Serie

STB landet den Befreiungsschlag

Lutz Nippes (l.) und Stefan Mittelsten Scheid auf dem Vereinsgelände an der Zietenstraße mit dem Clubhaus. Fotos: Christian Beier
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Lutz Nippes (l.) und Stefan Mittelsten Scheid auf dem Vereinsgelände an der Zietenstraße mit dem Clubhaus.

Serie – wir beschäftigen uns unter anderem mit den Pandemie-Folgen für die Sportvereine

Der Solinger Turnerbund gehört zu den Vereinen in der Klingenstadt, die mit Besonderheiten aufwarten können. Gleich zwei Sportanlagen bilden die Heimat des Clubs – an der Zietenstraße findet man das große Vereinsheim samt Außenanlagen, vornehmlich Tennisplätzen. An der Beckmannstraße steht die Tennishalle. Beide Orte verbindet die Aufbruchstimmung. „Wir haben keine wirtschaftliche Not mehr und wollen uns über den Breitensport weiter in der Solinger Sportlandschaft etablieren“, beschreiben Lutz Nippes und Stefan Mittelsten Scheid die Ausgangsposition.

Die Tennishalle: 2008 hat der Verein das Gebäude mit Zufahrt über die Schützenstraße erworben. Und sich dabei finanziell kräftig verhoben. 800 000 Euro kostete das Objekt, die Summe musste finanziert werden, was in den Folgejahren große Sorgen auslöste. Mühevoll gelang es durch etliche Korrekturen, den Betrieb dort über Vermietungen bei plus minus null zu gestalten. „Wir haben natürlich auch davon profitiert, dass andere Tennishallen geschlossen wurden“, nennt Mittelsten Scheid, Leiter der Geschäftsstelle, einen glücklichen Umstand. Wie man mit dem dortigen Bistro umgehen wird, hängt von der Pandemie ab.

Das Projekt: Eine erfreuliche Entwicklung gab es bei der Tennishalle auch in anderer Hinsicht, wurde der STB doch beim Förderprogramm des Landes „Moderne Sportstätte 2022“ bedacht. 202 000 Euro betrug der Zuschuss aus der NRW-Staatskanzlei, 38 000 Euro legt der Verein drauf. Die ersten Maßnahmen sind schon umgesetzt. So ist der neue Heizkessel eingebaut und betriebsbereit, die Elektrik wurde erneuert und modernisiert. Aktuell wird die neue Heizung auf den Plätzen eingebaut. „Im Gesamtergebnis kann man sagen, alles ist okay“, zieht Nippes für den Vorstand ein erfreuliches Fazit.

Die Zietenstraße: Zentrum ist das Clubhaus, wo derzeit viele Arbeiten über die Bühne gehen. Nachdem aufgrund der vergangenen wirtschaftlichen Nöte auch an Verkauf und Vermietung gedacht war, wird es nun weiterhin ausschließlich vom STB genutzt. Die obere Ebene ist bereits neu hergerichtet, unten soll nun der Weg für sportliche Betätigung frei gemacht werden. Trotz Terrasse ist an Gastronomie nicht gedacht, es herrscht das Prinzip der Selbstbewirtschaftung.

„Wir sind mittlerweile super aufgestellt.“

Lutz Nippes zur Infrastruktur nach NRW-Förderprogramm und dem Gelände-Verkauf

Der Umbau: Dieser steht für die nächsten Jahre an der Zietenstraße im Raum, wo bald alle sechs Tennisplätze fertig aufbereitet zur Verfügung stehen. Hintergrund der geplanten Veränderung: die Vergrößerung der Verkaufsfläche in den angrenzenden Discountern Aldi und Lidl. Sollten die rechtlichen Voraussetzungen für eine Erweiterung von 800 auf 1200 Quadratmeter erfüllt sein, fällt gemäß Vertrag der hintere Teil der Tennisplätze weg. Durch eine Umgestaltung im vorderen Bereich bleiben aber vier Plätze erhalten.

Das Geld für den Erwerb der Fläche wurde dem STB kürzlich überwiesen, um Fristen im Projekt zu wahren. 600 000 Euro flossen auf das Konto des Vereins, der damit unter anderem die Entschuldung der Tennishalle, auch durch Rückzahlung von Mitglieder-Darlehen, vorantreibt sowie die sportliche Infrastruktur wie etwa der Investition ins Clubhaus stärkt und zukunftsfähig macht. „Wir sind mittlerweile super aufgestellt“, freut sich Nippes, der das Vorstandsamt mit Dietmar Dick erst nach dem Kauf der Halle – in wirtschaftlicher Schieflage – übernommen hat und seitdem durch diverse effektive Restrukturierungsmaßnahmen den Turnerbund wieder auf Kurs gebracht hat. Zumal es so aussieht, das komplette Areal trotz faktischen Teilverkaufs vorläufig weiter nutzen zu können.

