Fotografie und Sport

Sebastian Trägner: Vom Fußballer zum Szenefotograf mit Herz

Mit der Kamera in der Hand überwand Sebastian Trägner vor einigen Jahren nicht nur die schwerste Zeit in seinem Leben, sondern er fand auch eine fesselnde Herausforderung. Fotos: Trägner
+
Mit der Kamera in der Hand überwand Sebastian Trägner vor einigen Jahren nicht nur die schwerste Zeit in seinem Leben, sondern er fand auch eine fesselnde Herausforderung.

Der Solinger Sebastian Trägner hat sich mit Aufnahmen von Obdachlosen einen Namen gemacht.

Von Fabian Herzog

Als Fußballer war Trägner vor allem in der Hobbyliga aktiv.

Lange Jahre hat er in Solingen Fußball gespielt. Vereinsmäßig beim TSV und VfB, in der Hobbyliga für Celtic Brandy´s. (Noch) erfolgreicher war Sebastian Trägner als Skateboarder. Einmal nahm er sogar an der Deutschen Meisterschaft in Münster teil. „Aber da habe ich es voll verpatzt“, sagt er lachend. Bundesweite Bekanntheit hat der 37-Jährige mittlerweile aber als Fotograf erlangt. Denn Trägner, der seinen Lebensmittelpunkt vor Jahren von Aufderhöhe nach Köln verlagert hat, hat sich in der Domstadt einen Namen gemacht, in dem er Menschen fotografiert, die sonst eigentlich selten bis nie im Mittelpunkt stehen: Obdachlose. „Mir geht´s dabei aber nicht darum, zu zeigen, wie schlecht es denen geht oder so“, erklärt der Solinger. „Ich möchte ihnen ein Gesicht geben und eine Plattform bieten.“

„Die Menschen lachen genau wie wir. Und ich finde, das sollte man auch zeigen.“

Sebastian Trägner, Fotograf
Ingo und Christoph, zwei Obdachlosen am Rudolfplatz in Köln, konnte Trägner eine große Freude machen.

Ganz wichtig ist Trägner in dem Zusammenhang, keinen Voyeurismus oder Armutstourismus betreiben zu wollen. Ganz im Gegenteil: Er begegnet seinen „Modellen“ mit einem Maximum an Respekt. Wenn er sie auf den Straßen der Domstadt trifft, wird immer auch ein bisschen oder manchmal sogar nur gequatscht. „Aus Bekanntschaften sind schon Freundschaften entstanden“, erzählt Sebastian Trägner, der schon viele unvergessliche Momente erlebt hat.

Mit Gabriel beispielsweise, einem Obdachlosen in Köln. Ihn lernte Trägner durch seine Fotografie kennen und besuchte ihn an Weihnachten. „Er hatte sogar ein Geschenk für mich“, erzählt der Solinger. „Das war super abgefahren.“ Gerne nahm er sich die Zeit für ein Gespräch über den Alltag, während man gemeinsam Schokolade aß.

Immer wieder erzählt er auch die Geschichte von Ingo und Christoph, zwei Obdachlosen vom Rudolfplatz. Sie sprachen ihn an, ob er mal ein Foto von ihnen machen könnte. Dieses entwickelte er später und schenkte es den beiden Freunden. „Das war überwältigend“, erinnert er sich. „Sie hatten noch kein Foto von sich und lagen sich in den Armen.“

Auch als Skater war Sebastian Trägner erfolgreich.

Anekdoten wie diese sind es, die der gebürtige Solinger auch mit seinen Aufnahmen darstellen möchte. „Auf der Straße gibt es nicht nur Leid und Frustration“, sagt Trägner. „Die Menschen lachen genau so miteinander wie wir. Und ich finde, das sollte man auch zeigen.“ Jedes Foto beinhalte stets auch eine gewisse Art von Empathie. Und das Wichtigste, betont er, ist dabei immer der Respekt.

Mit seinen Aufnahmen konnte Trägner schon in diversen Ausstellungen und Magazinen für – im wahrsten Sinne des Wortes – Aufsehen sorgen. So gelingt es ihm, den Blick vieler Menschen auf die Verhältnisse zu schärfen und ihnen die Realität vor Augen zu führen. Bei einer Vernissage mit seinen Fotos kamen so beispielsweise Spenden in Höhe von 700 Euro zusammen.

Keine fotografische Ausbildung – genau das ist das große Plus

Sebastian Trägners Fotos zeichnen sich durch eine ganz spezielle Note aus. „In der Kunstszene wird meiner Arbeit eine gewisse Naivität zugeschrieben“, erzählt der Solinger, der eben keine fotografische Ausbildung genossen, sondern einen ganz speziellen beruflichen Weg genommen hat. In Ohligs wurde er zum Reiseverkehrskaufmann ausgebildet, arbeitete in dieser Branche auch in Langenfeld und Köln. Dann übernahm er in der Domstadt einen Skatershop, arbeitete für ein australisches Skatelabel und nebenbei immer auch als Model. Dadurch dann irgendwann auch für den Kölner Herren-Ausstatter Herr von Eden, der Promi-Kunden wie Rammstein oder Jan Delay hatte.

Ein Burnout riss Trägner dann für mehrere Jahre aus allem raus. „Dadurch bin ich zur Fotografie gekommen“, erzählt der 37-Jährige, dem es vor dreieinhalb Jahren enorm half, mit der Kamera um den Hals durch die Straßen Kölns zu laufen und so eine neue Herausforderung für sich zu entdecken. Mit dieser begeistert er viele auch auf diversen Internet-Plattformen. Bei Instagram zum Beispiel haben seine Seite über 50 000 Menschen abonniert. Zu finden unter: instagram.com/traegi

Medieninteresse

Über Sebastian Trägners fotografisches Projekt haben schon diverse Medien berichtet. Er war im Sat1-Frühstücksfernsehen, um von seinen Erlebnissen zu erzählen. Auch ARD, ZDF und WDR würdigten seine außergewöhnliche Arbeit mit jeder Menge Sendezeit. Die Reaktionen darauf blieben nicht aus. „Ich habe danach unfassbar viele Nachrichten bekommen“, erzählt Trägner.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

STC gelingt das Finale
STC gelingt das Finale
Die Torjägerin erlöst den HSV in letzter Sekunde
Die Torjägerin erlöst den HSV in letzter Sekunde
Die Torjägerin erlöst den HSV in letzter Sekunde
Michael Stamm gewinnt TCO-Turnier
Michael Stamm gewinnt TCO-Turnier
Michael Stamm gewinnt TCO-Turnier
Solinger Herren-Tennis erlebt seinen Höhepunkt
Solinger Herren-Tennis erlebt seinen Höhepunkt
Solinger Herren-Tennis erlebt seinen Höhepunkt

Kommentare