Eishockey

Deutsche Vizemeisterin hat ein Herz für die Jugend

Pia Clauberg mit der Silbermedaille. Eine von vielen bleibenden Erinnerungen.
+
Pia Clauberg mit der Silbermedaille. Eine von vielen bleibenden Erinnerungen.

Was die Solinger Eishockeyspielerin Pia Clauberg in Mannheim erlebt - und an der Heimat schätzt.

Von Fabian Herzog
und Lasse Hertzberg

Herzlichen Glückwunsch! Am vergangenen Wochenende haben Sie die Saison in der Eishockey-Bundesliga mit den Mad Dogs Mannheim auf Platz zwei abgeschlossen. Wie fühlt es sich an, zum ersten Mal Deutscher Vizemeister geworden zu sein?
Pia Clauberg: Dankeschön! Unterm Strich war es mega, was wir erreicht haben. Also klar, im ersten Moment, als man gesehen hat, es ist nicht mehr machbar, die Serie noch zu drehen, hat sich schon auch eine Enttäuschung breitgemacht. Da flossen dann natürlich auch ein paar Tränen, als die anderen gefeiert haben. Aber so nach kurzer Zeit ist einem dann klar geworden, was wir erreicht haben. Hätte mir das irgendwer vor der Saison gesagt, dass wir Deutscher Vizemeister werden, hätte ich gesagt: Ja ist klar, sag mir mal die Lottozahlen. Es überwiegt schon der Stolz.
Und wie war das Erlebnis, überhaupt dabei gewesen zu sein?
Clauberg: Es war schon ein Riesenerlebnis. Als die Nationalhymne gespielt wurde, war das schon ein ganz besonderer Moment, in dem man realisiert, was gerade passiert. Bei einigen in unserem Team war es da rein emotional auch erstmal vorbei.
Bei Ihnen auch?
Clauberg: Ich habe versucht, mich auf die Aufgabe zu konzentrieren und es als normales Spiel zu sehen. Klar, man hat es im Hinterkopf, dass es ein Finale ist. Aber ich wollte möglichst fokussiert sein. Der Stellenwert war auch an der Kulisse abzulesen. In der Nebenhalle der SAP-Arena waren 650 Zuschauer dabei, die echt für eine mega Stimmung gesorgt haben. Und sogar die Adler Mannheim haben in ihren Play-offs gegen die Kölner Haie für uns Werbung gemacht und später noch zum Vizemeistertitel gratuliert.
Bedeutet das auch eine veränderte Wertschätzung?
Clauberg: Auf jeden Fall. Als der Hallensprecher meinte, Mannheim sei stolz auf uns, und sogar Teile der Führungsetage der Adler bei uns zugeschaut haben, dachte ich: Okay, dann ist es scheinbar angekommen, was wir machen. Die Aufmerksamkeit ist auf jeden Fall viel größer geworden.
Macht sich das finanziell bemerkbar? Oder anders gefragt: Lässt sich als Erstliga-Eishockeyspielerin Geld verdienen?
Clauberg: Leider nein. Wir hatten jetzt zum ersten Mal ein Sponsoring für Handschuhe und Helm. Aber Schuhe, Schläger und vieles mehr zahlen wir aus eigener Tasche.
In der Finalserie war gegen die Memmingen Indians kein Kraut gewachsen. Der Vorrunden-Meister gewann 5:1 sowie 3:1 zu Hause und dann auch in Mannheim mit 6:0. Was war dabei ausschlaggebend?
Clauberg: Es war von vorn herein klar, dass gegen Memmingen bei uns alles passen muss und bei denen nichts klappen durfte. Die haben im ganzen Saisonverlauf nur eine Niederlage gehabt. Schon im ersten Spiel war zu sehen, dass da Euphorie gegen Erfahrung spielt. Für einige von denen war er das sechste Finale, bei uns hat gerade eine Spielerin einmal im Finale gestanden. Bestes Beispiel ist Memmingens Nationalspielerin Laura Kluge, die in den drei Spielen gegen uns neun Scorerpunkte gemacht hat und zur MVP gewählt wurde. Sie ist derzeit die herausragende deutsche Spielerin.
