Baseball

Solingen Alligators beweisen den längeren Atem

Umkämpft und langatmig ging es den ganzen Tag am Schlag zu. Daniel Sanchez aber war mit sieben Treffern eine Macht. Foto: Mathias M. Lehmann
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Umkämpft und langatmig ging es den ganzen Tag am Schlag zu. Daniel Sanchez aber war mit sieben Treffern eine Macht.

Baseball-Bundesliga: Nach mehr als acht Stunden sind die Dortmund Wanderers mit 17:12 und 7:4 niedergerungen

Von Thomas Rademacher

Solingen. Es war im Dortmunder Hoeschpark schon dunkel geworden, als Wayne Ough den letzten Wurf der Begegnung abfeuerte. Jorge Martin nahm den Schwung, verfehlte den Ball, und die zweite Bundesliga-Partie des Tages ging mit 7:4 an die Solingen Alligators. Damit endete einer der intensivsten Baseball-Spieltage in der Solinger Vereinshistorie – was auch daran lag, dass in vielen anderen Spielstätten die Begegnung mangels Flutlicht nicht mehr durchgezogen worden wäre. Das erste Duell hatte mehr als fünf Stunden gedauert und wurde ebenfalls durch ein Happy-End für die Alligators gekrönt: In einem wilden Spiel hieß es gegen die Dortmund Wanderers 17:12.

Das war wie in der Busch-Liga.

Nils Hartkopf, Alligators-Routinier

Die beiden Bundesligisten lieferten sich ein Aufeinandertreffen, das Zuschauer auf der Anlage verdient gehabt hätte. So durften die Freunde des amerikanischen Volkssports im von den Alligators auf die Beine gestellten Livestream insgesamt 50 Treffer und sieben Homeruns bewundern – fünf davon gingen auf das Konto der Solinger.

„Es war einer der anstrengendsten Baseball-Tage, die ich je erlebt habe“, sagt der seit 2003 in der Bundesliga aktive Nils Hartkopf. „Die Intensität der Spiele und das Wetter haben ihren Teil dazu beigetragen. Aber vor allem mental war es eine Herausforderung.“ Die gute Vorbereitung zahlte sich aus.

Solingen Alligators und Dortmund Wanderers: Störungen und verbale Gefechte

Die Stimmung auf dem Feld war nämlich angespannt. Die Alligators ließen sich zunächst auf verbale Auseinandersetzungen mit den Dortmundern ein. „Da wurde dann auch von außen hereingerufen, wenn unsere Werfer den Ball ins Spiel gebracht haben. Das war wie in der Busch-Liga. Sowas macht man einfach nicht“, ärgerte sich Hartkopf. „Wir waren mental nicht immer im Spiel, weil wir uns davon haben ablenken lassen. Es ging erst besser, als Wayne Ough uns eine entsprechende Ansage gemacht hat.“

Der Coach appellierte an die Konzentration. „Und ich bin sehr zufrieden, wie die Mannschaft dann mit der Situation umgegangen ist“, lobte Ough, der vor allem mit der offensiven Ausbeute zufrieden sein durfte. Im ersten Spiel gingen die Solinger 7:0 durch Treffer von Lars Szameitpreuss, Daniel Sanchez, Jake MacDonald und einen Homerun von Brandt Holland in Front.

Sie ließen sich auch nicht aus dem Konzept bringen, als Werfer Giovanni Tensen in Probleme geriet, und die Dortmunder plötzlich zum 9:9 ausglichen. „Es hat uns den ganzen Tag stark gemacht, dass wir am Schlag immer eine Antwort hatten“, fand Hartkopf.

Alligators haben in der Verlängerung klar die Nase vorn

Holland, Marc-Aurel Voss per Homerun und Sanchez besorgten das 12:9, das die Gastgeber in letzter Sekunde durch zwei Homeruns erneut ausglichen. Mit psychologischem Vorteil gingen die Dortmunder in die Verlängerung, hatten aber klar das Nachsehen. Die Alligators punkteten gleich fünffach zum 17:12-Sieg. Auf dem Wurfhügel brachte Sanchez, der im neunten Durchgang noch den Ausgleich kassiert hatte, die Partie stark zu Ende.

Intensiv ging es auch im zweiten Duell zu. Tom Adler hielt drei Durchgänge als Werfer durch, bevor Ough sich bei einem 3:4-Rückstand erneut selbst einwechselte und die Partie ohne weiteren Gegenpunkt zu Ende brachte. Offensiv war auf die Klingenstädter ein Mal mehr Verlass. Holland, Voss und Dustin Hughes schlugen die Kugel über den Zaun, Sanchez traf fast nach Belieben. Das 7:4 war Formsache.

Die Stimmung aber blieb explosiv. Jake MacDonald musste nach einer Kollision ausgewechselt werden, und die Wanderers trafen nach einer Diskussion mit dem Schiedsrichter genau diesen mit einem Wurf an der Hand. Der Unparteiische krümmte sich vor Schmerz – die Frage, ob der Dortmunder Catcher die Kugel nicht einfach locker hätte fangen können, stand im Raum wie der sprichwörtliche Elefant.

Rund um die Alligators

Ausblick: Am kommenden Sonntag bestreiten die in dieser Saison ungeschlagenen Alligators bereits ihre Partien fünf und sechs. Zu Gast am Weyersberg sind die Bonn Capitals, die ihre ersten beiden Pflichtspiele bestreiten. Sie sind Topfavorit der Nordgruppe.

Zugang: Trainer Wayne Ough hat in Dortmund womöglich zum letzten Mal selbst auf dem Wurfhügel gestanden. Am Mittwoch fliegen die Solingen Alligators einen neuen Pitcher aus den USA ein. Dieser soll künftig eine tragende Rolle einnehmen.

Meinung von Thomas Rademacher: Ein Auftakt nach Maß

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Vier Spiele, vier Siege: Die Solingen Alligators sind mit einer perfekten Ausbeute in die Bundesliga-Saison gestartet. Die Baseballer überzeugen bisher mit einer durch die Bank famosen Schlagleistung, die von Zugang Brandt Holland noch getoppt wird: Der US-Amerikaner ist offensiv einer der beeindruckendsten Spieler, die der Verein je in seinen Reihen hatte.

In Dortmund schlug er einen Ball mit solch roher Gewalt aus dem Stadion, dass er nicht einmal lossprinten musste. Er konnte der Kugel genüsslich hinterherschauen und entspannt um die Bases joggen. Wenn die neue Werfer-Verpflichtung auch so ein Volltreffer ist, könnte die Truppe sogar ganz oben mitmischen.

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