Handball und Fechten

Solinger erstrahlen im olympischen Glanz

Mit einem Jahr Verspätung werden die Olympischen Spiele in Tokio am Freitag eröffnet – es sind nach wie vor besondere Umstände, da Zuschauer nicht zugelassen sind. Foto: imago
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Mit einem Jahr Verspätung werden die Olympischen Spiele in Tokio am Freitag eröffnet – es sind nach wie vor besondere Umstände, da Zuschauer nicht zugelassen sind.

Helden und Helfer sind und waren immer auch Botschafter der Klingenstadt

Von Wilhelm Rosenbaum

Tokio/Solingen. An diesem Freitag werden die Olympischen Spiele in Tokio feierlich eröffnet. Aus Solingen ist Max Darj dabei, der schwedische Profihandballer des Bergischen HC. Außerdem treten die in der Klingenstadt geborenen Fechter André Sanità und Richard Hübers sowie Daniel Niedzkowski als Co-Trainer der Fußballer erstmals auf der für die meisten Sportler größten Bühne überhaupt an. Das Quartett setzt damit eine Tradition fort, die vor 85 Jahren ihren Ursprung hatte.

Als mit Christel Schaufuß-Rupke eine Schwimmerin des Ohligser TV in Berlin 1936 über 200-Meter-Rücken startete, begann in der Solinger Lokalsport-Chronik das Kapitel Olympia. Seither hat die Klingenstadt dank herausragender Athleten inzwischen alles an Medaillenglanz erlebt.

Für Sportfreunde ist jeder Name ein Top-Ereignis. Das fing 1952 mit Langlauf-Idol Herbert Schade und seinem Bronze-Lauf von Helsinki an, ging mit Stabhochspringer Klaus Lehnertz, der in Tokio 1964 ebenfalls Dritter wurde, weiter – und setzte sich fort: Handballer Rüdiger Neitzel und später Torsten Jansen, Wildwasserkanute Thomas Becker, Beachvolleyballer Julius Brink (mit Jonas Reckermann) und das Tischtennis-Ass Jochen Wollmert, der vierfacher Paralympics-Sieger wurde, standen alle auf dem Ehren-Treppchen. Das Gleiche gilt auch für den beliebten Solinger Handball-Import, den Russen Dimitri Torgowanow, der in Sydney 2000 Gold holte.

Die Solinger Sportlegende Herbert Schade (l.) lief in Helsinki 1952 zu Bronze über 5000 Meter.

Freilich: Bei aller Begeisterung für die so Erfolgreichen sollte man auch an die Helfer am Rand der großen Ereignisse denken, die bei Olympia fernab vom medialen Scheinwerferlicht standen, denn sie hielten gemeinsam, könnte man sagen, den olympischen Laden am Laufen. Ein regelrechtes Solinger Team war etwa in München 1972 am Start: Hilmar Lang und Manfred Paschen als Fechtkampfrichter, Polizei-Hauptmeister Franz Waage und die Feuerwehr-Brandmeister Günter Elbrechtsowie Kurt Reißner im Olympischen Dorf, Hans-Gerd Baum als Jugendleiter und Fußballtrainer. Paul Schallbruch betreute dort die Schützen, Mia Lansnicker die jungen Handballerinnen.

Horst-Dieter Schreier war Ansprechpartner für ehemalige Olympiasieger. Horst Rosenstock agierte als Schiedsrichter bei einer Badminton-Demonstration und leitete sogar das Finale im Herren Doppel, Albrecht Kunz aus Aufderhöhe wurde für die Organisation des internationalen Olympiaflugs der Tauben engagiert. Ulrich Richter, damals Koch bei der Bundeswehr, sorgte fürs leibliche Wohl der Aktiven im „Dorf“, und in Kiel, bei den Segel-Wettbewerben, war Helmut Müller-Greven gefragt als Vermesser für die Drachen- und Tempest-Boote.

