Mitgemacht

Wasserball: Spätestens beim Spiel ist kein Land mehr in Sicht

Die Kunst beim Wasserball ist es, sich nicht nur über Wasser zu halten, sondern sich aus diesem auch noch hochzudrücken, um passen, fangen und werfen zu können. Fotos: Christian Beier
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Die Kunst beim Wasserball ist es, sich nicht nur über Wasser zu halten, sondern sich aus diesem auch noch hochzudrücken, um passen, fangen und werfen zu können.

Nächster Teil der Serie „Mitgemacht!“ Trainingsbesuch bei den U12-Wasserballern der SGW Solingen/Wuppertal

Von Celine Derikartz

Zugegeben: Gerade bei den Außentemperaturen, wie sie ab Montag sein werden, ist ein Sprung in ein kühles Wasserbecken sehr verlockend. Allerdings steht mein Trainingsbesuch bei den Wasserballern der U12 der SGW Solingen/Wuppertal, die die ST-Sportredaktion zum Mitmachen eingeladen hat, unter einem komplett anderen Stern. Schon beim Treffen vor der Klingenhalle fragt mich Trainer Boris Hennig grinsend: „Wie stellst du dir denn dein Training heute vor? Lieber gemäßigt oder doch eher die Rundum-Erfahrung?“ Spätestens da hätte mir klar sein müssen, was auf mich zukommt.

Eines sei vorab schon mal verraten: Ich werde während des Trainings sehr viel Wasser schlucken und nur sehr selten an den Ball kommen. Aber der Reihe nach: Bevor ich mich in die Fluten stürzen darf, gibt es für mich eine kleine Einweisung, und ich kann schonmal die Spielbälle inspizieren. Die liegen eigentlich recht gut in der Hand, wie ich zufrieden feststelle – aber zu früh gefreut. „Mit der Größe, die du gerade in der Hand hältst, werfen hier übrigens nur die Kleinsten. Unsere richtigen Spielbälle sind in der Regel größer“, sagt Hennig lachend. Dann schickt er mich mit dem Rest des Teams zum Einschwimmen. Soweit so gut.

Als nächstes stehen Pass- und Wurfübungen auf dem Trainingsplan – lockeres Einspielen könnte man meinen. Doch weit gefehlt. Was für meine erprobten Mitstreiter eine einfache Übung bedeutet, stellt für mich schon eine erste Hürde dar.

Die Schwierigkeit beim Wasserball besteht darin, sich permanent über Wasser zu halten und dabei gleichzeitig den Ball zu spielen. Das bedeutet, das Spielgerät zu fangen und präzise zum Mitspieler zu werfen, aber auch mit dem Ball zu schwimmen und diesen vor sich herzutreiben. Dabei darf der Ball immer nur mit einer Hand gespielt werden, oder auch mit dem Kopf. Das ist gar nicht so einfach, und die Bewegungen sind ungewohnt. Irgendwie komme ich nicht so recht von der Stelle oder ich verliere unterwegs den Ball. Von den Unmengen an Wasser, die ich bei dem kläglichen Versuch, den Ball mit der Stirn vor mir herzutreiben, schlucke, ganz zu schweigen.

Bei den Jungs sieht das so einfach aus, und vor allem sind sie dabei alle verdammt flott unterwegs. Ich merke schnell: Wasserball ist in vielerlei Hinsicht anspruchsvoll. Wer sich gut und sicher im Wasser bewegen kann, hat hier auf jeden Fall klare Vorteile. Vielleicht hätte ich im Vorfeld doch mal wieder ein bisschen schwimmen gehen sollen. Auf Dauer ist das Ganze jedenfalls äußerst anstrengend, vor allem, wenn man sich für einen Wurf immer ein gutes Stück aus dem Wasser heben muss. Für eine Pause müsste ich aber zum Beckenrand schwimmen – stehen geht ja nicht. Also Kräfte mobilisieren und weiter geht es. Schlapp machen gilt nicht, sage ich mir. Immerhin steht gleich endlich das Werfen auf Tore an.

