Handball

HSV lebt fast 50 Minuten seinen Traum

Auch Mandy Reinarz gehörte auf beiden Seiten des Feldes einmal mehr zu den Aktivposten des HSV. Im Hintergrund: Thüringens überaus emotionaler Coach Herbert Müller. Foto: Kurt Kosler
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Auch Mandy Reinarz gehörte auf beiden Seiten des Feldes einmal mehr zu den Aktivposten des HSV. Im Hintergrund: Thüringens überaus emotionaler Coach Herbert Müller.

Im Pokal-Achtelfinale unterliegen Solingens Handballerinnen Thüringen mit 24:29 (14:14).

Von Jürgen König

Solingen. Der mageren Kulisse mit gerade einmal 120 zahlenden Zuschauern zum Trotz herrscht in der Klingenhalle auf einmal Top-Stimmung. Nach sechseinhalb Minuten nimmt der Thüringer HC, eines der besten Teams im deutschen Frauenhandball, die erste Auszeit. 2:5 heißt es aus Sicht der Gäste, der HSV Solingen-Gräfrath um seine Torjägerin Vanessa Brandt fegt förmlich über den Favoriten hinweg. 3:0, 5:2, nach hinten heraus ein 14:11 (26.) – es läuft beim Zweitliga-Dritten. Erst in der 50. Minute ist klar, dass eine Sensation an diesem Abend ausbleiben wird. Der THC mit seiner überragenden Schweizer Nationalspielerin Kerstin Kündig, torgefährlicher Dreh- und Angelpunkt, führt da erstmals mit vier Toren (23:19) und bringt den Vorsprung souverän ins Ziel. Kein Grund für Kerstin Reckenthäler, nach dem 24:29 (14:14) Trübsal zu blasen. „Wir haben zur Pause ein Unentschieden geschafft, wir dürfen stolz auf unsere Leistung sein“, fasst die Solinger-Trainerin das Geschehen zusammen.

„Ein gutes Spiel machen, schließlich hat der HSV nichts zu verlieren“, sagte vor dem Anpfiff eine ehemalige Spielerin. Alina Bohnen, als Kreisläuferin mittlerweile in Diensten des österreichischen Spitzenclubs WAT Atzgersdorf, teilte mit dieser Aussage wohl die Erwartungen aller Besucher. Die dann freilich überrascht wurden, denn erst einmal waren es ihre Gräfratherinnen, die der Partie den Stempel aufdrückten. Erst, als die Abschlusseffektivität in Person von Brandt und Franziska Penz zurückging, fand die deutsche Nummer drei hinter Borussia Dortmund und SG Bietigheim besser in die Begegnung.

Aber der HSV blieb lange Zeit voll auf Augenhöhe, die viel Verantwortung im Rückraum übernehmende Cassandra Nanfack war maßgeblich am 14:11-Vorsprung kurz vor der Halbzeit beteiligt – den Thüringen freilich noch mit einem beherzten Schlussspurt konterte.

Nele hat sich das durch eine extrem gute Leistung im Training verdient.

Kerstin Reckenthäler über die Ex-Thüringerin Nele Weyh

Der Erstligist war nicht in Top-Besetzung und nur mit einem allerdings hochkarätigen Zwölfer-Kader nach Solingen gekommen, sein unterklassiger Herausforderer konnte hingegen früh die Spielanteile auf mehrere Schultern verteilen. So feierte Linksaußen Lucy Jörgens nach Verletzungszwangspause ihren Einstand, und die vor der Saison aus Thüringen gekommene Nele Weyh stand am Kreis sogar in der Anfangsformation. „Nele hat sich das durch eine extrem gute Leistung im Training verdient“, begründete Reckenthäler den Vorzug vor der eta–blierten Carina Senel.

Der erste Rückstand (14:15, 32.) brachte noch keinen Riss in die Vorstellung des körperlich unterlegenen HSV, bei dem Lisa Fahnenbruck mit einem gehaltenen Siebenmeter beim Stande von 17:18 (43.) für einen wichtigen Impuls sorgte. Sie war zu diesem Zweck für die überzeugende Natascha Krückemeier eingewechselt worden. Zuvor waren Brandt und Nanfack ihrerseits per Strafwurf gescheitert. Es waren Bestandteile der Entwicklung hin zu einem Sieg, wie er erwartet worden war. Kerstin Reckenthäler, die in ihre Bilanz auch lobende Worte für Rückraumspielerin Luca Tesche einbaute: „Das war mehr als gut, auch, wie wir uns in der Abwehr verkauft haben.“

HSV: Krückemeier, Fahnenbruck, Gün; Nanfack (6, 1), Brandt (6, 2), Reinarz (4, 1), Tesche (3), Kamp (2), Jörgens (1), Müller (1), Weyh (1), Penz, Senel, Clauberg, Münch

Trainer-Legende

Allein mit dem Thüringer HC hat Herbert Müller sieben Deutsche Meistertitel und drei Pokalsiege gefeiert, ist ein Großer seiner Zunft. Am Samstag ließ der 59-Jährige aber jegliche Souveränität vermissen. Sowohl in Worten wie Gesten fand Müller in keine Richtung den passenden Ton. Sah Gelb, zwei Minuten, nahm bei 26:21 in der 55. Minute eine Auszeit – alles gewöhnungsbedürftig. Hatte auch Trainerkollegin Kerstin Reckenthäler so erkannt, die allerdings sagte: „Er hat sehr hohe Handball-Kompetenz, mein Respekt vor ihm ist groß.“

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