Handball

Der Sonnenschein kämpft gegen Wolken an

Im Kraftraum des HSV schuftet Lucy Jörgens fast täglich für ihr Comeback. Speziell der rechte Arm muss trainiert werden. Foto: Fabian Herzog
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Im Kraftraum des HSV schuftet Lucy Jörgens fast täglich für ihr Comeback. Speziell der rechte Arm muss trainiert werden.

Die noch verletzte Handballerin Lucy Jörgens will beim Zweitligisten HSV Solingen-Gräfrath Fuß fassen.

Von Fabian Herzog

Solingen. Sie verfügt über ein positives Gemüt. Ist eine Frohnatur. Ihre Trainerin Kerstin Reckenthäler geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt: „Sie ist unser Sonnenschein.“ Gemeint ist Lucy Jörgens, 19-jährige Handballerin des Zweitligisten HSV Solingen-Gräfrath, der so schnell eigentlich nichts die Laune verdirbt. Doch beim Sommer-Neuzugang des aktuellen Spitzenreiters sind – um im Bild zu bleiben – erstmals in ihrer steil verlaufenden Karriere ein paar dunkle Wolken aufgezogen. Denn während ihre neuen Teamkolleginnen so furios die 2. Liga aufmischen, muss die Burscheiderin verletzt zuschauen. Ein Innenbandriss im Ellenbogen setzt sie im Prinzip seit ihrem Wechsel außer Gefecht. „Das ist schon schlimm“, sagt Jörgens.

Sie lächelt zwar dabei. Aber ihr ist anzumerken, wie schwer ihr die erste ernstzunehmende Verletzung ihrer Zeit als Handballerin zu schaffen macht. Statt am Mannschaftstraining teilzunehmen, schuftet sie im Kraftraum nebenan. Statt mit dem Team um Punkte zu kämpfen, sitzt sie Daumen drückend auf der Tribüne. „Ich hoffe“, sagt die Rechtshänderin, „dass ich Ende des Monats wieder ins richtige Training einsteigen kann.“

Rückblick: Anfang Juni steigt in Leipzig das Final Four der Deutschen A-Jugend-Meisterschaft. Beim TSV Bayer Leverkusen ist Jörgens auf der zentralen Rückraumposition eigentlich nicht gesetzt. Selbst als Stamm-Spielmacherin Sophia Cormann mit einer Handverletzung ausfällt, bekommt zunächst die Halbrechte Louisa Gerke den Vorzug.

Doch nach zehn Minuten des Halbfinals übernimmt Jörgens das Zepter, spielt ein überragendes Turnier, wird Torschützenkönig, als beste Spielerin ausgezeichnet und verliert mit Bayer das Finale denkbar knapp mit 21:22. „Das ganze Final Four war ein absolutes Gänsehauterlebnis“, erinnert sie sich.

Das Trikot ihrer neuen Mannschaft steht ihr. Für ein Spiel konnte Lucy Jörgens es allerdings noch nicht überstreifen.

Dass die Burscheiderin bis zum Schluss auf der Platte stand, ist rückblickend allerdings fast schon ein Wunder. Denn noch in der ersten Halbzeit des Endspiels zog sie sich die folgenschwere Verletzung zu. „Bei einem Schlagwurf ist es passiert“, erzählt die Handballerin, die sich kaum einen schlechteren Moment für ihren ersten langfristigen Ausfall hätte aussuchen können. Denn schon kurz vor dem Final Four hatte sie bei den Gräfratherinnen zugesagt, um den Sprung aus der Jugend zu den Senioren zu vollziehen. „Ich hatte auch ein Angebot des BHC und hab mir Beyeröhde angeguckt. Aber beim HSV hatte ich das beste Gefühl.“

Das ganze Final Four war ein absolutes Gänsehauterlebnis.

Lucy Jörgens, Handballtalent aus Burscheid

Einer, wenn nicht sogar der entscheidende Faktor war Reckenthäler. „Sie ist eine tolle Trainerin“, findet Lucy Jörgens. „Unter ihr kann ich mich optimal weiterentwickeln.“ Wobei es durchaus Differenzen in der bevorzugten Position gibt. Die 19-Jährige fühlt sich im Rückraum am wohlsten, verpflichtet wurde sie aber zunächst einmal für Linksaußen. „Ich bin halt ein bisschen klein“, sagt Jörgens mit einem schelmischen Grinsen. 1,65 Meter sind tatsächlich nicht das Gardemaß für den Rückraum. „Da hat sie es im Final Four aber gut gemacht“, lobt Kerstin Reckenthäler, die den Weg der Burscheiderin seit Jahren beobachtet hat. „Ich kenne sie als kleines Dötzchen“, erzählt die Trainerin, die in Leverkusen schon Lucys ältere Schwester Jenny Jörgens unter ihren Fittichen hatte.

Von dem bislang größtenteils verhinderten Neuzugang ist Reckenthäler begeistert: „Sie ist immer beim Training, übernimmt viele Aufgaben und bringt sich ein. Ich freue mich darauf, wenn sie richtig einsteigen kann.“ Auch dies beruht wenig überraschend auf Gegenseitigkeit. Lucy Jörgens brennt darauf, ihr Zweitligadebüt zu feiern und auch auf der Platte zum Team zu gehören. Voll integriert ist sie schon jetzt. „Ich bin super aufgenommen worden und fühle mich sehr wohl“, erzählt die junge Burscheiderin.

Dazu gehörte auch ein spaßiges Aufnahmeritual der Neuzugänge in der Vorbereitung. Bei einem Mannschaftsabend mussten diese in Anlehnung an die Streaming-Serie „Last One Laughing“ etwas aufführen, durften dabei aber nicht lachen. „Natürlich habe ich verloren“, sagt Lucy Jörgens. Sie ist und bleibt eben eine Frohnatur.

Lucy Jörgens

Sportliche Vita: Mit vier Jahren bei den Panthern unter Mutter Angelika als Trainerin angefangen, wechselte Lucy Jörgens in der B-Jugend mit Zweitspielrecht nach Leverkusen. Zeitgleich rückte sie in die 1. Mannschaft der Panther auf, um eine Saison in der Oberliga an der Seite ihrer Schwester zu spielen. „Das wollten wir immer schon“, erzählt sie. „Egal in welcher Liga.“ Ab der A-Jugend lief sie nur noch für Bayer in der 3. Liga und Nachwuchs-Bundesliga auf.

Auswahl: Dem Team des Handball-Verbandes Niederrhein gehörte Jörgens Jahr für Jahr an. Aber nur einmal wurde sie zu einer DHB-Sichtung eingeladen. Nach ihrer starken Entwicklung hätte sie nun an einem Lehrgang der U20 teilnehmen können, musste aber absagen. „Ich hoffe, dass ich dann im November dabei bin.“

Ausbildung: Auf dem Landrat-Lucas-Gymnasium in Leverkusen machte sie in 2020 das Abitur. Anschließend folgte ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Martin-Buber-Förderschule in Witzhelden. Mittlerweile studiert Jörgens an der Spoho in Köln Sonderpädagogik.

Schwester: Jenny Jörgens gehörte von 2012 bis 2015 dem Bundesligakader von Bayer Leverkusen an, wechselte dann für zwei Saisons in die 2. Liga nach Beyeröhde und anschließend zu den Bergischen Panthern. Mittlerweile hat sie ihre Karriere beendet.

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