Der Sport wird in diesen Tagen klar benachteiligt

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Die Woche im Sport

Von Thomas Rademacher

In der Corona-Krise sind Quervergleiche schwierig. Was hat die Öffnung von Kindergärten mit Menschen in Fußballstadien zu tun? Natürlich nichts. Doch eine Differenzierung zumindest innerhalb der einzelnen Branchen ist angebracht. Warum sind normale Veranstaltungen mit mehr als 300 Zuschauern bei entsprechenden Hygienekonzepten denkbar und Sportereignisse nicht? Warum liegt die Obergrenze beim Sport bei 300 – unabhängig davon, ob in einer riesigen modernen Arena oder einer deutlich kleineren Halle gespielt wird?

Antworten auf diese Fragen gibt es nicht. Und tatsächlich hat es den Anschein, dass der Sport bei der Ausarbeitung der neuen Coronaschutzverordnung einfach vergessen wurde. Leidtragender ist unter anderem der Bergische HC, der am 12. September im Düsseldorfer ISS Dome gegen den Tusem Essen testen wollte. Die Partie, die als Rahmen zum Test eines ausgeklügelten Hygienekonzepts dienen sollte, muss nach Essen verlegt werden, wo sie nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.

Die erhofften Erkenntnisse abseits des Sportlichen wird das Duell allerdings nicht offenbaren. Welche Tücken gibt es beim Einlass der Fans? Wie viel Personal wird benötigt, um eine Einhaltung des Konzepts zu kontrollieren? Gelingt es tatsächlich, die Mannschaft komplett von Publikum, Presse und Ordnern zu isolieren? Wo muss nachgebessert werden? All dies sollte am 12. September geklärt werden, die Ergebnisse würden für bevorstehende Spiele helfen. Nun liegt die Hoffnung auf dem Super-Cup am 26. September. Dann treffen im ISS Dome der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt im Match um den ersten Titel der Saison aufeinander. Hier möchten die Verantwortlichen der Handball-Bundesliga und Sportstadt Düsseldorf endlich die Chance bekommen, ihr ausgearbeitetes Konzept mit Fans zu testen.

Das ist auch bitter nötig, denn auch im Sport besteht ein berechtigtes Interesse, die finanziellen Nachteile, die die Pandemie mit sich bringt, zu verringern. Und tatsächlich sollte das sogenannte Pilot-Event im ISS Dome ja dazu dienen, verantwortungsvoll mit Publikum in Zeiten der Corona-Pandemie umgehen zu können. Es ging mitnichten darum, einfach mal 3000 Menschen in die Halle zu lassen und blind zu schauen, was passiert.

Das macht die politisch erzwungene Absage umso ärgerlicher. Es bleibt die Hoffnung, dass die Entscheidungsträger nun aufwachen und die inzwischen antiquierte Zahl von 300 zumindest nach oben korrigieren. Wünschenswert wäre die Möglichkeit, ein gutes Konzept unabhängig von einer neuen festgeschriebenen Zahl genehmigungsfähig zu machen.

Der Sport nimmt Fahrt auf: Weitere Saisons – wie die der Zweitliga-Handballerinen und Amateurfußballer – beginnen.

Planbarkeit gestaltet sich überall weiterhin schwierig.

thomas.rademacher @solinger-tageblatt.de

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