Radsport

Solinger Radsporttalent nimmt steile Entwicklung

Bei der DM der U23 im Zeitfahren feierte Jonathan Hamm im Juni als Elfter der NRW-Wertung eine tolle Premiere. Im Gesamtklassement sprang Platz 44 heraus. Foto: Anne Mill/frontalvision.com
+
Bei der DM der U23 im Zeitfahren feierte Jonathan Hamm im Juni als Elfter der NRW-Wertung eine tolle Premiere. Im Gesamtklassement sprang Platz 44 heraus.

Ein Sinneswandel führt Jonathan Hamm bis in die Bundesliga.

Solingen. Eine ambitionierte Fußballkarriere, zumindest auf Amateurebene, wäre naheliegend gewesen. Schließlich war Vater Jürgen ein feiner Kicker auf ansprechendem Niveau beim TSV Aufderhöhe gewesen, während Schwester Melina es sogar in den Nachwuchsbereich bei Bayer Leverkusen geschafft hat. Doch Jonathan Hamm hat einen anderen sportlichen Weg eingeschlagen. Der 19-jährige Solinger ist Radrennfahrer, hat innerhalb kürzester Zeit schon einige Erfolge verbuchen und sogar Erfahrung in der U19-Bundesliga sammeln können. Doch nun bremste ihn seine erste ernsthafte Verletzung schmerzhaft aus und beendete seine Saison.

Beim 51. „Ronde van Midden-Brabant“, einem prestigeträchtigen Radrennen im Süden der Niederlande, zog sich Hamm einen Leistenbruch zu. „Ich dachte zuerst gar nicht, dass da etwas passiert wäre“, erzählt er. „Das muss durch eine falsche Bewegung oder Überbelastung passiert sein.“ Jedenfalls fand sich der 19-Jährige wenige Tage später auf dem OP-Tisch der St. Lukas Klinik wieder und muss seitdem pausieren. „Das war schon sehr enttäuschend“, sagt Hamm, der nach der Corona-Zwangspause „richtig heiß“ darauf gewesen war, endlich wieder in die Pedale treten zu können.

Dies war ihm am Tag und auch schon den Wochen vor der Verletzung noch gut gelungen, als er bei verschiedenen Radrennen in Österreich und den Niederlanden an den Start ging und sich daran regelrecht begeisterte. „Das war das Größte, was ich bislang erlebt habe.“ Speziell in Holland sei der Radsport „noch etwas ganz anderes und nicht zu vergleichen mit Deutschland. Einfach total cool“. Die Verletzung glich dann einem großen Rückschlag: „Das war ein heftiger Absturz von Wolke 7.“

Jonathan Hamm fährt mittlerweile für das Team „Sportforum“.

Erst seit knapp drei Jahren fährt der 19-Jährige Rennradtouren

Diesen erlebte Hamm im Trikot des Teams „Sportforum“ aus Kaarst, dem er sich im Sommer angeschlossen hat, nachdem er aus dem U19-Bereich herausgewachsen und sein Abitur auf der Geschwister-Scholl-Schule abgeschlossen war. Dort fährt er auf Elite-Amateur-Ebene, also eine Stufe unter den Profis, Rundstreckenrennen im In- und Ausland wie auch in der Männer-Bundesliga. Jedenfalls dann, wenn er seine Leistenoperation komplett auskuriert hat. „Ich bin für 2022 weiter eingeplant, für das Team zu fahren“, erzählt der Aufderhöher.

Vor ein paar Jahren hätte er sich selbst nicht erträumen lassen, mal so ambitioniert im Sattel zu sitzen. Lange Jahre spielte Hamm eher Fußball (TSV), Hockey (TSV, WMTV, Reinshagener TB) oder Tennis (TCO) – alles aber rein hobbymäßig. Erst vor knapp drei Jahren nahm ihn sein Vater mal mit auf eine Rennradtour. „Das fand ich aber anfangs super langweilig“, erinnert er sich mit einem Schmunzeln. „Ich konnte nicht verstehen, was man daran finden kann.“ Auch das Outfit passte nicht zwingend in die bevorzugte Garderobe des damals 15-Jährigen, der sich eher zum BMX- oder Mountainbikefahren hingezogen fühlte: „Diese hautengen Klamotten. . .“

Ich konnte anfangs gar nicht verstehen, was man am Fahren mit einem Rennrad finden kann.

Jonathan Hamm, Solinger Radsportler

Irgendwann durchlebte Hamm aber einen Sinneswandel. Vor allem eines begann ihn mehr und mehr zu faszinieren: „Man merkt, dass sich das, was man in die Pedale investiert, auch in der Geschwindigkeit bemerkbar macht.“ Spätestens bei einem Jedermann-Event auf dem Nürburgring im Juli 2018 machte es endgültig klick bei ihm. „Von da an habe ich mich viel intensiver mit der Materie und dem Material auseinandergesetzt.“ Dazu gehörte auch ein nun regelmäßiges Training.

Mit wachsendem Enthusiasmus entstand der Kontakt zum Citec-Röltgen-Radteam von Ingo Hermann, dem sich der Solinger kurz darauf anschloss. Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten, was für steigenden Ehrgeiz sorgte. Im Dezember 2019 unterzog sich Hamm einer Leistungsdiagnostik bei Frederic Dahmen und dessen Radsport-Unternehmen „Wattwerk“. „Ich wollte halt wissen, wie viele PS in mir stecken.“ Das Ergebnis ließ ihn noch ambitionierter an die Sache herangehen. „Seitdem steht das Training im Mittelpunkt meiner Tagesgestaltung“, erzählt Hamm, der auch die Zusammenarbeit mit Dahmen ausbaute.

Im März 2020 schloss er sich dem Juniorenteam „Embrace The World U19“ an, für das er vor dem zweiten Lockdown unter anderem in der U19-Bundesliga wie auch bei der Deutschen Meisterschaft fuhr. Doch dann bremste ihn zunächst Corona erneut aus – und nun der Leistenbruch.

Verein

Seit vergangenem Jahr ist Jonathan Hamm auch Mitglied bei Velo Solingen. Allerdings fährt er nicht für den Verein oder trainiert bei diesem, sondern erwarb über ihn die Lizenz des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Nur mit der kann er an entsprechenden Rennen teilnehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

In der kritischen Phase läuft alles gegen die Löwen
In der kritischen Phase läuft alles gegen die Löwen
In der kritischen Phase läuft alles gegen die Löwen
Erster Heimpunkt beschließt schwache Hinrunde
Erster Heimpunkt beschließt schwache Hinrunde
Erster Heimpunkt beschließt schwache Hinrunde
Der BHC II siegt und Mönchengladbach patzt
Der BHC II siegt und Mönchengladbach patzt
Der BHC II siegt und Mönchengladbach patzt
Die grandiose HSV-Serie hält
Die grandiose HSV-Serie hält
Die grandiose HSV-Serie hält

Kommentare