Die Jungs stecken die Belastung indes deutlich besser weg. Die meisten der zehn- bis elfjährigen Solinger und Wuppertaler Nachwuchs-Wasserballer spielen schon seit etwa zwei Jahren in dieser Mannschaft zusammen, und das auch sehr erfolgreich auf NRW-Ebene.

Celine Derikartz hatte bei ihrem Trainingsbesuch sichtlich Spaß.

Meine Mitspieler sind jedenfalls alle sehr geduldig mit mir, zeigen mir bereitwillig, wie die Übungen richtig ausgeführt werden müssen und geben mir Tipps, was ich besser machen sollte. Als nächstes steht dann eine Partnerübung an: Während der eine aufrecht im Wasser schwimmt, drückt der andere von hinten auf dessen Schultern. Ziel für den Vordermann ist es, gegen den Widerstand anzuschwimmen und sich nicht unter Wasser drücken zu lassen. „Drück ruhig kräftiger. Dein Partner soll richtig kämpfen“, ruft mir Boris Hennig zu. Da war ich wohl etwas zu zaghaft und vorsichtig. Früher im Urlaub hat mein Vater meiner Schwester und mir jedenfalls immer verboten, uns im Pool gegenseitig unter Wasser zu drücken. Hier darf ich das nicht nur, es gehört sogar dazu: Gutes Zweikampfverhalten und Durchsetzungsvermögen sind beim Wasserball nämlich elementar, wie mir Bernhard Pantke, Vorsitzender des SCS und selbst begeisterter Wasserballer, später erläutert: „Bei diesem Sport ist eben sehr viel erlaubt. Klar gibt es auch hier Fouls, aber der ballführende Spieler soll und darf richtig angegriffen werden.“

„Tempo“ – oder: Wenn ein Kappen-Name in die Irre führt

Zum krönenden Abschluss gibt es dann noch ein Abschlussspiel. Das wollte ich unbedingt mitmachen, weil es schließlich immer das Beste eines jeden Trainings ist. Beim Fußball freue ich mich immer ganz besonders darauf. Statt der dort allseits beliebten Leibchen gibt es heute für mein Team blaue Kappen mit integrierten Ohrenschützern. Ich bin die Nummer sieben und vorne drauf steht „Tempo“. Auch wenn dieser Name in meinem Fall in die Irre führt, schnalle ich mir das Teil trotzdem auf den Kopf. Versuchen kann ich das ja mal.

Beim Spiel sehe ich allerdings im wahrsten Sinne des Wortes kein Land. Die Bälle rauschen links und rechts an mir vorbei, und obwohl ich mich redlich bemühe, bin ich einfach viel zu langsam. Ein Tor gelingt mir dementsprechend nicht, ich hatte aber auch so eine Menge Spaß und mich immerhin bis zum Ende über Wasser halten können. Fazit: Wasserball ist eine anstrengende und anspruchsvolle Sportart, die Laune macht.

Training/Kontakt

U10/U12: Donnerstag von 18 bis 19.45 Uhr, Samstag von 13 bis 14.30 Uhr. Darüber hinaus mittwochs und freitags auch spezielles Schwimmtraining und dienstags eine Wasserball AG für Grundschüler.

U14/U16: Dienstag von 19 bis 20.30 Uhr, Samstag von 13 bis 14.30 Uhr.

Herren: Dienstag und Donnerstag von 20 bis 21.30 Uhr.

Internet: schwimm-club-solingen.de

Alle Angebote im Klingenbad

Aufruf

Sie möchten die Sportredaktion des Solinger Tageblatts auch mal zum Mittrainieren einladen? Dann schreiben Sie uns doch einfach eine Mail: lokalsport@solinger-tageblatt.de

Sportart und Ligazugehörigkeit sind dabei im Übrigen vollkommen irrelevant.

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