Schwimmen

DLRG beweist auch ohne Wasser Moral

Martin Sinkwitz (v. l.), Anke Korten, Stefan Voos, Wolfgang Sinkwitz und Thorsten Wiedelmann präsentieren das rundum erneuerte Vereinsheim. Und sehnen die Öffnung der Schwimmhallen für die Ausbildung im Wasser herbei. Fotos: Christian Beier
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Martin Sinkwitz (v. l.), Anke Korten, Stefan Voos, Wolfgang Sinkwitz und Thorsten Wiedelmann präsentieren das rundum erneuerte Vereinsheim. Und sehnen die Öffnung der Schwimmhallen für die Ausbildung im Wasser herbei.

Serie: Wir beschäftigen uns mit den Pandemie-Folgen für die Sportvereine

Solingen. Der Bezirk Solingen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft durchlebt derzeit ein Wechselbad der Gefühle. Da ist zum einen die beeindruckende Aufwertung des Vereinsheims an der Schützenstraße, aber da sind eben auch die Konsequenzen durch die Pandemie – wodurch alles, was mit Schwimmen zu tun hat, besonders hart getroffen ist. „Wir können gar nichts anbieten“, stellt Bezirksleiterin Anke Korten fest und erkennt einen Rückschlag im Rahmen der jahrelang guten Arbeit, die durch einen entsprechenden Mitgliederzuwachs honoriert wurde.

Die Corona-Folgen: All das, was zu den Aufgaben der DLRG zählt, war im Lockdown seit Ende Oktober nicht mehr möglich. „Wir decken dabei eine ganze Bandbreite in der Ausbildung ab“, sagt der hierfür an erster Stelle stehende Martin Sinkwitz – so geht es natürlich um die Schwimmausbildung von Kindern und Jugendlichen, aber auch von Erwachsenen oder Flüchtlingen. „Wir gehören zu den Integrationsvereinen in Solingen“, unterstreicht Einsatzleiter Stefan Voos das große gesellschaftliche Engagement. Aber auch die Aus- und Weiterbildung von Rettungsschwimmern, Lehrkräften, Feuerwehrleuten, Polizisten und anderen ist derzeit nicht möglich.

In Verbindung mit dem ersten Lockdown ist man praktisch seit 14 Monaten zum Nichtstun im und am Becken verurteilt. „Wir vertrösten die Eltern und hoffen, bald wieder Schwimmkurse für Anfänger anbieten zu können“, blickt Korten zuversichtlich auf das vom Sportbund mitgetragene Konzept, die Sommerferien für eine umfangreiche Ausbildung zu nutzen.

Die Nöte: Bädergesellschaft, Ortsverband Solinger Schwimmer und Vereine koordinieren die interne Umsetzung des schwimmsportlichen Angebots, das auch vom Wegfall von Wasserfläche geprägt ist. Birker Bad, Sauerbreystraße, Halfeshof, Uhlandstraße – die Bäderschließungen haben bittere Folgen. „In Solingen ist die Situation beim Verhältnis von Einwohnern zur Wasserfläche katastrophal“, mahnt Voos mehr denn je, an die Kinder zu denken. So sind über 60 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer. Aktionen wie „NRW kann schwimmen“ seien in diesem Zusammenhang enorm bedeutsam.

Wir sind für alles startklar und verfügen über entsprechende Konzepte.

Martin Sinkwitz, Ausbildungsleiter

Das Förderprogramm: Wie andere Solinger Sportvereine, so kam auch die DLRG in den Genuss der landesweiten Unterstützung im Rahmen von „Moderne Sportstätte 2022“. 68 643 Euro betrug der Zuschuss aus der NRW-Staatskanzlei, zehn Prozent mussten aus der eigenen Kasse draufgesattelt werden. Das Investment kann sich sehen lassen: Dachsanierung, Fassadendämmung, Möglichkeiten der Verdunkelung, Heizungsmodernisierung – die Maßnahmen im Gebäude mit einer Nutzfläche von 200 Quadratmetern waren vielfältig, zumal noch Kleinigkeiten bei der Ausrüstung hinzukamen. Und damit war rund um die 2016 mittels Rücklagen erworbene Immobilie immer noch nicht Schluss. Außerhalb des Förderprogramms wurden der Kanal saniert und der Hof bearbeitet. „35 Mitglieder haben rund 1000 Stunden ehrenamtlich eingebracht, das zeichnet uns aus“, gibt Geschäftsführer Wolfgang Sinkwitz die gute Moral samt tatkräftiger Hilfe wieder.

