Corona-Lockdown

Sportliche Vergnügungen unerwünscht

Tristesse auf der Tribüne: Der HSV Solingen-Gräfrath und Bergische HC müssen auf größere Unterstützung verzichten. Foto: Moritz Alex
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Tristesse auf der Tribüne: Der HSV Solingen-Gräfrath und Bergische HC müssen auf größere Unterstützung verzichten.

Im November wird in Solingen nur Profisport unter Auflagen stattfinden.

Von Thomas Rademacher, Timo Lemmer, Jürgen König

Der Wille der Ministerpräsidentenkonferenz ist klar: Ab Montag, 2. November, ist Freizeit- und Amateursport für vier Wochen untersagt. Profisport darf nur noch ohne Zuschauer stattfinden. Das Land NRW muss dies noch in einer entsprechenden Verfügung festhalten, doch die Konsequenzen stehen weitgehend fest: Der Solinger Fußball wird vollständig ruhen, beim Handball bleiben zumindest Bundesligist Bergischer HC und wohl auch Frauen-Zweitligist HSV Solingen-Gräfrath aktiv. Wir blicken auf die aktuelle Situation und Stimmungslage.

Handball: Die Bundesliga der Männer spielt durch den Lockdown. „Es ist Aufgabenstellung und Verpflichtung zugleich, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten“, sagt Jörg Föste, Geschäftsführer des Bergischen HC. „Der Handball muss präsent bleiben, auch wenn es derzeit vornehmlich über die Vermarktung im TV geschieht. Wir hoffen natürlich bald wieder auf Fans in der Halle.“ Politisch sind Zuschauer derzeit aber unerwünscht – trotz Beschränkung auf 20 Prozent der Hallenkapazitäten und der Umsetzung von strengen Hygienekonzepten. Das gilt freilich auch für die Partien des HSV Solingen-Gräfrath in der 2. Liga der Frauen (HBF).

Auch dort soll es weitergehen, wie Nadine Döring, Pressesprecherin der HBF, bestätigt: „Stand jetzt zählen wir zum Profisport dazu, so dass wir unter Auflagen spielen können und wollen.“ Während in der 1. Bundesliga regelmäßige Corona-Tests vorgeschrieben sind, gilt dies eine Klasse darunter noch nicht. „Das wird jetzt aber ein Thema sein. Es ist gut möglich, dass sich hier zeitnah etwas ändert.“

Ob der Deutsche Handball-Bund den Spielbetrieb in der 3. Liga und der A-Jugend-Bundesliga unterbricht, ist noch offen. „Ich würde mich freuen, wenn wir weiterspielen“, sagt BHC-Nachwuchskoordinator Christoph Rath. „Ob das richtig oder falsch ist, möchte ich aber nicht beurteilen, sondern die Entscheidung mittragen.“ Wenn es aber planmäßig weitergeht, hält es Rath auch bei den Jugendlichen für wichtig, dass Tests bindend sind. „Um das Risiko insgesamt zu minimieren.“ Am Samstag soll die Truppe den TV Hüttenberg empfangen. Rath: „Ich gehe davon aus, dass diese Partie auf jeden Fall stattfindet, da die Maßnahmen sowieso erst ab Montag gelten.“

Die Amateurligen des Handballverbandes Niederrhein wurden bereits vorige Woche bis Mitte November freiwillig ausgesetzt. Diese Pause muss nun bis Ende des Monats verlängert werden.

Fußball: Unter der Woche hatte der Fußballverband Niederrhein (FVN) noch versucht, sich zu positionieren. Zum einen verkündete der FVN, dass bislang kaum Spiele hatten abgesagt werden müssen, zum anderen

Am Wochenende soll noch gespielt werden, danach verwaisen Solingens Fußballplätze.

rutschte auf der Verbands-Homepage ein Interview mit DFB-Mediziner Prof. Dr. Tim Meyer wieder nach oben. Tenor: „Corona-Ansteckungen auf dem Spielfeld sind sehr unwahrscheinlich.“

„Sportvereine sind wahrlich keine Corona-Hot-Spots.“

Wolfgang Lingen, ECB-Vorsitzender

Das erregt auch einige Aktive, die die Art des (Voll-)Stopp kritisieren, den Sport an der frischen Luft als wertvollen sowie ungefährlichen Ausgleich betrachten und sich um die Jugendmannschaften sorgen. „Dass der Spielbetrieb eingestellt wird, kann ich nachvollziehen“, sagt beispielsweise 03-Trainer Kevin Dirks. „Allerdings verstehe ich nicht, warum wir nicht mehr trainieren dürfen. Da sind wir unter uns und können kleinere Gruppen machen.“

