Leichtathletik

SLC-Ass erlebt spannende Alaska-Zeit

Juni 2022: Maximilian Kremser beim deutschen Finale über die Stadionrunde in Berlin.
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Juni 2022: Maximilian Kremser beim deutschen Finale über die Stadionrunde in Berlin.

Maximilian Kremser fehlen nur Freunde, Familie und die deutschen Supermärkte.

Von Daniel Bernards

Maximilian Kremser hatte die dreieinhalbwöchige Auszeit kürzlich sichtlich genossen. Endlich wieder in Solingen lebende Freunde und Familie sehen, mal wieder beim Training des Stammvereins SLC auf dem Schaberg vorbei schauen und die Zeit haben, ein mehr als aufregendes Jahr Revue passieren zu lassen.

Seit September lebt der 22-jährige Klingenstädter in Anchorage auf dem Campus, studiert dort Construction Management und gehört vor allem dem Leichtathletik-College-Team an. Seitdem der DM-Sechste über 400 Meter des vergangenen Jahres den Sprung über den großen Teich gewagt hat, scheint sein Sport noch einmal an persönlicher Bedeutung zugelegt zu haben, zumal ihn die University of Alaska praktisch als Experte der Stadionrunde „eingekauft“ hat, Studiengebühren und Miete übernimmt.

„Das Klima der Gruppe ist gut.“

Maximilian Kremser

Max Kremser teilt sich dabei eine klassische Sportler-Wohngemeinschaft auf dem Campus, die, wie er berichtet, „nur selten verlassen wird“: Mit ihm leben der deutsche Hürdensprinter Joshua Wagner und ein jamaikanischer Sprinter. WG-Sprache: „Mal Englisch, mal Deutsch – aber nur dann, wenn ich mit Joshua alleine bin.“ Überhaupt sei die Verständigung in englischer Sprache nach anfänglicher Eingewöhnungszeit kein Problem mehr: „Da kommt man schnell rein.“

Während Vorlesungen und Seminare, eben alles in englischer Sprache, am Nachmittag stattfinden, gehört der Vormittag eines jeden Wochentages dem Sport. Maximilian Kremser ist dann Teil der 25-köpfigen, internationalen Leichtathletik-Mannschaft seiner Universität, zu der mit der Mehrkämpferin Carlotta Dünninger und der Hürdenläuferin Leonie Flad noch zwei weitere „Landsfrauen“ gehören. Besonderes Schmankerl für den aktuellen Deutschen Hochschulmeister im Freien, dem aufgrund seiner Größe das Laufen in den engeren Hallenkurven so gar nicht behagt: Anchorage verfügt über die weltweit einzige 400-Meter-Bahn in der Halle – üblich sind, wie in Deutschland, Hallen mit einer 200-Meter-Bahn. Auch ansonsten habe er sich schnell eingelebt, erzählt der immer noch dem SLC zugehörige Leichtathlet: „Das Klima der Gruppe ist gut.“

In wenigen Tagen beginnt dann ein hartes Wettkampfprogramm, regelmäßig wird er alle zwei Wochen für das College-Team starten, das in den USA den Vereinssport nahezu ersetzt. Erste Höhepunkte seien die „Nationals“ am 10. März und später dann im Mai die College-Meisterschaften der Freiluftsaison, für die sich der Solinger jeweils qualifizieren muss. Und deren Niveau es in sich hat: „Zeiten unter 44 Sekunden über die 400 Meter sind keine Seltenheit – im vergangenen Jahr waren die Leistungen der Sieger dieser Titelkämpfe schneller als die des Weltmeisters.“ Zum Vergleich: Max Kremsers Bestzeit liegt (noch) bei 46,74 Sekunden, aufgestellt bei den Deutschen Meisterschaften des vergangenen Jahres, die im Berliner Olympiastadion mit Rang sechs abgeschlossen wurden.

Nationale Titelkämpfe und die heimischen Wettkämpfe bleiben weiterhin im Fokus: „Wenn ich nach der College-Saison noch Kraft habe, greife ich im Juni und Juli hier wieder an.“ Neben den nationalen Titelkämpfen habe er auch die Weltmeisterschaften in Budapest im Auge, nachdem er als WM-Teilnehmer bei den letztjährigen Wettkämpfen in Eugene/USA bereits Blut lecken konnte. Noch eine Stufe darüber seien die Olympischen Spiele 2024 in Paris – „zumindest als Mitglied der Staffel“. Für einen Einzelstart hieße es, eine Zeit unter 45 Sekunden hinzulegen.

Die Grundlagen für diese ehrgeizigen Ziele werden demnächst wieder in der im Winter verschneiten Hauptstadt Alaskas gelegt. Dort stört sich Maximilian Kremser eigentlich nur an den Einkaufsbedingungen: „Ich vermisse die deutschen Supermärkte. Die in den USA sind mir zu groß, zumal man dort, einschließlich Waffen, gefühlt alles kaufen kann.“

Die Heim-EM

Maximilian Kremser (hinten, 6. v. r.) kommt in seiner College-Trainingsgruppe bestens klar.

Zum aufregenden Jahr 2022 gehörte auch die Nicht-Nominierung Maximilian Kremsers für die Heim-Europameisterschaften in München. Eigentlich erfüllte der 400-Meter-Läufer die internen Vorgaben einschließlich des erforderlichen Ergebnisses bei einem Qualifikationswettkampf in Bochum-Wattenscheid. Vorgezogen und nominiert wurde dann ein älterer Läufer mit besserer Saisonbestleistung, der aber in Wattenscheid gar nicht gestartet war und ansonsten vom Solinger in der Saison immer geschlagen wurde. „Mir hat der Bundestrainer das erklärt, verstanden habe ich seine Argumentation nicht ganz“. Ein Groll bleibe beim SLCer aber nicht: „Solche Enttäuschungen gehören dazu. Auch daran wächst man.“

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