Die Woche im Sport von Thomas Rademacher

Man sollte die Kirche im Handball-Dorf lassen

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de
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In dieser Woche ist auch der Bergische HC von den Begleitumständen des Coronavirus erwischt worden.

Nein, es gab keinen Fall im Team des Handball-Bundesligisten, sondern beim Gegner. Nationalspieler Juri Knorr hat sich infiziert, nahm am Abschlusstraining von GWD Minden teil – und nach dem positiven Testergebnis schickte das Gesundheitsamt die gesamte Mannschaft der Ostwestfalen in Quarantäne. Die für Donnerstag geplante Partie musste ausfallen.

Wäre dies zu vermeiden gewesen? Mit Sicherheit, zumal mit Johannes Bitter und Marian Michalczik bereits zwei deutsche Nationalspieler positiv waren und Knorr als Erstkontakt gelten durfte. Da viel zu wenig Zeit zwischen seiner Rückkehr von der Nationalmannschaft und dem Abschlusstraining lag, hätte er nicht teilnehmen dürfen. Wie sich inzwischen herausstellte, hat Minden diesen Fehler nicht exklusiv gemacht. Ähnliches geschah (unter anderem) bei der MT Melsungen. Von deren sechs Nationalspielern erhielt Finn Lemke als viertes Mitglied von Team Deutschland die verheerende Diagnose. Und auch die Nordhessen befinden sich nun in Quarantäne.

Die Vorfälle zeigen, dass die Situation seitens einiger Bundesliga-Vereine unterschätzt wurde. Die Wurzel des Problems ist aber natürlich die Tatsache, dass sich die Nationalspieler nach ihren beiden Länderspielen auf so viele Clubs verteilt haben, sich aber wohl schon vorher untereinander angesteckt haben. Dies ist überall möglich – in der Kabine, im Bus oder Flugzeug. Und es ist nicht auszuschließen. Würde das einer Bundesliga-Mannschaft passieren, würde es sich in Quarantäne begeben, was zu einem Ausfall von wenigen Spielen führt. So aber ist die halbe Liga betroffen. Das darf nicht mehr passieren. Eine längere Pause nach Einsätzen im Nationalteam ist also zwingend nötig, wenn man Länderspiele durchführen möchte.

Nun aber gleich Untergangsszenarien zu zeichnen, nach denen eine Fortsetzung des Bundesliga-Spielbetriebs nicht möglich ist, ist doch arg übertrieben. Die Teams haben an den ersten sechs Spieltagen – ohne Länderspielpause – gezeigt, dass die Konzepte funktionieren. Es ist nicht zu einem einzigen Ausfall gekommen. Dass es jetzt so viele sind, liegt nur am beschriebenen Worst-Case-Szenario des Ausbruchs in der Nationalmannschaft. Daraus gilt es nun, zu lernen und die Rückkehr von Nationalspielern ins Hygienekonzept der Bundesliga entsprechend zu reglementieren. Die jüngste Entscheidung der Clubs, den Spielbetrieb fortzuführen, ist also konsequent und zeugt von Besonnenheit.

Man sollte übrigens insgesamt die Kirche im Handball-Dorf lassen, auch wenn es um die Austragung der Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten geht. Hier regt sich auch seitens mancher Clubs massiver Widerstand angesichts der jüngsten Ereignisse. Leider ist die Betrachtung oft sehr undifferenziert. Anstatt sofort den Ausfall der Veranstaltung zu fordern, sollte auch hier der Fokus darauf liegen, wie eine sichere Durchführung zu gewährleisten ist. Die Lösung ist gar nicht so schwierig, wenn die Pause nach der WM lang genug ist, um nach einer vorsorglichen Isolation trotzdem noch pünktlich ins Mannschaftstraining zurückkehren zu können.

TOP Die Handballerinnen des HSV Solingen-Gräfrath haben ihre Quarantäne gut überstanden.

FLOP Fußball: Die Fusion von Wald 03 und VfB liegt auf Eis.

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