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Sportliche Initiative mit Gedenken hilft auch der Friedhofskultur

Birgit Di Gaetano (v. l.), Hagen Nebgen, Beate Globisch, Guido Rohn, Horst Franz, Christoph Breuer und Meinrad Funke gelang in kurzer Zeit eine bemerkenswerte Sache. Fotos: Christian Beier
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Birgit Di Gaetano (v. l.), Hagen Nebgen, Beate Globisch, Guido Rohn, Horst Franz, Christoph Breuer und Meinrad Funke gelang in kurzer Zeit eine bemerkenswerte Sache.

Vor 100 Jahren verunglückte in Merscheid ein österreichischer Fußball-Torhüter.

Von Jürgen König

Es ist ein ungewöhnlicher Sport-Termin an diesem Mittwochmorgen. Auf dem Katholischen Friedhof an der Hackhauser Straße gedenken mehrere Personen eines Fußballers, der auf den Tag genau vor 100 Jahren sein Leben lassen musste. Mit dabei: Ex-Bundesliga-Trainer Horst Franz, Hagen Neben – Vorstandsmitglied des BSC Union – und Guido Rohn, im Sport insbesondere durch seine langjährige Tätigkeit als Vorsitzender des Förderkreises Jahnkampfbahn bekannt. Sie erinnern gemeinsam mit anderen an Ludwig Pekarna. Bei einer Rettungstat als Torhüter von Vienna Wien verletzte er sich im Freundschaftsspiel in Solingen so schwer, dass er im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlag und aufgrund finanzieller Engpässe hier beigesetzt wurde.

„Ich bin bei Recherchen aufmerksam geworden und habe dann interessante Dinge erfahren“, sagt Rohn, der es als wichtig empfindet, so auch die Friedhofskultur fördern zu können. Rund 6000 Zuschauer waren beim Freundschaftsspiel zwischen dem damaligen Ohligser FC 06 und dem österreichischen Spitzenclub zugegen, gespielt wurde in Merscheid. Im August 1972 kam Vienna dann erneut nach Solingen. Im Rahmen eines Turniers mit der Union und dem Wuppertaler SV wurde seinerzeit ein Kranz niedergelegt, allerdings an falscher Stelle auf dem falschen Friedhof. Man hatte irrtümlich denjenigen am Hermann-Löns-Weg besucht. Nur 24 Jahre alt war der Schlussmann geworden, noch nicht einmal ein böses Foul lag zugrunde, es war ein Unglücksfall. Die Diagnose: Bruch der Wirbelsäule.

Horst Franz ist ein Kenner von Vienna Wien

Die Meldung über das Turnier war für Rohn der Startschuss – der 62-Jährige ermittelte mit Hilfe von Friedhofsamt, Stadtarchiv und Kirchengemeinde Solingen-West das Grab und fand im früheren Vienna- und Union-Trainer Franz sowie in Nebgen aktive Mitstreiter. „Wien war seinerzeit auf Europa-Tournee, wurde für das Engagement mit Stahlwaren entlohnt“, erzählt der kürzlich 80 Jahre alt gewordene Horst Franz, der einen neuen Gedenkstein am Grab spendete. Auch sonst gab es einige schöne Gesten: Die katholische Kirchengemeinde St. Sebastian mit Birgit Di Gaetano stellt das Grab kostenfrei zur Verfügung und lässt derzeit ein Schild mit einem QR-Code erstellen, womit man nach Einscannen die Geschichte dieses Sportlers und den tragischen Zwischenfall einlesen kann – eine besondere Art der Werbung für die Friedhofskultur in Solingen. Die Firma von Beate Globisch beteiligt sich am Grabstein, der das Logo von Vienna trägt. Und Christoph Breuer trägt entscheidend zum guten Aussehen des Grabes bei, das von ihm und der Union auch in Zukunft gepflegt wird.

Der Grabstein zu Ehren des verunglückten Torhüters.

Blau-Gelbe Vereinsfarben, traditionsreiches Stadion, aber auch die niedrige Klassenzugehörigkeit lassen Parallelen zur Union zu. „Bei der Lizenz war nicht alles mit rechten Dingen zugegangen, so dass die Vienna zurückgestuft wurde“, schwärmt Horst Franz weiter von der Stadt als seiner Trainer-Station, die er als 32-Jähriger vom 1. Juli 1972 bis zum 30. Juni 1973 erleben durfte. Sportlich läuft es derzeit gut, wenn auch nur in der „Wiener Liga“, der vierthöchsten österreichischen Spielklasse.

Auch beim kooperierenden Verein hat man die bemerkenswerte Aktion von Rohn, Franz & Co. zur Kenntnis genommen und groß auf der Homepage berichtet. Dass der Termin in Ohligs derweil mit einem Gebet von Pfarrer Meinrad Funke einen intensiven Abschluss fand, unterstrich die Ungewöhnlichkeit der „sportlichen Zusammenkunft“. Stolz und Dankbarkeit äußerte er angesichts des Einsatzes, der mit dem prominenten Grab zu einer Verschönerung des Friedhofs führe.

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