Fußball

Fußballer Robin Becker schuftet für sein Comeback

Stabilisationsübungen statt Stabilisierungsfaktor im Dynamo-Spiel: Robin Becker musste lernen, mit dem Rollentausch zu leben. Fotos: Dynamo
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Stabilisationsübungen statt Stabilisierungsfaktor im Dynamo-Spiel: Robin Becker musste lernen, mit dem Rollentausch zu leben.

Drittliga-Fußballer kämpft sich nach einem Kreuzband- und Meniskusriss zurück

In einem Trainingszweikampf Mitte Januar passierte es: Robin Becker verspürte in seinem rechten Knie so ein ungutes Gefühl. Zwar wollte er anfangs noch weitermachen, merkte dann aber schnell, dass „irgendetwas nicht stimmt“. Kurze Zeit später bekam der in Solingen geborene Profifußballer in Diensten des Drittligisten Dynamo Dresdens die niederschmetternde Diagnose: Kreuzband- und Meniskusriss. Seitdem erlebt der 24-Jährige die Schattenseite seines Berufes, kämpft sich Tag für Tag zurück und schuftet in der Reha für sein Comeback.

Die wichtigste Frage vorab: Wie geht es Ihnen?

Robin Becker: Danke der Nachfrage, mir ging es schon mal schlechter. Ich fühle mich echt ganz gut und bin froh, dass alles nach Plan verläuft.

Wie und wo läuft Ihre Reha genau ab?

Robin Becker: Meine Reha mache ich in Dresden direkt in unserem Trainingsgelände, mit einem unser Physiotherapeuten und Reha-Trainer. Aktuell bin ich täglich 3 bis 4 Stunden am Trainingszentrum. Eine Stunde Behandlung und ca. zwei Stunden Training/Reha-Programm im Kraftraum (Fahrrad fahren, Krafttraining, Stabilisationstraining etc.). Mal mehr, mal weniger.

Mit Physiotherapeut Tobias Lange verbrachte Becker in den vergangenen Wochen mehr Zeit, als ihm lieb war.

Wie waren die vergangenen Monate? Wie hart ist es für einen Fußballprofi, monatelang nur zugucken zu können?

Becker: Die erste Zeit rund um die Operation war rückblickend schon sehr hart. Vor allem wie unselbstständig man ist, war dann doch sehr deprimierend. Am Tag nach der Operation kann man sich ja auch kaum vorstellen, dass man in zwei Monaten wieder ganz normal gehen können soll. Nur zugucken zu können, ist natürlich kein schönes Gefühl und macht einen sehr unruhig. Du weißt einfach, dass du in den nächsten Monaten nicht das machen kannst, was du sonst täglich gemacht hast. Mein Weg führt zum Physiotherapeuten und in den Kraftraum, die Kollegen gehen raus auf den Fußballplatz.

Was macht so eine schwere Verletzung mental mit einem?

Becker: Als unser Mannschaftsarzt mir die Diagnose mitteilte, war ich geschockt und habe ein paar Stunden gebraucht, um einzuordnen, was da passiert ist und was alles auf mich zu kommt in nächster Zeit. Am selben Abend aber noch war ich so ehrgeizig und optimistisch, auch diese schwere Zeit zu meistern, dass ich mich schon selbst vor mir erschrocken habe. Das Schwierigste ist, zu akzeptieren, dass man die nächste Zeit kein Mannschaftssport macht, sondern als Einzelkämpfer seine Reha bestreitet.

Erschwerend hinzu kam sicherlich, dass Dynamo den Vorsprung an den Tabellenspitze im April eingebüßt hat. Wie sehr haben Sie mitgelitten, als dieser schmolz?

Becker: Sehr. Es war natürlich nicht schön anzusehen, dass wir den doch sehr komfortablen Vorsprung von Woche zu Woche aus der Hand gegeben haben. Aber dass wir nicht einfach so mal eben durch die 3. Liga marschieren, war mir auch bewusst.

Wie und wo haben Sie die Spiele verfolgt?

Becker: Die ersten Wochen nach der Operation habe ich alle Spiele von zu Hause aus geschaut, da ich einfach durch die Krücken und Knieorthese nicht so mobil war und es dann doch einer großen Anstrengung glich, ins Stadion zu gehen. Mitllerweile verfolge ich die Spiele aber alle wieder live im Stadion.

Wie sehen Sie das Aufstiegsrennen in Liga drei?

Becker: Keiner hat sich gewünscht, dass es hinten raus noch einmal so eng wird und vor allem mit 1860 München noch eine weitere Mannschaft neben Rostock, Ingolstadt und uns im Aufstiegsrennen mitmischt. Aber jetzt ist diese Situation so gekommen und wir müssen die letzten Wochen liefern. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit Dynamo Dresden in die 2.Liga aufsteigen werden. Welche andere Mannschaft uns folgt, ist uns dann nicht so wichtig.

Letztmals stand Becker am 11. Januar auf dem Platz.

Mitte April musste Dynamo in Quarantäne. Wie groß schätzen Sie den dadurch entstandenen Nachteil gegenüber der Konkurrenz ein?

Becker: Klar ist es nicht optimal gewesen, dass wir vor dem Spiel gegen den Halleschen FC (0:3) aufgrund der Quarantäne nicht die Möglichkeit hatten, als Mannschaft zu trainieren. Allerdings glaube ich nicht, dass es der Grund war, dass wir dieses Spiel verloren haben. Wir wollen die Quarantäne nicht als Ausrede gelten lassen.

Letzte Frage: Wie ist Ihr persönlicher Zeitplan fürs Comeback?

Becker: Einen konkreten Zeitplan habe ich mir zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht gemacht. Der Heilungsverlauf und meine bisherigen Fortschritte stimmen mich aber sehr optimistisch. Bei dieser Art der Verletzung einen falschen Ehrgeiz zu zeigen, wäre sicherlich nicht angebracht. Es läuft alles in Absprache mit den Ärzten und Physiotherapeuten. Sollte alles weiter reibungslos ablaufen, halte ich es für realistisch, rund um den Saisonstart das erste Mal wieder am Mannschaftstraining teilzunehmen.

3. Liga

Seit dem Trainerwechsel vor zwei Wochen ist Dynamo zurück auf Kurs. Mit Alexander Schmidt statt Markus Kauczinski holten die Dresdener aus vier Spielen zehn Punkte, kassierten nicht ein Gegentor, führen die Tabelle wieder an und haben zwei Spieltage vor Schluss vier Punkte Vorsprung auf Relegationsplatz drei. Schon am Samstag könnte gefeiert werden.

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