Schach

SG Solingen: Das ist die besondere Kulisse beim Heimwettkampf

Mads Andersen (r.) gehört zu den stärksten Akteuren der SG Solingen. Am Wochenende gewann er doppelt und behält in der laufenden Saison eine perfekte Bilanz. Foto: Moritz Alex
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Mads Andersen (r.) gehört zu den stärksten Akteuren der SG Solingen. Am Wochenende gewann er doppelt und behält in der laufenden Saison eine perfekte Bilanz.

Schach-Bundesliga: Einem 7:1 gegen Kiel folgt dasselbe klare Ergebnis gegen den Hamburger SK. BHC verlegt extra seine Einheiten, um die Denksportler nicht zu stören.

Solingen. Gleich soll es losgehen im BHC-Leistungszentrum an der Kanalstraße. Dort, wo sich sonst die Handballprofis des Bergischen HC auf ihre Bundesliga-Begegnungen vorbereiten, bestreitet auf demselben Spiellevel in dieser Saison die Schachgesellschaft (SG) Solingen ihre beiden Heimwettkämpfe.

Doch kurz vor den Eröffnungszügen fehlen noch viele Spieler. „Das ist normal“, sagt SG-Vorsitzender Oliver Kniest. „Zwei Stunden vor Beginn werden die Mannschaftsaufstellungen bekanntgegeben. Dann beginnt die heiße Phase der Vorbereitung.“ Im Hotel gehen die Denksportler noch schnell die jüngsten Partien ihres jeweiligen Kontrahenten durch, um sich vielleicht den entscheidenden Vorteil zu verschaffen. Den Solingern gelingt dies bei ihren Heimauftritten in herausragender Form. Gegen den SK Doppelbauer Turm Kiel gewinnen sie 7:1, gegen den Hamburger SK wiederholt die Mannschaft dieses deutliche Resultat.

Kurz vor der Partie: Taxis fahren vor - mit dem ersten Zug herrscht absolute Ruhe

Fast hektisch wirken die Minuten vor den Partien. Taxis fahren vor, aus denen die Schachprofis steigen. Es ist ein Mix aus Anspannung und Kontrolliertheit mit dem die Spieler das Prozedere vor dem Start durchgehen. Reisetaschen werden verstaut, die im Schach streng verbotenen elektronischen Geräte weggesperrt, und schon geht es an die Bretter. „Bis zu 15 Minuten darf man zu spät kommen. Die Zugzeit läuft natürlich“, erläutert Kniest. Ganz so lange lässt aber doch niemand auf sich warten.

Mit Beginn der Partien ändert sich das Stimmungsbild noch einmal. Ist bei der Anreise zumindest noch das eine oder andere Lächeln auf den Gesichtern der Spieler und womöglich sogar etwas Smalltalk unter den Protagonisten zu erkennen gewesen, herrscht mit dem ersten Zug absolute Ruhe – zumindest, was die Aktiven betrifft.

Die Mannschaftsführer halten außerhalb des Saals schon noch den einen oder anderen Plausch, doch einen in der Partie befindlichen Schachspieler spricht niemand mehr an. „Über das laufende Spiel dürfen sie sich sowieso mit niemandem unterhalten“, sagt Reinhard Ahrens, Teamleiter des Hamburger SK. „Die meisten sind aber im Tunnel und gedanklich nur auf ihr Spiel fokussiert.“

Was nicht bedeutet, dass nicht viel Bewegung herrscht. SG-Spieler Markus Ragger zum Beispiel geht zwischendurch rauchen, Mannschaftskamerad Erwin L’Ami holt sich ein Heißgetränk, andere laufen einfach nur auf und ab, während es auch einige gibt, die das Brett gar nicht verlassen. „Da ist schon eine Menge Nervosität im Spiel“, weiß Kniest. „Jeder geht damit anders um.“

„Offensichtlich mag er es, an seinem Ehrentag anzutreten.“

Oliver Kniest, SG-Vorsitzender, über Jorden van Foreest

Grund zur Sorge muss die SG allerdings nicht haben, wie sich im Verlauf der Duelle herausstellt. Die Solinger treten in herausragender Besetzung an und bringen diesen Vorteil auch gegen die Tabellennachbarn auf die Ergebnistafel.

Gegen Kiel überzeugt die Mannschaft durch die Bank. Jorden van Foreest gewinnt an seinem Geburtstag. „Offensichtlich mag er es, an seinem Ehrentag anzutreten“, sagt Kniest. „Er war bis Donnerstag bei einem Turnier in Oslo und ist ab Dienstag in Malmö. Solingen liegt nicht gerade auf dem Weg.“ Der Niederländer siegt mit den weißen Figuren genau wie Aryan Tari, Max Warmerdam und Borki Predojevic.

Am Spitzenbrett setzt sich Pentala Harikrishna mit schwarz durch, gleiches gilt für Mads Andersen im dänischen Duell gegen Filip Boe Olsen. L’Ami erreicht ein schnelles Remis, während sich Ragger lange gegen eine Niederlage stemmt. Am Ende gelingt auch ihm die Punkteteilung.

Tags darauf geht es im Duell gegen die Hamburger genauso stark weiter. Ragger, Tari, Andersen, L’Ami, Warmerdam und Predojevic siegen, die anderen Aufeinandertreffen enden remis. In der besonderen Atmosphäre des BHC-Leistungszentrums setzt kein einziger Kontrahent die SG matt.

Hintergrund

Leistungszentrum: Auch wenn die Schachspieler nicht das Feld belegten, konnte während der Partien kein Handball gespielt werden. Das hätte die Denksportler zu sehr abgelenkt. Hatte am Samstag eine Partie mehr als sieben Stunden gedauert, ging es am Sonntag zur Beruhigung von Oliver Kniest schneller. „Unser großer Dank geht an den BHC, der seine Einheiten für uns verlegt hat“, sagte der SG-Chef. Pünktlich um 17 Uhr stand die Halle wieder zur Verfügung. Der BHC II wollte aufs Feld.

Parallelspiele: Die SG spielte als Ausrichter gegen Kiel und Hamburg, gleichzeitig trat der SC Viernheim gegen dieselben Kontrahenten am selben Ort in umgekehrter Reihenfolge an.

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