Fußball

Serienmeister Birkenweiher zieht einen Schlussstrich

2017 gab´s letztmals Birkenweiher-Jubel: Damals holte die Truppe um Kapitän Daniel Redmer (vorne, r.) das Double.
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2017 gab´s letztmals Birkenweiher-Jubel: Damals holte die Truppe um Kapitän Daniel Redmer (vorne, r.) das Double.

Das jahrelang die Solinger Hobbyfußball-Szene dominierende Team wurde vom Spielbetrieb abgemeldet.

Von Fabian Herzog

Über 20 Jahre lang hat die Mannschaft des Haus am Birkenweiher die Solinger Hobbyfußballszene dominiert. Gewann Titel in Pokal wie Meisterschaft am Fließband und vertrat die Klingenstadt auch auf Niederrheinebene ein ums andere Mal herausragend. Aber diese Erfolge gehören der Vergangenheit an. „BW“, wie viele den Abonnement-Champion genannt haben, existiert nicht mehr.

Jörg Sewerin war lange Jahre neben dem Platz das Gesicht des Haus am Birkenweiher.

Die Entscheidung, für die aktuelle Saison 2022/23 des Freizeitsport Solingen keine Mannschaft mehr zu melden, fiel extrem schwer. „Irgendwann ist aber ein Punkt erreicht, an dem man einen Schlussstrich ziehen muss“, sagt mit Jörg Sewerin der langjährige Verantwortliche, der bei der Entscheidung vor allem ein Ziel verfolgte: einen sauberen Schnitt und kein unrühmliches Ende in Form einer aufgebotenen, nicht mehr konkurrenzfähigen Rumpftruppe oder gar eines Rückzugs wegen Personalmangels während der Saison. „Die Spieler werden ja nicht jünger“, begründet der 65-Jährige, der nicht nur die vergangenen Jahrzehnte – zuletzt gemeinsam mit Yorik Heiber – maßgeblich geprägt und gestaltet hat, sondern sogar Gründungsmitglied ist.

1986 entstand in der gleichnamigen Kneipe an der Birkerstraße das Team Birkenweiher united, das sich vor allem aus Spielern der Galoppa Allstars bildete. „Wir hatten auch damals schon viel Spaß“, erinnert sich Sewerin, „aber die Erfolge kamen erst später.“ Genauer gesagt: Ab dem Jahr 2000. Nach zuvor zwei Saisons beim Kurzentrum Dreikhausen entschloss man sich, wieder auf eigenen Beinen zu stehen und startete als Haus am Birkenweiher eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte.

Zu der wäre es möglicherweise nicht gekommen, wenn drei zur Saison 2000/01 dazugestoßene Angreifer bei ihrem Wicky´s Team geblieben wären. Sie hießen: Daniel Redmer, Fabio Müller und Heiko Hoeldtke. „Das war vom ersten Spiel an unser Traumsturm“, schwärmt Sewerin vom Post-SV-Trio, das nicht nur durch unzählige Tore in Erscheinung trat, sondern auch immer wieder neue junge Spieler akquirierte. Vor allem Redmer wurde zu dem Gesicht der Mannschaft. „Er war unsere Koryphäe.“ Und, was den Mannschaftsbetreuer schwer beeindruckte: „Rette war immer da.“

Die Anfänge: Unter dem Namen Galoppa Allstars holten sich einige Birkenweiher-Fußballer 1986 den damals noch in der Klingenhalle ausgetragenen Stadtpokalsieg. Im Finale trafen Jörg Sewerin, Jörg Kessenbach und Paul Friedenberger zum 3:2 gegen das Kurzentrum II, für das Gregor Wehning doppelt erfolgreich war.