Erfolgreiche Handballer: Olympiasieger Dimitri Torgowanow (Sydney) und Silbermedaillen-Gewinner Torsten Jansen (Athen).

Bei den Spielen in Vancouver 2010, in London 2012 und in Sotschi 2014 war der Solinger Christian Laimann für das Remscheider Orthopädie-Unternehmen Bauerfeind tätig, um deutsche Sportler mit Bandagen und Sanitär-Produkten zu versorgen. Dass Paul M. Sowa, ein nach Australien ausgewanderter Solinger, dort einmal zu den 10 000 Fackelläufern für die olympische Flamme gehörte, passt ins Bild.

Auch Solinger Unternehmen gaben gelegentlich bei den Spielen ihre Visitenkarte ab. Dabei schoss der Walder Unternehmer Helmut Schmidt, der Erfinder der deutschen Schwimmabzeichen und zahlreicher Embleme, der übrigens selbst ein engagierter Schwimmer bei „Poseidon“ und Fechter im WMTV war, den Vogel ab. Schon 1952 rüstete er nämlich die deutsche Olympia-Fechtriege für Helsinki mit Säbeln aus. Für München 1972 produzierte die Firma Karl Wolfertz & Söhne Kapselheber als Souvenirs, während die Aktiven damals mit Bestecken aus dem Hause Carl Pott speisten.

Weltrekordler Beamon überließ Journalist seine Spikes

Englische Segler waren begeistert von Rettungs- und Seglermessern, die die Gräfrather Hubertus-Schneidwarenfabrik entwickelt hatte. Wilkinson lieferte Rasierapparate, der Walder Ausrüster „Kentucky Reit- und Sportmoden“ kleidete die kanadischen Dressurreiter ein. In der Olympia-Disco 1980 in Moskau sorgte der Ohligser Ernst Schauch für Lichteffekte. Und schließlich gastierte die bekannte Pina-Bausch-Truppe 2012 beim olympischen London-Festival mit zehn internationalen Koproduktionen.

Christian Laimann sorgte bei den Spielen für Bandagen.

Schlusspunkt: Dass Solinger sich über Olympia in der Zeitung informieren konnten, dafür sorgten persönlich die vor Ort tätigen ST-Redakteure, 1928 und 1936 C. Robert Schaberg, 1960 in Rom Wolfgang Koch und Franz-Josef Darius. Dabei gelang Darius in Mexiko 1968 ein wirklicher Coup: Er bat den US-Amerikaner Bob Beamon nach seinem Gold- und Weltrekordsprung über 8,90 Meter um dessen Spikes, erhielt sie auch tatsächlich mit einem Autogramm. Später „verkaufte“ er sie an die Firma Adidas. Den Betrag von 10 000 Mark spendete er anschließend an eine Solinger Baptistengemeinde. Solche Geschichten schreibt wohl nur Olympia.

Olympische Sommerspiele in Tokio

Übersicht: Zwischen dem 23. Juli und 8. August kämpfen die Sportler in 33 Sportarten und 51 Disziplinen um die begehrten Medaillen. 339 Entscheidungen – und damit 33 mehr als in Rio 2016 – gibt es insgesamt, die meisten davon in der Leichtathletik (48) und im Schwimmen (35).

Max Darj ist nach einem langen Flug sicher in Tokio gelandet.

Max Darj: Der schwedische Kreisläufer des Bergischen HC ist nach einem langen Flug und ein wenig Unterhaltungsprogramm auf dem Laptop sicher in Japan gelandet. Die Handballer greifen ab Samstag ins Turnier ein, wenn sie um 14.15 Uhr (Ortszeit) auf Bahrain treffen. Das Finale findet am 7. August statt.

André Sanità: Der Florettfechter startet im Einzel am 26. Juli (ab 9.25 Uhr) und mit der Mannschaft am 1. August (ab 9 Uhr).

Richard Hübers: Der Säbelfechter ist nur im Teamwettbewerb dabei. Dieser findet am 28. Juli ab 10 Uhr statt.

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