Tischtennis

Thomas Rau will im dritten Anlauf die Paralympische Medaille

In Rio trat Thomas Rau (r.) im Teamwettbewerb mit dem ebenfalls viele Jahre für Solingen spielenden Jochen Wollmert an. Foto: imago
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In Rio trat Thomas Rau (r.) im Teamwettbewerb mit dem ebenfalls viele Jahre für Solingen spielenden Jochen Wollmert an.

Der für RBS Solingen aktive Thomas Rau steht in Tokio an der Platte.

Von Moritz Jonas

Solingen. Knapp über zwei Wochen ist das olympische Feuer nun erloschen, da lodert im Olympiastadion von Tokio schon das nächste, nämlich das der Paralympischen Spiele. Die Wettbewerbe haben am Dienstag begonnen. Teil der deutschen Delegation ist Tischtennisspieler Thomas Rau. Seit 2014 steht der gebürtige Fehmarner für Reha- und Behindertensport Solingen an der Platte. Bei seinen dritten Paralympischen Spielen soll es nun endlich auch mit der Medaille klappen.

Für den Deutschen Behindertensportverband (DBS) startet Rau in der Wettkampfklasse 6. In dieser Klasse werden alle Sportler mit einer schweren Beeinträchtigung des Schlagarms und der unteren Glieder verortet. Rau selbst leidet an einer Fehlbildung seines linken Arms, der rechte ist gar nicht ausgebildet. Darüber hinaus benötigt er an beiden Beinen eine Prothese, um am Tisch stehen zu können.

Umstände, die ihn allerdings nie davon abhielten, Sport zu treiben. „Schon als Kind habe ich eigentlich alles an Sport gemacht. Beim Tischtennis konnte ich aber immer am besten mithalten“, erzählt Rau. So kam es, dass er bereits in frühester Kindheit mit dem Schlägersport anfing – erst in der Heimat mit den Freunden und später dann eben auch auf Leistungsniveau. Inzwischen gehört Rau in seiner Klasse zu den besten Spielern weltweit. Aktuell ist er Siebter der Weltrangliste.

Paralympische Spiele: Thomas Rau fehlen durch Corona Wettkampfs- und Trainingspraxis

Eine Einordnung, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber vermutlich recht wenig über das Niveau der Athleten aussagt. Denn natürlich wurde auch dem Para-Sport durch die Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten der Riegel vorgeschoben. Seinen bisher letzten Wettkampf habe er im November 2020 spielen können, berichtet Rau. Seither bestand die Olympia-Vorbereitung aus den vereinzelten Stützpunkt-Lehrgängen der Nationalmannschaft in Düsseldorf oder dem Training im Verein.

Ich bin definitiv nicht nach Tokio geflogen, um nur mitzuspielen.

Thomas Rau, Tischtennisspieler

Für den Top-Ten-Spieler ist diese Vorbereitung aber kein Ersatz für richtige Wettkämpfe. Im Para-Tischtennis sei es deutlich schwieriger, Partner aus der eigenen Klassifizierung zu finden: „Im Normalfall hat man im Verein nur einen Spieler aus jeder Klassifizierungsgruppe, und auch in der Nationalmannschaft ist es eher die Seltenheit, zwei Spieler zu haben“, erklärt Rau.

Neben der fehlenden Wettkampfpraxis ist auch die Verlegung der Spiele um ein Jahr für ihn eher ungünstig. „Es ist schon blöd, denn gerade 2019 hatte ich ein super Jahr, den Lauf hätte ich gerne mitgenommen“, sagt Rau. 2019 konnte der Sportler des RBS nicht nur die Vize-Meisterschaft mit seiner Solinger Mannschaft holen, bei der EM im schwedischen Helsingborg sicherte er sich auch die Bronzemedaille.

Die paralympischen Spiele in Tokio sind für Rau die dritten nach London und Rio

Fast zwei Jahre danach nimmt Rau statt EM-Schwung eine Menge Fragen mit nach Tokio. „Ich weiß zur Zeit noch gar nicht so recht, wo ich stehe, und auch die Konkurrenz ist nur schwer einzuschätzen“, erläutert Rau. Trotzdem denkt er nicht daran, seine Ziele zurück zu schrauben. Nach Platz vier in London 2012 und Platz fünf in Rio 2016 soll es nun im dritten Anlauf mit dem Edelmetall klappen. „Ich bin definitiv nicht nach Tokio geflogen, um nur mitzuspielen, es soll schon eine Medaille geben.“

Rau befindet sich bereits seit vergangener Woche im Olympischen Dorf, wo er sich intensiv auf seinen anstehenden Wettkampf vorbereitet. Viel Ablenkung gebe es schließlich nicht. Die Abläufe seien coronabedingt streng getaktet, und so pendele er täglich zwischen Dorf und Trainingsarena hin und her. Die einzige Abwechslung sei ein gelegentlicher Spaziergang.

Mit einem Lagerkoller rechnet der 37-jährige allerdings nicht: „Es gibt sicher welche, die damit ein Problem haben, ich gehöre aber nicht dazu“. Der volle Fokus liegt also voll auf den anstehenden Aufgaben. Neben dem Wettkampf im Einzel tritt Rau auch im Team an. Gemeinsam mit Paralympics-Debütant Björn Schnake.

Wettbewerb

Sein erstes Gruppenspiel bestreitet Thomas Rau am Donnerstag um 4.40 Uhr deutscher Zeit gegen den Dritten der Weltrangliste, Rungroj Thainiyom aus Thailand. Thainiyom ist fünffacher Asienmeister, Paralympics-Sieger von London 2012 sowie Bronzemedaillen-Gewinner von Rio 2016. In seiner zweiten Partie geht es für Rau am Freitag um 2.40 Uhr gegen den 20-jährigen bosnischen Meister Haris Eminovic. Der Teamwettbewerb beginnt am 31. August.

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