehörte ich über Bekannte zum Helferteam.“ In Gesprächen mit Stefan Hugo kam schnell die leerstehende Einliegerwohnung beim TCO ins Spiel. „Unsere neuen Gastronomen des Clubheimes wohnen nicht dort, so dass es nahe lag, diese leerstehenden Räume anzubieten. Allerdings musste da ziemlich viel dran getan werden“, sagt Hugo und nutzte hauptsächlich die Osterferien, um gemeinsam mit seiner Frau und freiwilligen Helfern aus dem Verein neue Böden zu verlegen und Wände zu streichen. „Handwerker haben ihre Arbeiten für Elektrik und Sanitär gespendet, und sogar eine Einbauküche konnten wir günstig bekommen“, erzählt er voller Dankbarkeit für alle Zeit- und Geldspenden.

Raia, Valeriia und Viktoriia zeigen sich bei ihren deutschen Freunden auf ihre Art erkenntlich. Sie schauen nach dem Rechten im Vereinsheim und auf der Anlage oder packen mit an, wo es passt. Längst hat Valeriia ihr Ingenieurstudium wieder aufgenommen, dass sie in Kiew begonnen hatte: abends, nach ihrer Arbeit in der Produktion bei Item. Ihre Mutter hat inzwischen einen Job bei der Firma Moll gefunden, Raia sucht noch eine bezahlte Aufgabe. Die Wohnung muss bezahlt werden, und auch für ihren Lebensunterhalt möchten die Frauen selbst sorgen. Wie es nun dauerhaft weitergeht? Alle zucken mit den Schultern. „Unsere Stadt, Charkiw, gibt es nicht mehr“, sagt Viktoriia leise auf Deutsch. Sie alle nehmen Sprachunterricht, üben täglich mit Vokabeln und Videos, ergänzend zu dem Kurs, der nun bald beendet ist, dem aber ein aufbauender folgen soll. „Am liebsten würden wir zurückgehen, aber ob das möglich ist, steht in den Sternen.“ Diesen Satz spricht sie ins Handy und lässt das Ergebnis des benutzten Übersetzungsprogramms dann ablaufen.

Im Herbst müsse sie nach Kiew, zur Uni, zur Abschlussprüfung in Präsenz. Dorthin, wo es ihr Freund nach wie vor aushält. Ob ihr Abschluss als Ingenieurin hier anerkannt wird? Auch das weiß Viktoriia noch nicht.

Vor drei Wochen konnten die drei Frauen ihre Katze in die Arme schließen, die mit einem Tiertransport freiwilliger Helfer nach Solingen gekommen war. „Das war wunderbar“, freut sich Valeriia. Bis dato hatte eine Nachbarin sich um das Tier gekümmert. Ein weiterer Grund zum Lächeln. Oft fällt es noch schwer.

Hintergrund

Der TC Ohligs 1914 bietet Freizeit- wie Leistungssport. Mannschaften im Herren , Damen- und Junioren-Bereich spielen regelmäßig in den einschlägigen Ligen. Weitere Infos zur Mitgliedschaft, Preisen und mehr unter: tc-ohligs-1914.de

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