DLRG: Aktiventreffen, Ehrungen oder Weihnachtsbasteln mussten ausfallen

Die Angebote: Zumindest etwas an Aktivitäten im Wasser war im Sommer 2020 möglich. Im Freibad Ittertal fand unter Anleitung freies Schwimmen für die Mitglieder statt, um diese einigermaßen in Form zu halten. „Da geht es auch darum, zu zeigen, wir sind noch da“, meint Thorsten Wiedelmann, dessen Verein im Ittertal auch den Wachdienst übernimmt. Dann ist man durchaus näher dran an einem Küsten-Einsatz-Szenario, zählt der Wasserrettungsdienst doch zu den Kernkompetenzen. Auch beim beliebten „Sport im Park“ ist die DLRG mit von der Partie, bietet Übungen an, die an Bewegungen im Wasser heranführen sollen. Auf Online-Angebote hat man verzichtet, die Materie lässt es nicht sinnvoll erscheinen.

Auf viele andere Dinge musste zudem verzichtet werden: auf das Aktiventreffen der Jugend, sogar mal mit Übernachtung; auf Aktivitäten an Ostern; aufs Weihnachtsbasteln; auf das gemeinsame Kochen an Montagen zur Stärkung des Gemeinschaftssinns außerhalb der Schwimmhalle. Online musste die Bezirkstagung durchgeführt werden. August Reichert wurde für 50 Jahre, Tobias Stöber für 25 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Ein besonderer Dank ging an Anna Müller sowie Annika Funke, die dem Vorstand nicht mehr zur Verfügung stehen.

Ausbildungsleiter Martin Sinkwitz (l.) stellt hier die Rettung eines „Verunglückten“ nach, in dem er ihn an Land zieht.

Die Zukunft: Das Team ist ehrgeizig, um wieder bald auf vollen Touren agieren zu können. „Wir sind für alles startklar und verfügen über entsprechende Konzepte“, geben sich Martin Sinkwitz und Kollegen zuversichtlich. Verständlich, denn das Interesse an der Schwimmausbildung ist riesig – für die allesamt ehrenamtlich arbeitenden Solinger bedeutet dies, die Liste an Anmeldungen abzuarbeiten. Erfreulich in diesem Zusammenhang: Samstags verfügt die DLRG nunmehr über zusätzliche Kapazitäten im Klingenbad, nachdem andere Vereine diese überlassen haben.

Gerade im Zeichen des Ehrenamts mit seiner notwendigen langfristigen Motivation ist die Ausbildung des Nachwuchses wichtig, bleibt dieser doch nach dem Seepferdchen möglichst im Verein und stärkt somit die Basis. Die DLRG freut sich folgerichtig sehr, wenn wieder ihre Erste-Hilfe-Ausbildung inklusive des Schwimmunterrichts möglich ist. Dann kehrt auch wieder die Normalität rund ums Vereinsheim an der Schützenstraße ein. „Wir haben noch nicht mal unseren Nachbarn Danke für ihr Verständnis während unserer Arbeiten sagen können“, erklärt Stefan Voos für sein intaktes Vorstandsteam, das ein kleines Grillfest dann in Aussicht stellt, wenn die Pandemie als größter Zwischenfall in der Vereinshistorie ihre Wirkung verloren hat.

Der Verein

Vorstand: In der Verantwortung stehen neun Personen: Wolfgang Sinkwitz (Geschäftsführer), Anke Korten (Bezirksleiterin), Claudia Ley (stellvertretende Bezirksleiterin), Dagmar Berger (Schatzmeisterin), Martin Sinkwitz (Leiter Ausbildung), Axel Schulz (stellvertretender Leiter Ausbildung), Stefan Voos (Leiter Einsatz), Christian Rempel (stellvertretender Leiter Einsatz) sowie Thorsten Wiedelmann (Leiter Verbandskommunikation).

Größe: Die Zahl der Mitglieder belief sich im vergangenen Jahr auf 515, zuletzt ging es bei moderaten, unveränderten Beiträgen unter die 500er-Marke.

Motto: Der Sicherheit im Wasser hat sich die DLRG vielfältig verschrieben. 2020 starben in Deutschland 378 Menschen durch Ertrinken.

Kontakt: Der Verein ist auf Facebook und Instagram vertreten – Homepage:

www.solingen.dlrg.de

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