Sportereignis

Solinger lassen sich ihr Olympia-Gefühl nicht nehmen

Sanità mit Alexander Zverev. Zum Zeitpunkt der Eröffnungsfeier konnte noch keiner ahnen, dass der deutsche Tennis-Star wenige Tage später mit dem ersten Einzel-Gold der Männer Geschichte schreiben würde.
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André Sanità mit Alexander Zverev. Zum Zeitpunkt der Eröffnungsfeier konnte noch keiner ahnen, dass der deutsche Tennis-Star wenige Tage später mit dem ersten Einzel-Gold der Männer Geschichte schreiben würde.

Trotz der vielen Einschränkungen blicken die Spitzenfechter André Sanità und Richard Hübers insgesamt positiv auf das Tokio-Erlebnis zurück

Von Fabian Herzog

Neben unzähligen, unbezahlbaren Erinnerungen brachten sie vor allem ein kuscheliges Souvenir von den am Wochenende zu Ende gegangenen Olympischen Spielen zurück mit nach Deutschland: die Bettdecke. Unter der hatten André Sanità und Richard Hübers im olympischen Dorf einige Nächte verbracht und diese anschließend eingepackt. „Das hat sich so eingebürgert“, erzählt Letztgenannter lächelnd von dem mit den Piktogrammen der verschiedenen Sportarten verzierten Plumeau. Auf die Frage, ob er damit nun zu Hause jede Nacht wie bei Olympia schläft, sagt Hübers allerdings: „Dafür fehlt mir das Papp-Bett.“

Das beliebteste Fotomotiv aller Sportler: André Sanità vor den olympischen Ringen.

Für die beiden Solinger Spitzenfechter war es zweifellos eine ganz besondere Zeit, die sie wohl niemals in ihrem Leben vergessen werden. Dazu gehörte aber eben auch eine nicht gerade vor Komfort strotzende Unterkunft. Beide wohnten mit ihren Teamkollegen der Säbel- (Hübers) beziehungsweise Florett-Mannschaft (Sanità) jeweils in einem Viererapartment, dessen Aufenthaltsraum ein Fenster fehlte und dessen Wände recht kahl daherkamen. „Man sah halt noch die Rigipsplatten“, berichtet André Sanità.

Ein Selfie mit den Fahnenträgern Laura Ludwig. . .

„Als das olympische Feuer entzündet wurde, war das schon ein emotionaler Höhepunkt.“

André Sanità, Solinger Olympia-Teilnehmer

Auch die enormen Einschränkungen sorgten jetzt nicht für Begeisterungsstürme. Die Sportler waren coronabedingt in einer Blase gefangen, durften keine anderen Sportstätten besuchen und nichts von der Stadt sehen. „Außerdem war es verdammt heiß, mit hoher Luftfeuchtigkeit“, sagt Sanità, dem zudem die Zuschauer extrem fehlten. „Das war schon sehr traurig. Ich bin jemand, der in seinem Wettkampf von den Emotionen lebt.“

. . . und Patrick Hausding durfte für André Sanità nicht fehlen.

All das trübte die Erfüllung ihrer Kindheitsträume, auf den die beiden Solinger jahrzehntelang hintrainiert haben, aber nur bedingt. „Es war ein ganz besonderes Erlebnis“, findet Hübers, was Sanità nur bestätigen kann: „Ich fand zum Beispiel die Eröffnungsfeier ganz toll. Als das olympische Feuer entzündet wurde, das war schon ein emotionales Highlight“, erzählt der 29-Jährige. „Da hatten sogar die Basketballer Pipi in den Augen.“

Bei der Eröffnungsfeier freute sich Richard Hübers über das Wiedersehen mit Kevin Krawitz.

Ebenfalls gehörte es zu den Höhepunkten der Olympia-Debütanten, die Stars anderer Sportarten zu treffen. Sanità machte Fotos mit den Fahnenträgern Laura Ludwig und Patrick Hausding oder mit dem späteren Goldmedaillengewinner Alexander Zverev. „Nur leider hat es mit Novak Djokovic nicht geklappt“, sagt er. Hübers hielt sich diesbezüglich eher etwas zurück, freute sich aber, drei bekannte Gesichter wiederzutreffen. Wie den französischen Handball-Olympiasieger Kentin Mahé, den er in Dormagen schätzengelernt hatte. Oder Tennis-Doppel-Spezialist Kevin Krawitz, mit dem er elf Jahre zuvor bei den Olympischen Jugend-Sommerspielen gewesen war. Auch das Wiedersehen mit Taekwondoka Alex Bachmann, seit der Bundeswehr einer seiner Freunde, fand er toll.

Gerne hätte Richard Hübers noch mehr von seinem Können gezeigt. So war es ein Auf und Ab.

Rein sportlich blieb es für beide bei kleineren Erfolgserlebnissen. Sanità feierte im Einzel nach toller Aufholjagd zumindest einen Sieg, musste mit der Mannschaft verletzt aufgeben und wurde Sechster. „Wir können aber zufrieden sein.“ Hübers blickt „mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, auf den vierten Platz mit der Säbel-Mannschaft zurück. Hauchdünn unterlag man im Halbfinale dem späteren Goldgewinner Korea, gegen den den Deutschen die meisten Treffer aller Teams bei den Olympischen Spielen gelangen. Im Duell mit den stark besetzten Ungarn lief um Bronze dann nicht viel zusammen. „Da habe ich zu lange an meiner Taktik festgehalten“, bilanziert der 28-Jährige, der so sehr auf eine Medaille gehofft hatte.

Richard Hübers beendet Karriere, André Sanità hat Blut geleckt

Für ihn wäre es der krönende Abschluss seiner Karriere als Leistungssportler gewesen. „Aber es sollte nicht sein“, sagt Richard Hübers. Er will sich nach einem Abschluss-Wochenende mit seinen Teamkollegen in Hamburg und einem anschließenden Toskana-Urlaub mit seiner Freundin dem Berufsleben nähern. In Wien beginnt im Herbst der Master-Studiengang im Wirtschafts- und Finanzbereich und damit ein ganz neues Kapitel in seinem Leben. Komplett mit seinem Sport aufhören möchte er aber nicht: „Ich habe schon Bock darauf, mich ab und zu mit einem zu hauen. Aber nicht mehr leistungsmäßig.“

Hübers mit Taekwondoka Alex Bachmann, dessen Medaillentraum ebenfalls platzte.

Bei André Sanità sieht das anders aus. Nach einem Gran-Canaria-Urlaub mit All Inklusive und komplettem Herunterfahren will er es noch einmal wissen und die nächsten Sommerspiele 2024 in Paris in Angriff nehmen. Etwas dosierter, aber mit voller Leidenschaft. „Ich will das normale Olympia erleben“, sagt er. Und für eine zweite Bettdecke findet sich dann sicherlich auch noch ein Plätzchen.

Vom Deutschen Olympischen Sport-Bund gab es eine Teilnehmer-Medaille.

Max Darj

Mit dem schwedischen Kreisläufer des Handball-Bundesligisten Bergischer HC war auch ein zugezogener Solinger bei Olympia 2021 dabei. Lange Zeit lief es für ihn und die „Tre Kronor“ glänzend, doch im Viertelfinale war Endstation. Spanien siegte mit 34:33. Darj, speziell auch in der Abwehr eine unverzichtbare Größe, brachte es bei seiner Olympia-Premiere am Ende auf zwölf Treffer in sechs Partien.

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