Schach

SG trifft zum Auftakt auf ihren Angstgegner

Pentala Harikrishna tritt auch in dieser Saison am Spitzenbrett für die Schachgesellschaft Solingen an. Ob der formstarke Inder am Wochenende dabei ist, möchte SG-Chef Oliver Kniest allerdings noch nicht verraten.
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Pentala Harikrishna tritt auch in dieser Saison am Spitzenbrett für die Schachgesellschaft Solingen an. Ob der formstarke Inder am Wochenende dabei ist, möchte SG-Chef Oliver Kniest allerdings noch nicht verraten.

Schach-Bundesliga: In Kirchweyhe geht es am Wochenende gegen den gastgebenden Aufsteiger und Werder Bremen.

Von Thomas Rademacher

Für die Schachgesellschaft Solingen beginnt die neue Saison in der Bundesliga mit zwei richtungsweisenden Partien. „Es ist wirklich alles drin“, sagt Oliver Kniest. „4:0-Punkte sind genauso möglich wie 0:4.“ Lieber wäre dem SG-Vorsitzenden freilich das erste Ergebnis – nicht nur, weil die Klingenstädter damit in der neuen Spielzeit gleich im ruhigen Fahrwasser wären, sondern auch, weil sie damit eine böse Serie beenden würden. Gegen Werder Bremen, den Kontrahenten am Sonntag (10 Uhr), hat die Mannschaft zuletzt drei Mal in Folge mit 3,5:4,5 verloren. Zuvor steht am Samstag (14 Uhr) das Duell gegen Aufsteiger SK Kirchweyhe an.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir den Titel holen, ist etwa so hoch, wie die Chance, dass Union Berlin die Fußball-Bundesliga gewinnt.

Oliver Kniest, SG-Vorsitzender

„Ich rechne allerdings nicht damit, dass Kirchweyhe wieder absteigt. Die Mannschaft ist mit vielen Großmeistern stark besetzt und kann an guten Tagen gegen die meisten Gegner in der Bundesliga bestehen“, ist Kniest überzeugt. Zahlreiche Kroaten und Serben mit ELO-Zahlen – das ist der Wert, der die Stärke eines Schachspielers neutral widerspiegelt – in 2500er-Regionen tummeln sich im Team des Aufsteigers, der am Wochenende auch Gastgeber ist. Zum Vergleich: Die SG hat in Pentala Harikrishna einen Spieler mit einem ELO-Wert von 2716, und der Rest des Kernkaders steht mindestens über 2500, einige haben sogar mehr als 2600.

Nominell sind die Solinger also besser. „Und wir sind auch ordentlich aufgestellt“, sagt Kniest, der aus taktischen Gründen nicht die gesamte Nominierung verraten möchte. Doch Markus Ragger (ELO 2629), Mads Andersen (2597) und Alexander Naumann (2513) seien in jedem Fall dabei. Ob Harikrishna antritt, lässt Kniest offen, aber er wäre in seiner aktuellen Form eine gewaltige Verstärkung. Vor anderthalb Wochen hat der Inder gemeinsam mit Ragger den Schach-Europacup im österreichischen Mayrhofen gewonnen. Am Spitzenbrett des tschechischen Novy Bor Chess Clubs schlug der 36-Jährige unter anderem seinen Landsmann und Ex-Weltmeister Viswanathan Anand, was in der Heimat für mächtig Furore sorgte.

Erfahrung mit dem SK Kirchweyhe haben die Solinger bereits. „Im Pokal haben wir Anfang 2020 kurz vor dem Corona-Lockdown dort gespielt und 1,5:2,5 verloren. Das Team war damals schon ähnlich aufgestellt wie heute“, erinnert sich Kniest, der auf eine geglückte Revanche und damit einen Sieg des leichten Favoriten hofft.

Noch offener dürfte der Wettkampf am Sonntag gegen Werder Bremen sein. Nach den drei 3,5:4,5-Niederlagen in Serie dürfen sich die Hansestädter mit Fug und Recht als Solinger Angstgegner betrachten. „Die Mannschaft liegt uns offensichtlich einfach nicht. Und viel verändert hat sich in ihrem Kader – genau wie bei uns – auch nicht. Ich gehe daher fest davon aus, dass es an beiden Tagen sehr eng zugehen wird“, meint der SG-Chef.

4:0-Punkte wären ein Fabelstart, der die Ambitionen in dieser Saison erhöht. „Mit einem guten Auftakt ist eine Platzierung in der Top-Fünf drin“, weiß Kniest. Die Meisterschaft, die die Klingenstädter zuletzt 2016 gewannen und seitdem stets von der OSG Baden-Baden geholt wurde, sei allerdings kein Thema. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir den Titel holen, ist etwa so hoch, wie die Chance, dass Union Berlin die Fußball-Bundesliga gewinnt.“ Immerhin: Die Hauptstädter sind gerade Erster mit vier Punkten Vorsprung auf Abonnement-Meister Bayern München.

Bevor die SG überhaupt über solche Träume nachdenken kann, gilt es zunächst, gar nicht erst in den Abstiegskampf zu geraten. „Die Bundesliga ist in der Breite so stark besetzt wie lange nicht“, betont Kniest. Vier von 16 Teams steigen ab. Die Aufsteiger aus Schönaich und Deggendorf werden gewiss zu kämpfen haben. Weitere echte Außenseiter sind kaum auszumachen.

Hintergrund

Endrunde: In dieser Saison werden die finalen Wettkämpfe nicht zentral an einem Ort ausgetragen. So kommt es zum Kuriosum, dass die SG Solingen ihre Heimpartien erst an den letzten beiden Spieltagen am 29. und 30. April austragen. Zu Gast sind dann Dresden und Berlin. Wo genau die SG antritt, ist allerdings noch offen.

2. Mannschaft: Die Reserve startet ebenfalls an diesem Wochenende in die neue Zweitliga-Saison. In Neuwied treten die Solinger am Samstag (14 Uhr) gegen den SV Koblenz an, am Sonntag (10 Uhr) geht es gegen die Gastgeber.

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