Handball

Selbstbewusste Keeperin will mehr spielen

In dieser Woche stellte der Oberliga-Tabellenführer Bergischer HC Senanur Gün als Neuzugang für die Saison 2022/23 vor. Aktuell will die Torhüterin mit dem HSV Gräfrath in die Bundesliga aufsteigen. Foto: BHC
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In dieser Woche stellte der Oberliga-Tabellenführer Bergischer HC Senanur Gün als Neuzugang für die Saison 2022/23 vor. Aktuell will die Torhüterin mit dem HSV Gräfrath in die Bundesliga aufsteigen.

Gespräch mit der Remscheider Handball-Torhüterin Senanur Gün, die in der 2. Liga für den HSV Gräfrath aufläuft.

Frau Gün, haben Sie am Montagmorgen den Lokalsport der Kollegen des Solinger Tageblatts gelesen? Die Schlagzeile zum Spielbericht in der 2. Handball-Bundesliga zwischen dem HSV Solingen-Gräfrath und den Füchsen Berlin lautete: „Senanur Gün macht das Spiel ihres Lebens“.
Senanur Gün: Natürlich. Allerdings habe ich sie mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen.
Warum? Als HSV-Torhüterin hatten Sie doch den entscheidenden Anteil daran, dass Ihr Team das Spitzenspiel gewonnen hatte.
Gün: Ich habe mich auf der einen Seite unglaublich darüber gefreut, so dazu beitragen zu können. Auf der anderen Seite war ich schon ein wenig traurig, dass ich so lange warten musste, die Chance zu bekommen, meine Leistung zu zeigen. Ich hatte in den bisherigen Saisonspielen nur zwei Kurzeinsätze.
Wie kam es, dass Sie am Samstagabend nun zwischen den Pfosten standen?
Gün: Wir sind mit einem Torhüterinnen-Trio in die Saison gegangen. Natascha Krückmeier, Lisa Fahnenbruck und ich. Natascha ist die Nummer eins. Sie hatte nach ihrer Coronainfektion aber aus gesundheitlichen Gründen noch nicht spielen können.
Wann haben Sie von HSV-Trainerin Kerstin Reckenthäler erfahren, dass Sie beginnen?
Gün: Am Freitag war klar, dass Natascha nicht spielen konnte. Am Samstag habe ich dann erfahren, dass ich zwischen den Pfosten stehe.
Waren Sie überrascht?
Gün: Ich weiß, was ich kann. Außerdem habe ich den vergangenen Wochen sehr gut trainiert. Dazu beigetragen hat auch der Wechsel unserer Torwarttrainer. Steffi Osenberg, die das Amt übernahm, hat mir auch das nötige Selbstvertrauen in den vergangenen Wochen gebracht.
Geholfen haben dürfte auf der Platte dann, dass Sie nach drei Minuten auch gleich einen Siebenmeter gehalten haben, oder?
Gün: Na klar. So etwas sorgt für die nötige Sicherheit. Und in der Folge habe ich dann auch die entsprechenden Kommandos an die Abwehr geben können. Es war ein Abend, an dem alles passte.
Und Sie mit Ihrem Team einen direkten Konkurrenten um den Aufstieg in die 1. Bundesliga auf Abstand gehalten und die Tabellenführung verteidigt haben. Wurde noch ein wenig gefeiert?
Gün: Wir waren noch Essen. Es war ein richtig schöner Abend. Und auch von der Trainerin gab es noch ein Lob für mich.
Zwei Drittel der Saison sind rum. Nach dem Sieg gegen Berlin dürfte es nun einen Dreikampf um den Aufstieg in die 1. geben. Haben Sie damit gerechnet, und mit welchem Ziel ist der HSV in die Saison gegangen?
Gün: Unser Ziel war, möglichst schnell genügend Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln. Jetzt ist der Ehrgeiz natürlich groß, den Coup auch zu landen. Dafür werden wir nun alles geben.
Dies könnte im Fall der Fälle aber bedeuten, dass Sie am Saisonende als Bundesliga-Aufsteigerin zu einem Regionalliga-Aufsteiger gehen. Ihr Wechsel zum Bergischen HC ist nun offiziell.
Gün: Für meine Entscheidung, die ich mir sicher nicht einfach gemacht habe, gibt es mehrere Gründe. Grundsätzlich hätte ich mir nie vorstellen können vom HSV zum BHC zu wechseln. Das geht eigentlich in Solingen gar nicht.
Wie ist es dann zum ersten Kontakt gekommen?
Gün: Max Ramota hat mich im Januar angerufen und nachgefragt.
Und welche Gründe gab es dann für Sie, den Schritt zu machen?
Gün: Der BHC hat ja ehrgeizige Ziele. Natürlich müssen in dieser Saison auch noch der Titel und der Aufstieg unter Dach und Fach gebracht werden. Sehr wichtig ist für mich gewesen, dass ich einfach mehr spielen will. Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich beim HSV keine Perspektive mehr sehe. Dazu würde natürlich bei einem Aufstieg der Aufwand noch größer. Wir trainieren jetzt bereits fünfmal in der Woche. Das würde noch gesteigert. Wir sind aber keine Vollprofis. Auch aus beruflichen Gründen wäre der Aufwand bei mir zu groß.
Wie hat Gräfrath auf Ihren Wechsel reagiert?
Gün: Wie sagt man so schön: Mein Vertrag wurde im gegenseitigen Einvernehmen nicht verlängert. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass das Gespräch dahingelenkt wurde, dass ich freiwillig sage, ich gehe. Damit sei der Weg frei, eine bessere Keeperin zu verpflichten. Allerdings habe ich aktuell bewiesen, dass ich der sportlichen Herausforderung gewachsen bin. Die in meinen Augen fehlende Wertschätzung ist der ausschlaggebende Grund für meinen Wechsel zum Bergischen HC.
Als Sie vor einigen Jahren von der HSG Radevormwald/Herbeck nach Gräfrath gewechselt sind, haben Sie auch als Trainerin beim HSV angefangen. Wird das in Zukunft wieder ein Thema?
Gün: Das ist es auch jetzt bereits wieder. Ich war dem Verein damals dankbar, dass ich die Lizenz machen konnte. Ich habe dann die weibliche B-Jugend übernommen, sie auch in der A-Jugend betreut, die dann auch zur 2. Senioren-Mannschaft wurde. Nach einer zwischenzeitlichen Pause trainiere ich jetzt wieder die weibliche C-Jugend, die mir sehr wichtig ist.
Dies bedeutet, dass Ihnen das Traineramt auch weiter sehr wichtig bleibt.
Gün: Auf alle Fälle. Natürlich möchte ich noch viele Jahre selbst spielen. Aber dann richtig im Trainerbereich einsteigen.

Zur Person

Senanur Gün, mit Mädchennamen Ariöz, wurde am 9. Mai 1998 in Wermelskirchen geboren. Aufgewachsen ist sie mit ihren Eltern in Remscheid. Nach ihrem Realschabschluss hat sie in Leverkusen eine Ausbildung als Chemielaborantin gemacht und sich mittlerweile zur Chemietechnikerin weitergebildet. Mit ihrem Ehemann lebt Gün in Hilden. Beim Remscheider TV ist sie im Alter von sieben Jahren zum ersten Mal mit dem Handball in Berührung gekommen. Sie hat bei der HG Remscheid gespielt, war zwischenzeitlich aber auch als Fußballerin bei den TS Struck aktiv. Ihre erste Erfahrung bei den Senioren hat sie dann bei der HSG Radevormwald/Herbeck gesammelt. Von dort ist sie 2017 nach Gräfrath gewechselt.

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