Handball 2. Bundesliga

Senanur Gün macht das Spiel ihres Lebens

Mittendrin statt wie sonst immer nur dabei: Senanur Gün (blaues Trikot) überzeugte bei ihrem ersten längeren Einsatz im HSV-Tor. Foto: Christian Beier
+
Mittendrin statt wie sonst immer nur dabei: Senanur Gün (blaues Trikot) überzeugte bei ihrem ersten längeren Einsatz im HSV-Tor.

Handball, 2. Bundesliga - HSV gegen Füchse: So souverän haben die Solingerinnen gewonnen.

Von Lutz Clauberg

Solingen. Die Solingerinnen stimmten die Humba an und feierten sich selbst nach allen Regeln der Kunst. Einigermaßen unerwartet hatte der HSV den Angstgegner nicht nur besiegt, sondern grandios in Schach gehalten und überhaupt keine Chance gelassen.

Beim 29:26 (16:11) saß die zwar freigetestete, auf ärztlichen Rat hin nicht nominierte Top-Torhüterin Natascha Krückemeier auf der Tribüne, Spielmacherin und Abwehr-Ass Mandy Reinarz auf der Couch. Die Füchse inklusive Trainerin Susann Müller und Managerin Britta Schröder konnten es nicht fassen. Fünf Mal hatten die international aufgestellten „Spreefüxxe“ den HSV Solingen-Gräfrath zuvor geschlagen, im sechsten Anlauf schlug der Tabellenführer gnadenlos und überzeugend zu.

„Wir waren viel besser als im Hinspiel“, erinnerte Vanessa Brandt an das 27:29 am 23. Oktober 2021. In Charlottenburg erwischte sie auch nicht ihren besten Tag, am Samstag in der mit 300 Zuschauern für ein Spitzenspiel eher mäßig besetzten Klingenhalle trumpfte sie großartig auf und traf zweistellig.

„So kann es bleiben“, meinte die beste Werferin der Liga, die das Comeback von Luca Tesche positiv herausstellte: „Sie ist gut aus ihrer Verletzung zurück gekommen.“ Tesche stand bei ihrem ersten Einsatz in diesem Jahr sofort in der Anfangsformation – vorne wie hinten zentral.

Ich konnte schon nach zehn Minuten nicht mehr.

Luca Tesche, eine der HSV-Matchwinnerinnen

Nachdem Vanessa Brandt drei Mal perfekt eingelocht hatte, holte sich die Spielmacherin mit einem klasse Unterarmwurf Selbstbewusstsein. „Ich konnte eigentlich schon nach zehn Minuten nicht mehr. Aber es musste ja weitergehen“, sagte Tesche überglücklich nach dem Abpfiff des mit Licht und Schatten leitenden Schiedsrichtergespanns Sebastian und Matthias Klinke aus Bordesholm (Schleswig-Holstein). Trainerin Kerstin Reckenthäler nahm sie erst kurz vor der Pause heraus, als es wirklich nicht mehr ging – und wechselte sie danach wieder ein.

Noch mehr im Rampenlicht stand – erstmalig in einem Zweitliga-Spiel – Senanur Gün. In den 19 Partien zuvor kam die 2017 aus Radevormwald zum HSV II in die Oberliga gewechselte Torhüterin auf eine knappe Stunde Einsatzzeit. Im Spitzenspiel schlug ihre Stern-Stunde. In der 3. Minute hielt sie einen Strafwurf von Djazzmin Trabelsi.

Das war der Mut-Macher schlechthin. Ein gutes Dutzend Paraden folgten. Und zwei Traumpässe an die zum Konter durchstartende Jule Polsz, die das Tor des Tages markierte: auf unnachahmliche Art per Dreher in Unterzahl zur 17:12-Führung. „Ich habe an mir selbst gezweifelt und mir immer vorgenommen, nicht aufzugeben. Jetzt habe ich mir selbst bewiesen, dass ich es kann“, freute sich Gün.

Senanur Gün: Abschied vom HSV - Neuanfang beim BHC

Ihre sportliche Zukunft endet beim HSV. „Leider“, findet die Remscheiderin – und wechselt zum Bergischen HC, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit 2022/23 in der vierthöchsten Klasse, der Regionalliga Nordrhein, an den Start gehen wird. Gün: „Der Aufwand, vor allem an den Wochenenden, ist nicht so hoch.“

Mit Gün im Rücken wurde es nur ein einziges Mal ein wenig brenzlig im zweiten Abschnitt. Berlin schien nach dem Anschluss zum 21:24 in der 45. Minute auf dem besten Weg zu sein, den Tabellenführer unter Druck zu setzen.
Dazu auch der Kommentar von Thomas Rademacher: Kommentar: HSV setzt einen drauf

Auch Luca Tesche verlässt den HSV

Ein Trugschluss. Luca Tesche, deren Zeit beim HSV ebenfalls endet, sorgte mit dem 25:21 für mehr Ruhe. Vanessa Brandt machte mit dem 28:22 den Deckel drauf. „Das war eine grandiose kämpferische Leistung. Es hat richtig Spaß gemacht“, lautete Kerstin Reckenthälers Fazit.

HSV: Gün, Fahnenbruck; Brandt (11, 4) Nanfack (5), Tesche (4), Polsz (4), Senel (2), Weyh (1), Penz (1), Jörgens (1), Müller

Jugend: Mit sehenswerten, weil irre schnellen und dynamischen Zweikämpfen sorgte die jüngste Berlinerin für Aufsehen in der Klingenhalle. Leoni Baßiner ist gerade erst 16 Jahre alt. Ihr gelangen drei Tore.

Reise: Am Samstag (19. März) spielt der HSV beim TSV Nord Harrislee. Das Hinspiel endete 26:26.

Ausfall: Frisch Auf Göppingen hat die wenigsten Minuspunkte – und die wenigsten Spiele der vier Top-Teams. Die Partie in Mainz fiel coronabedingt aus.

Stimme: Über Platz zwei müsse sie nicht mehr reden, meinte Berlins Trainerin Susann Müller niedergeschlagen. Ihr Titel-Favorit ist Göppingen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare