Judo

Temming und Mähler für Engagement gewürdigt

Marcus Temming (2.v.l.) und Dirk Mähler (3.v.l.) öffneten ihr zwangsweise geschlossenes Studio, um von Angela Andree (l.) und Benjamin Behrla (r.) eine besondere Auszeichnung entgegenzunehmen. Foto: Thomas Rademacher
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Marcus Temming (2.v.l.) und Dirk Mähler (3.v.l.) öffneten ihr zwangsweise geschlossenes Studio, um von Angela Andree (l.) und Benjamin Behrla (r.) eine besondere Auszeichnung entgegenzunehmen.

Die Judotrainer des BFC Solingen freuen sich über die Ehrung des Landesverbandes, sorgen sich aber um die Zukunft.

Von Thomas Rademacher

Rege ist normalerweise das Geschehen im Fitness Centrum TM auf der Konrad-Adenauer-Straße. Doch in diesen Tagen herrscht dort Tristesse. Seit Anfang November müssen die Inhaber Marcus Temming und Dirk Mähler aufgrund der Coronaschutzverordnung ihre Türen verschließen. Für Benjamin Behrla und Angela Andree vom Nordrhein-Westfälischen Judo-Verband (NWJV) macht das Duo aber eine Ausnahme. Die Funktionäre zeichnen die Judotrainer für ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit im Verband aus.

In den Räumlichkeiten des Fitnessstudios betreiben Temming und Mähler auch den 1992 gegründeten BFC Solingen, einen Kampfsportverein mit Schwerpunkt Judo. Mit Kursen für Jung und Alt an sechs Tagen in der Woche verdienen die beiden Lizenztrainer ihr Geld, doch sie helfen mit ihrer Erfahrung seit vielen Jahren auch dem Verband. „Man kann die beiden als Botschafter für den Judosport bezeichnen“, sagt Angela Andree vom NWJV. Seit mehr als zwölf Jahren veröffentlichen Temming und Mähler im Verbandsmagazin „Budoka“ monatlich eine bebilderte Krafttrainingsübung. Ein dazu passendes Video gibt es jeweils online.

„Die Übungen richten sich an alle Kampfsportler und dienen vor allem der Verringerung der Verletzungsgefahr“, erläutert Temming. 35 000 Verbandsmitglieder haben die Chance, davon zu profitieren. Dazu bieten Temming und Mähler drei bis vier Mal im Jahr für den Verband ehrenamtlich Trainerfortbildungen an und haben 2020 maßgeblich beim bundesweit entwickelten Taiso-Projekt, einer judospezifischen Gymnastik, mitgeholfen. „Taiso ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden“, sagt Benjamin Behrla. „Das funktioniert mit vier genauso gut wie mit 60.“

„Sport sollte Teil der Lösung sein.“

Benjamin Behrla, Vizepräsident des Judoverbandes NRW

Wenn Behrla und Andree über die BFC-Judotrainer sprechen, ist die Wertschätzung in jedem Satz spürbar. Behrla war es als Vizepräsident des Verbandes besonders wichtig, die Ehrung persönlich vorzunehmen. 2008 schaffte es der Judoka zu den Olympischen Spielen nach Peking. „Die beiden waren damals meine Athletiktrainer – eine Funktion, die zu dieser Zeit noch völlig neu war, inzwischen in den meisten Bereichen aber nicht mehr wegzudenken ist“, sagt der Bronzemedaillen-Gewinner der EM 2008 und 2010.

Temming und Mähler sind angesichts der Würdigung ihres Engagements fast gerührt – gerade angesichts der aktuellen Lage, in der sie ihre Trainerqualitäten nicht zeigen dürfen und zum Warten verdonnert sind. „Die Situation geht inzwischen an die Nerven“, sagt Dirk Mähler. „Wir hoffen darauf, dass zeitnah eine Differenzierung stattfindet und nicht jedes Angebot rigoros geschlossen bleibt.“

200 Mitglieder hatte der BFC vor dem Lockdown, etwa 1000 das Fitnessstudio. „Die Zahlen gehen derzeit nach unten“, hadert Mähler. Temming ergänzt: „Wir sind optimistisch, dass viele zurückkommen, wenn wir wieder öffnen dürfen. Aber das muss – selbstverständlich mit Vorsichtsmaßnahmen – dann auch bald geschehen.“

Sport werde als Teil des Problems wahrgenommen, findet Behrla. „Dabei sollte Sport Teil der Lösung sein.“ Dass es nicht gesund ist, auf Bewegung zu verzichten, ist hinlänglich bekannt. „Viele Kinder haben seit November nichts mehr getan“, ist Mähler überzeugt. „Schon nach dem ersten Lockdown, der viel kürzer war, mussten wir einiges nachholen. Dieser Effekt wird diesmal wohl noch spürbarer sein.“

Corona-Lockdown

Hilfen: Da Fitness Centrum und Judoclub seit Anfang November geschlossen haben, nehmen Marcus Temming und Dirk Mähler staatliche Hilfsgelder in Anspruch. „Geflossen ist ein minimaler Abschlag. Wann und ob mehr kommt, ist völlig unklar“, ärgert sich Mähler.

Zukunft: „Ein Judoka, der fällt, steht immer wieder auf und wirft dann den anderen um“, bemüht Temming ein Judo-Bild für die angespannte Lage. Größere Sorgen als um sich selbst machen sich die beiden Trainer um viele kleinere Studios mit geringeren Rücklagen.

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