Schach

Solinger Asse stolpern wieder in Dresden

Markus Ragger erarbeitete sich mit den schwarzen Steinen als einziger Solinger gegen Schwäbisch Hall Gewinnchancen. Nach sieben Stunden Spiel endete aber auch Partie mit einem Remis. Foto: Andreas Horn
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Markus Ragger erarbeitete sich mit den schwarzen Steinen als einziger Solinger gegen Schwäbisch Hall Gewinnchancen. Nach sieben Stunden Spiel endete aber auch die Partie mit einem Remis.

Schach-Bundesliga: Markus Ragger müht sich 126 Züge lang vergebens um den Sieg. Meister SG verliert 3,5:4,5 gegen Schwäbisch Hall.

Von Martin Auer

Der Dresdener Porzellan-Vorort Meißen ist kein gutes Pflaster für die Großmeister der SG Solingen. In der vergangenen Saison gab der Deutsche Meister SG Solingen hier gegen die Gastgeber ein 4:4-Unentschieden ab, das den Titelkampf noch mal unnötig spannend machte. Diesmal schlugen die SG-Asse die Dresdener zwar locker mit 6:2, dafür fuhren sie am Sonntag eine bittere 3,5:4,5-Niederlage gegen den SV Schwäbisch Hall ein, die die Solinger im Titelduell mit Baden-Baden weit zurückwirft.

Toller Weiß-Sieg gegen Dresden, aber am Sonntag auch nur Remis: Anish Giri.

„Im Prinzip ist die Meisterschaft gelaufen“, meinte ein enttäuschter SG-Teamchef Herbert Scheidt auf dem Heimweg per Bahn nach Solingen. Ganz so schwarz muss er eigentlich nicht sehen. Die zwei Zähler Rückstand auf den Rivalen lassen sich theoretisch im direkten Duell wettmachen – und dann gäbe es einen Stichkampf um den Titel.

Debüt von Weltklasse-Mann Anish Giri im Solinger Team

Scheidts Pessimismus rührt vielleicht auch daher, dass seine Truppe in Dresden beinahe in Bestbesetzung spielte, nominell deutlich stärker war als beide Gegner, aber im Match gegen Schwäbisch Hall doch sehr pomadig aufspielte. Eineinhalb Jahre nach seiner Verpflichtung gab der 22-jährige Niederländer Anish Giri endlich sein Debüt im Solinger Team. Der Mann mit russisch-nepalesischen Wurzeln, der in der Weltrangliste schon seit vier Jahren Dauergast in den Top-20 ist, lieferte am Samstag gegen Dresden auch eine tolle Kostprobe seines Könnens. Einen Gegner aus der Top-100 zwang er in nur 22 Zügen zur Aufgabe. Außer dem Ungarn Richard Rapport, der am dritten Brett gemeldet ist, hatten die Solinger in Dresden sämtliche Spitzenleute dabei. Weitere Siege von Markus Ragger, Erwin L’Ami und Predrag Nikolic bei vier Remisen machten aus dem Samstag-Duell gegen den Tabellen-Sechsten denn auch eine klare 6:2-Angelegenheit.

Robin van Kampen unterschätzt eine Fesselung

Gegen Schwäbisch Hall lief es am Sonntag von Anfang an schlecht. Und das, obwohl die Schwaben weit von ihrer – dann etwa gleichwertigen – Bestbesetzung entfernt waren. Besonders an den hinteren drei Brettern hatten die Solinger nominelle Vorteile von bis zu 200 Weltranglisten-Punkten. Aber Erwin L’Ami, Predrag Nikolic und Alexander Naumann schafften es nicht, Vorteile anzuhäufen. Im Gegenteil: Naumann hatte noch Glück, dass sein Kontrahent eine gewinnverheißende Fortsetzung übersah. Die letztlich entscheidende Partie – bei sieben Unentschieden – lief an Brett vier. Robin van Kampen hatte es mit dem starken Armenier Tigran Gharamjan zu tun. Zunächst holte er mit Weiß nichts aus der Eröffnung heraus, dann unterschätzte er eine Fesselung, die sich aus der diagonalen Gegenüberstellung der Damen ergab. Van Kampen konnte sich nicht gegen den Verlust eines Turms gegen einen Springer wehren. Nur 15 Züge später musste er aufgeben.

„Etliche haben heute zu passiv gespielt“, meinte Herbert Scheidt zum Auftritt seiner Truppe. Das galt nicht für Anish Giri, der mit Schwarz viel riskierte, aber nicht ernsthaft in Vorteil kam. Und auch nicht für Markus Ragger, auf dem beim Rückstand von 3:4 alle Solinger Hoffnungen ruhten. Ragger gewann mit Schwarz im Endspiel gegen Weltklasse-Mann Viktor Laznicka einen Bauern, der allerdings sehr schwer zu verwerten war. 126 Züge lang machte Ragger so mächtig Druck, dass die meisten Bundesliga-Spieler wohl noch verloren hätten. Aber Laznicka hielt stand – nach 7 Stunden war das 3,5:4,5 perfekt. 

Tabelle

BUNDESLIGA

HEIMSPIELE In genau vier Wochen geht es in der Bundesliga weiter. Die SG Solingen ist am 18./19. März im Veranstaltungsraum der Sparkasse Kölner Straße Gastgeber des Tabellendritten SV Hockenheim und des SV Griesheim. TERMINE Am 8./9. April ist die letzte Doppelrunde, vom 29. April bis zum 1. Mai findet in Berlin die zentrale Finalrunde statt.

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