Leichtathletik

SLC-Ass Kremser atmet WM-Luft in den USA

Maximilian Kremser in Berlin, wo er das WM-Ticket löste.
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Maximilian Kremser in Berlin, wo er das WM-Ticket löste.

Der 22-jährige Solinger ist über 400 Meter Ersatzläufer der deutschen Staffel.

Von Daniel Bernards

Voller Vorfreude wird sich der Solinger Leichtathlet Maximilian Kremser an diesem Donnerstag auf eine lange Flugreise machen. Elf Stunden wird es dauern, bis der 22-jährige SLC-Athlet San Francisco erreicht hat, um dann noch knapp eineinhalb Stunden in die Leichtathletik-Hochburg Eugene im Bundesstaat Oregon weiterzufliegen. Dort finden ab Freitag die Leichtathletik-Weltmeisterschaften statt – und Maximilian Kremser gehört dem deutschen Team als Ersatzläufer der 4-mal-400-Meter-Staffel an.

„Der Plan fürs Studium steht.“

Max Kremser zu Alaska-Zukunft

Voraussetzung, dass der diesjährige Deutsche Hochschulmeister als erster Solinger Leichtathlet überhaupt zur WM der Erwachsenen fahren darf, war eine Punktlandung zuletzt bei den nationalen Titelkämpfen in Berlin. Von Anfang an war klar, dass die dort schnellsten sechs Läufer als Staffelläufer in die USA mitgenommen werden. Und Max Kremser hatte dieses Ziel im Hinterkopf: „Ich wusste, dass ich in guter Form das Finale erreichen kann. Und dann musste ich ja nur noch zwei Läufer hinter mir lassen“, erzählt der künftige WM-Teilnehmer bei einer seiner letzten Trainingseinheiten auf der heimischen Herbert-Schade-Anlage.

Gleich zwei persönliche Bestleistungen lieferte der Athlet im Olympiastadion ab, was ihm bei seinem „stolzen“ SLC-Trainer Detlef Steigerwald Respekt einbringt: „Max ist dieses Jahr die 400 Meter nur drei Mal gelaufen und jedes Mal kam eine Bestleistung heraus. Das muss man erst mal so bringen“, lobt er die Zielgenauigkeit seines Athleten.

Und dennoch: Ein Einsatz des Solinger Leichtathleten bei den Staffelläufen am 23. Juli erscheint eher unwahrscheinlich. „Da müssten ja gleich zwei Läufer ausfallen“, erklärt dieser. Auch die Chancen der deutschen Staffel bei einer Weltmeisterschaft stuft Kremser als gering ein: „Man darf sich von Platz drei in der Weltrangliste nicht täuschen lassen. Das Finale zu erreichen, wäre bereits eine tolle Sache.“

Anders sehe es bei der Heim-Europameisterschaft in München aus, für die der Solinger ebenfalls nominiert wurde. Hier habe die deutsche Staffel durchaus Medaillenchancen. Bei dann zwei Läufen bei den zweiten diesjährigen internationalen Meisterschaften (15. bis 21. August) würden sich zudem auch seine Einsatzchancen erhöhen.

Doch damit nicht genug in einem mehr als aufregenden Sommer: Denn nur wenige Tage nach der EM plant Maximilian Kremser die Auswanderung. Wieder soll es in die USA gehen, zum Studium (construction management) nach Anchorage, der größten Stadt in Alaska. Dafür fehle zwar noch das nötige Visum, ansonsten seien die Vorbereitungen für den Sprung über den großen Teich und zur University of Alaska Anchorage im vollen Gange: „Der Plan steht“, lächelt der klasse Sportler vor sich hin. Die Affinität zu den USA, das Interesse für das Studium, es ähnelt dem hiesigen Studium des Bauingenieurwesens, stellen die eine Seite da – die anderen seien das Trainings- und Förderungssystem der US-amerikanischen Colleges, das auf der Welt seinesgleichen suche. Allein die Leichtathletik-Halle der knapp 300 000 Einwohner zählenden Stadt sei einzigartig, „die größte der Welt mit einer Laufbahn über 400 Meter.“ In der Regel finden sich in Hallen nur Laufbahnen über 200 Meter.

Zudem gebe es durchgängig Wettkämpfe mit der College-Mannschaft, mehr und häufiger als in Deutschland. Die Sommermonate wolle er sich festhalten für die großen Meisterschaften in Deutschland, dann weiter im Trikot des Solinger Leichtathletik-Clubs.

Falls das Visum rechtzeitig kommt, wird Detlef Steigerwald nicht nur die fast tägliche Trainingsarbeit mit seinem erfolgreichsten Athleten der letzten Jahre vermissen: „Max ist ein sportliches Zugpferd des Vereins geworden.“ Der Athlet selber werde neben dem langjährigen Heimtrainer auch eine lieb gewonnene Trainingsgruppe verlieren: „Ich habe hier immer gerne trainiert und verlasse die Gruppe nur ungern.“

Max Kremser

Alter: 22 Jahre

Bestleistung: 46,74 Sekunden (gelaufen am 24. Juni 2022 in Berlin)

Größte Erfolge: Rang sechs bei der DM der Erwachsenen 2022; Deutscher Hochschulmeister 2022; Deutscher Jugendmeister U18 2017 (alles über die 400 Meter)

Passend zum Thema: Luca Vogel verpasst die „Deutsche“

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