Mein Blick auf die Woche im Sport in Solingen

Solingen bleibt eine hervorragende Adresse im Schach

thomas.rademacher @solinger-tageblatt.de
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Bundesliga und hervorragende Nachwuchsarbeit, doch die Anerkennung für einen solchen Erfolg der SG bleibt aus - beim Fußball wäre das anders, kritisiert ST-Sportredakteur Thomas Rademacher.

Solingen. Klar, Schach ist nicht die Sportart, die Publikum in die Arenen lockt. Die Spieler sehnen sich nicht nach Fans, die Krach machen und anfeuern. Sie wollen Ruhe. Es handelt sich weniger um eine körperliche als eine mentale Belastung. Die Helden des berühmtesten Denksports der Welt genießen zwar große Anerkennung, da jeder weiß, wie komplex das kulturell auf dem gesamten Erdball tief verankerte Spiel ist, doch verfolgt werden die Wettkämpfe überwiegend innerhalb der Schachszene, die zudem die wahre Klasse einzelner Züge oder Partien einordnen kann. Einfach formuliert: Der Laie erkennt zwar einen grandiosen Treffer im Fußball, nicht aber die Genialität des 13-jährigen Bobby Fischers im 1956 zur Partie des Jahrhunderts erklärten Duell gegen Donald Byrne.

Im Schach ist zwar nicht so viel Geld im Spiel wie im Millionen-Geschäft Fußball, doch die Profis verdienen ausschließlich ihren Lebensunterhalt damit und bereisen für Spitzenturniere viele Länder. In der Bundesliga, einem Mannschaftswettkampf, war die Schachgesellschaft Solingen lange Rekordmeister. Nach dem Gewinn ihrer zwölften Meisterschaft 2016 übernahm zwar die seit vielen Jahren dominante OSG Baden-Baden den Titel des Rekordmeisters, doch die SG ist nach wie vor eine Topadresse auf höchstem deutschen Level. Aktuell belegt die Mannschaft mit 7:1-Punkten den fünften Platz. Wenn es gut läuft, ist ihr eine Endposition in der Top-Drei zuzutrauen.

Freilich ist die erste Mannschaft das Aushängeschild des Solinger Vereins, doch die SG betreibt eine ebenso akribische Arbeit im gesamten Unterbau. Die Reserve tritt in der 2. Bundesliga an, die Frauen haben am vorigen Wochenende ihren zweiten Aufstieg in Folge geschafft und treten damit künftig ebenfalls im Oberhaus an. Dazu wurden die Mädchen des Gymnasium Schwertstraße, die alle bei der Schachgesellschaft aktiv sind, mit einer Fabelleistung NRW-Meister und treten bald in Berlin zum Bundesfinale an.

Es ist großartig, wie Vorsitzender Oliver Kniest den Verein seit vielen Jahren mit ruhiger Hand leitet und ganz offenbar ein herausragendes Team um sich hat, das den Wechsel Richtung Solingen attraktiv macht. Die Schwertstraße-Mädchen kommen zwar aus der Klingenstadt, aber auch andere Talente im weiblichen und männlichen Bereich schließen sich regelmäßig der SG an, um ihre sportliche Karriere zu fördern. In Alexander Krastev ist jetzt sogar der Jugend-Europameister für die Solinger am Brett. Man stelle sich einen Fußballverein in der Klingenstadt mit solchen Referenzen vor: 50 000 würden kommen. Beim Schach aber bleibt’s ruhig.

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