Mit einem blauen Auge sind Sie also nicht davon gekommen. Dafür mit einer blauen Rippe.
Clauberg: Das stimmt. Die habe ich mir im dritten Spiel am Samstag zugezogen, als ich mich in einen Schuss geworfen habe. Das gehört zu den Play-offs aber irgendwo ja auch dazu.
Sie spielen schon seit einigen Jahren in Mannheim. Warum eigentlich? Und welchen Aufwand betreiben Sie, um in 270 Kilometer Entfernung Ihrem Hobby nachzugehen?
Clauberg: In Mannheim fühle ich mich einfach extrem wohl, was auch daran abzulesen ist, dass ich am Samstag mein 200. Spiel gemacht habe. Dort geht es eben sehr familiär zu, was mir gut gefällt. Dafür habe ich den zeitlichen Aufwand immer gerne in Kauf genommen und bin zum Freitags-Training oder den Spielen am Wochenende dorthin gefahren.
Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Werden Sie weiter für Mannheim spielen? Andreas Jordan, der Trainer des EC Bergisch Land, möchte Sie ja seit Jahren für die Zweitliga-Frauen der Raptors gewinnen.
Clauberg (lacht): Der Jo hat schon gesagt, dass ich ja jetzt Deutscher Vizemeister bin und deswegen zurückkommen könnte. Aber die Leistungsdifferenz zwischen 1. und 2. Liga ist einfach zu groß. Und ich mag einfach die Herausforderung und möchte in jedem Spiel immer alles geben müssen.
Ihre Verbundenheit zu den Raptors ist trotzdem ungebrochen groß. In welchen Bereichen engagieren Sie sich dort?
Clauberg: Ich bin Trainerin der U11 und versuche mich so gut es geht beim Frauenteam einzubringen. Vor allem im Orgabereich. Aber das ist alles zeitlich begrenzt.
Wie viel Spaß macht die Arbeit mit dem Nachwuchs?
Clauberg: Da geht einem einfach das Herz auf. Wenn man sieht, wie sie Dinge erlernen und dann auch im Spiel irgendwann umsetzen. Die meisten trainiere ich jetzt seit drei Jahren. Und da ist es ein schönes Gefühl, wenn sie es Woche für Woche besser können. Deswegen möchte ich das auch nicht aufgeben. Da würde mir etwas fehlen. Und wie groß die Verbundenheit zu meiner Mannschaft ist, hat sich bei den Finalspielen gezeigt, für die Kinder aus dem Raptors-Nachwuchs extra nach Mannheim gereist sind.

Zur Person

Pia Clauberg wurde am 7. Juni 1998 in Langenfeld geboren. Mit fünf Jahren begann die Solingerin beim EC Bergisch Land mit dem Eishockeyspielen, wo sie sich zur Jugend-Nationalspielerin entwickelte und 2015 (in Frankreich) wie 2016 (in Ungarn) an U18-Weltmeisterschaften teilnahm. Weitere Vereinsstationen waren Neuss, Essen, Bergkamen, Duisburg und Hannover. Seit 2016 spielt die Sozialversicherungsfachangestellte bei der Berufsgenossenschaft in Mannheim.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

HSV startet am Samstag eine Aktion
HSV startet am Samstag eine Aktion
HSV startet am Samstag eine Aktion
Haitz mit Rückenwind zur Weltmeisterschaft
Haitz mit Rückenwind zur Weltmeisterschaft
Haitz mit Rückenwind zur Weltmeisterschaft
Taekwondo-Club holt dreifach Gold
Taekwondo-Club holt dreifach Gold
Taekwondo-Club holt dreifach Gold
Zwischen French Open und Talenten im Kreis
Zwischen French Open und Talenten im Kreis
Zwischen French Open und Talenten im Kreis

Kommentare