Die Tennishalle an der Beckmannstraße – hier sind kräftige Sanierungsmaßnahmen im Gange.

Überlegungen gibt es bezüglich einer Komplettsanierung des Tartan-Multifunktionsplatzes – auch in Hinblick auf eine Nutzung durch die unmittelbar benachbarte Partner-Schule August-Dicke-Gymnasium und die auch nicht weit entfernte Theodor-Heuss-Schule. 30 000 Euro werden veranschlagt. Auf eine Antwort der Stadt zu diesen Plänen wartet man. Und überlegt, ob die Neugestaltung nicht mehr Sinn macht, wenn dann wirklich der größere Umbau greift.

Die Corona-Folgen: Mit Teil vier unserer Serie (zuvor Wald-Merscheider TV, Solinger LC, Merscheider TV) zeichnet sich ein Trend ab. Die Mitglieder bleiben ihren Vereinen in der Krise treu, das ist auch beim Turnerbund so. „Wegen Corona direkt gibt es keine Abmeldung, insgesamt ist die Zahl der Austritte nicht signifikant“, stellt Lutz Nippes diesbezüglich keine Probleme im normalen Vereinsbetrieb fest, zeichnet aber eine weitere verbreitete Entwicklung auf: „Die Neuanmeldungen sind gleich null.“ Befürchtungen, dass der Nachwuchs nach Corona nicht zurückkehrt, haben die Verantwortlichen nicht – eher herrscht die Sorge vor, dass sich ältere Sportler nicht mehr vom „Sofa-Modus“ verabschieden können.

Auch wenn Einnahmen durch Veranstaltungen oder Sponsoring fehlen, geht die finanzielle Rechnung auf – da die Kosten in Pandemie-Zeiten geringer sind. Online-Angebote werden durchgeführt, aber prinzipiell hatte sich der Verein dazu entschlossen, das Programm herunterzufahren.

Der Eissport: Neben dem EC Bergisch Land ist der STB mit dieser Abteilung prominenter Nutzer der Eissporthalle im Südpark. Und aufgrund deren ungewisser Zukunft – derzeit wartet man auf die Machbarkeitsstudie für einen Neubau an anderer Stelle – ist das Eiskunstlaufen mit seiner breiten Palette von Eislaufkursen bis hin zum Weihnachtszauber-Event ein Sorgenkind. „Mit der Halle steht und fällt alles“, sagen Mittelsten Scheid und Nippes, der den Verein in dem Gremium bei der Stadt vertritt, in dem über Fortbestand oder Neubau beraten wird. Die Hoffnung auf ein Happy End auch für die 140 Mitglieder der Abteilung ist weiter vorhanden.

Die Perspektive: Ganz klar dem Breitensport verschrieben hat sich der Turnerbund, tragende Elemente sind Tennis und Handball. Hier gibt es mit den Verbandsliga-Herren unter der sportlichen Leitung von Ex-Profi Robert Heinrichs ein durchaus leistungsorientiertes Team, aber ansonsten spielt der Wettkampfsport keine große Rolle. „Unser Bestreben ist es, viele Kinder zum Turnen oder Schwimmen zu bringen“, nennt Lutz Nippes zudem zwei interessante Entwicklungen. So wurde die Idee der Handball-Zwerge optimal umgesetzt, und auch im Handball-Behindertensport läuft es.

Der Verein

Vorstand: Dietmar Dick (1. Vorsitzender) und Lutz Nippes (2. Vorsitzender) stehen geschäftsführend in der Verantwortung. Den Beirat bilden Ralf Baller, Michael Krogel, Oliver Becker und Thorsten Reichel.

Geschäftsstelle: Diese befindet sich in der Tennishalle (Sport-Center) und wird von Stefan Mittelsten Scheid hauptamtlich geleitet. Für sämtliche Vorgänge rund um die Halle ist Simone Leibel zuständig.

Größe: Die Zahl der Mitglieder beläuft sich auf 1300 – der 1880 gegründete STB ist damit einer der größten Vereine in Solingen. In 17 Abteilungen sind über 70 Übungsleiter aktiv.

Partner: Die BS Tennisschule von Bastian Sauer wickelt das STB-Training ab. 210 Personen umfasst die Tennisabteilung.

Kontakt: Auch auf Facebook vertreten, verschafft die Homepage viel Wissen:

www.solinger-turnerbund.de

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