Yorik Heiber, Vereinsmanager des TSV Solingen, bezeichnet den Schritt als ärgerlich, da er dem Verein viel Arbeit bereitet, aber eben auch als verständlich: „Ich hätte mir allerdings zunächst eine Einstellung des Spielbetriebs, eine Verringerung der Trainingsgruppen und die Schließung der Dusch- und Umkleideräume erhofft, bevor solch eine drastische Maßnahme für Sport im Freien getroffen wird. Beim Hallensport ist es etwas anderes.“

Volleyball: Wie schon im Tischtennis und Badminton zieht man auch hier in Erwägung, erst im neuen Jahr wieder einzusteigen. Was Sinn macht, schließlich wird allen Vereinen im November die Möglichkeit zu sportspezifischem Training fehlen.

Sportschießen: Ob die Ohligser Schützengemeinschaft am Sonntag wie geplant in der Rheinland-Liga an den Start gehen kann, wird sich erst noch entscheiden. „Was nach der November-Pause passiert, müssen wir abwarten“, sagt Stefan Blos. Der Vereinsvorsitzende war von der Resonanz der ersten langen Pause positiv überrascht, es gab keine Absagen. „Danach waren unsere Mitglieder aber schon sehr vorsichtig und zurückhaltend“, erklärt Blos.

Individuelle Trainingsmöglichkeiten wird es diesmal wohl nicht geben, da die OTV-Halle gesperrt werden dürfte und auf der eigenen Anlage am Schützenplatz die Modernisierungsarbeiten auf Hochtouren laufen – im März ist dann das Comeback mit den Bezirksmeisterschaften geplant.

Sportkegeln: Die für Samstag vorgesehene Zweitliga-Partie von Blau-Weiß fällt aus und wird auf einen noch unbestimmten Termin verlegt. „Da es ein Derby gegen Langenfeld ist, können wir das auch später gut mal in der Woche durchführen“, berichtet Markus Gruben von der Spielgemeinschaft aus Solingen und Hilden. Am Sonntag wird über die weitere Vorgehensweise auf Bundesliga-Ebene und für die Deutschen Meisterschaften beraten, eine Etage tiefer steht das Ergebnis schon fest: Bis Mitte Januar wird der Liga-Betrieb auf Landesebene ausgesetzt. Ebenso werden die Titelkämpfe bis hin zu den „Westdeutschen“ verlegt.

„Erst einmal machen wir im November dicht“, bezieht sich Teamsprecher Gruben trotz privat geführter Kegelhalle am Schmalzgraben auch auf die Trainingsarbeit. Als Siebter der 2. Liga Nord liegen die Blau-Weißen derzeit direkt über der Abstiegszone.

Eishockey: Der EC Bergisch Land hätte am Wochenende sechs Partien in diversen Altersklassen gehabt, hat diese aber im Einvernehmen mit den gegnerischen Vereinen abgesagt. „Das Risiko müssen wir nicht mehr gehen, wenn ab Montag ohnehin für vier Wochen pausiert werden muss“, sagt Vorsitzender Wolfgang Lingen.

Der Eishockeyverband NRW hat alle Partien für diese Phase abgesagt, eine Nachholung ist nicht vorgesehen. „Wie die Saison gewertet wird, wenn es Anfang Dezember weitergeht, wird auf einer Tagung kommende Woche beraten“, weiß Lingen, der im November gerne weiter trainiert hätte. „Leider dürfen wir das nicht, obwohl es fair wäre: Sportvereine sind wahrlich keine Corona-Hot-Spots.“

Sportlicher Lockdown

Länge: Vier Wochen lang werden die beschlossenen Maßnahmen ab Montag, 2. November, gelten. Mitte des Monats soll die Lage neu bewertet und gegebenenfalls Anpassungen vorgenommen werden. So hofft nicht nur Wolfgang Lingen vom Eishockey-Club Bergisch Land, spätestens Anfang Dezember zurück in den Trainingsbetrieb zu kommen.

Entschädigungen: Unternehmen sollen für Umsatzausfälle im November bis zu 75 Prozent ihrer Vorjahreseinnahmen ersetzt bekommen. „Die Absicht ist verkündet worden“, sagt Jörg Föste. Der Geschäftsführer von Handball-Bundesligist Bergischer HC klingt skeptisch: „Warten wir ab, wie der politische Wille in eine Verfügung gefasst wird.“

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