Der Gelobte kann dies bestätigen. „Ich habe in den 20 Jahren vielleicht vier oder fünf Spiele verpasst“, blickt Redmer zurück. Dabei hatte der mittlerweile 42-Jährige als Vereinsfußballer (Post, TG Hilgen, Sportring, VfB, TuSpo Richrath, BSC, TSV Aufderhöhe) auch nicht gerade unter Langeweile zu klagen. Aber wenn es darum ging, montagabends für „BW“ aufzulaufen, genoss das Priorität. „Wenn ich etwas mache, dann eben richtig“, begründet Redmer und ergänzt: „Ich habe halt nie abgesagt, weil mein Kaninchen einen Zeh gebrochen oder die Oma zum sechsten Mal im Jahr Geburtstag hat.“

Ein ganz entscheidender Faktor sei immer auch der Charakter der Mannschaft gewesen. „Mit ganz wenigen Ausnahmen waren das einwandfreie Leute. Das war für mich immer das A und O“, sagt der Fußballer. Die Gespräche in oder vor der Kabine nach den Spielen waren ihm wichtiger als vieles andere. „Da wurde dann aus einem Montagabend auch gerne mal ein Dienstagmorgen.“

Auch in der Sportschule Wedau ein gern gesehener Gast: Im Jahr 2000 holte man sich erstmals den Niederrheinpokalsieg.

Dieser überragende Zusammenhalt war neben der fußballerischen Qualität ein wichtiger Mosaikstein bei der Titeljagd (siehe Extrainfo). Redmer („Ich glaube, es war keine Saison dabei, in der ich nicht mindestens 30 Tore geschossen habe“) und Co. räumten im Solinger Fußball Jahr für Jahr ab, was es abzuräumen gab. Auch im Niederrheinpokalfinale, zweimal in Duisburg ausgetragen, einmal in Gerresheim, war Haus am Birkenweiher dreimal nicht zu schlagen. „Es waren 20 schöne Jahre“, zieht Redmer Bilanz. Auch aus seiner Sicht sei es „extrem schade“, dass die Mannschaft sich nun aufgelöst hat. „Aber das war absehbar. Und durch den sauberen Schnitt bleibt das alles so jetzt wenigstens in guter Erinnerung.“

Erfolge

Seit dem Jahr 2000 gab es zwei Phasen, da war das Team des Haus am Birkenweiher schier unschlagbar. Neben diversen Pokalsiegen in Solingen und auf Verbandsebene gewann man 2004, 2005, 2006 und 2007 sowie 2014, 2015, 2016 und 2017 je viermal in Folge die Meisterschaft in der 1. Stadtliga.

Auszug eingesetzter Spieler

Felix Schwarz, Jörg Blaschke, Timo Redmer, Tibor Hargitai, Timo Heiber, Jörg van Bargen, Michael Sänger, Daniel Redmer, Florian Rödder, Jens Weber, Tobias Friße, Erik Weber, Marcel Hauser, Bastian Hilger, Michael Wurthmann, Manni Szepanski, Moritz Gebhardt, Kai Kirsch, Lars Röhrig, Daniel Lammich, Sebastian Senger, Dominik Jüntgen, Fabio Müller, Andreas Lenz, Tim Evertz, Ronnie Röhrig, René Rödder, Toni Rondinella, Sandro Avanzato, Dennis Tobaschus, Yorik Heiber, Philipp Hamann, Matthias Schweyen, Alexander Jüntgen, Felix Schwarz, Alexander Baltes, Kevin Engels, Manuel Habljak, Tino Pollace, Marius Gebhardt, André Wielpütz, Marcel Meyer, Bastian Ziehe, Jasper Volbracht, Gregor Wehning, Thomas Nied, Thomas Höttges, Pierrot Horsch, Michael Meis, Thomas Cugmas, Andreas Ebert, Marcel Willms, Thomas Praß, Torsten Schmidt, Christian Scherer, Michael Becker, Klaus-Dieter „Klü“ Hopf, Helmut Wischnewski, Thomas Krebs, Thomas Casel, Tobias Maske, Willi Trapp, Volker Czybulka, André Plat, Kalle Teck, Bernd Labendsch, Hans-Jürgen „Pfanni“ Peters, Heiko Hoeldtke, Jens Scheffler, Chris Otto, Olaf Heep, Kalle Teck, Marcel Goronczewski.

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