Serie: Mitgemacht

Segway-Polo bringt völlig neues Gefühl

Beim Segway-Polo ist eine Menge Koordinationstalent gefragt. Irgendwann vergisst man aber fast, dass man auf einem solchen Gefährt unterwegs ist. Fotos: Michael Schütz
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Beim Segway-Polo ist eine Menge Koordinationstalent gefragt. Irgendwann vergisst man aber fast, dass man auf einem solchen Gefährt unterwegs ist.

Neue Serie im ST: Mitgemacht! Unser Redakteur trainiert zur Probe in einer außergewöhnlichen Sportart. Dieses Mal: Segway-Polo.

Von Fabian Herzog

Einmal zu den Schnellsten gehören. Einmal im Höchsttempo dem Ball hinterhereilen. Dieses Gefühl blieb mir als Fußballer irgendwie immer verwehrt. Ich war meistens mehr so der ruhende Pol meiner Mannschaften. Der, über den andere gesagt haben: „Der macht es mit Auge.“ Bei einem Trainingsabend vor wenigen Tagen war dies aber endlich mal anders. Da konnte ich so richtig Gas geben und hatte gegenüber meinen Mit- und Gegenspielern keine Geschwindigkeitsnachteile mehr. Denn ich war bei einer ganz anderen Sportart gelandet: dem Segway-Polo.

Diese Mischung aus Touristengefährt und dem Teamsport auf Pferden übt schon beim Zusehen eine enorme Faszination aus und weckt gleichermaßen Neugier. Auch bei mir, so dass ich die Einladung des Vereins Segway-Polo Bergisches Land, doch einfach mal mitzutrainieren, gerne angenommen habe.

„Wir kämpfen um Anerkennung. Viele denken, dass Segway-Polo eine Rollator-Sportart sei.“

Bärbel Krahforst, Torhüterin und „Mutter der Kompanie“

Solingen: Segway-Polo auf Kunstrasen in Oberburg

Der ursprüngliche Plan sieht vor, an diesem Donnerstagabend auf der Außenanlage in Oberburg zu trainieren. Dort, auf dem früheren Fußballplatz Höhrath, hat sich der Verein aus Wuppertal und Solingen eine kleine sportliche Heimat geschaffen. Dank eines selbst organisierten und auf dem von der Stadt gepachteten Gelände verlegten Kunstrasens, der in der Sportschule Hennef ausrangiert worden war, kann mindestens einmal pro Woche unbeschwert trainiert werden.

Mit Fahrradhelm und Schläger (Mallet) ausgestattet, konnte es losgehen.

Das Wetter zwingt uns aber dazu, mein Mitmachen in die Halle zu verlegen. So komme ich nach langer Zeit mal wieder in den – zugegebenermaßen nicht zwingend vergnügungssteuerpflichtigen – Genuss, das Bergische Sportzentrum in Wald zu besuchen. Nach dem Ausfüllen der obligatorischen Corona-Nachverfolgungs-Liste nehmen mich Jens und Bärbel Krahforst auch schon in Empfang. Der spielende 1. Vorsitzende, langjähriger STB-Handballer, und seine viele Funktionen übernehmende Frau sind der Sportart schon lange verfallen – Letztgenannte kommt mir mit ihrem Gefährt entgegen und verdeutlicht, wie selbstverständlich es für sie und ihre Mitstreiter ist, sich auf dem Segway zu bewegen: „Auf Turnieren kommt es vor, dass Spieler damit aufs Pissoir fahren“, erzählt Bärbel Krahforst lächelnd.

Um es vorwegzunehmen: So weit reicht es bei mir an diesem Abend (noch) nicht. Ich beschränke mich zunächst darauf, mich auf dem mittleren der drei Indoor-Fußballplätze überhaupt auf diesem einachsigen, rund 23 km/h schnellen Transportmittel halten zu können. Dank der kompetenten krahforstschen Anleitung gelingt mir dies erstaunlich schnell, was es mir ermöglicht, mich auch an Schläger, den sogenannten Mallet, und Ball heranzutasten.

Nach Corona-Pause: Segway-Polo-Spieler freuen sich auf ihr Training

Je näher der tatsächliche Trainingsstart um 20 Uhr rückt, desto mehr Mitglieder der Blade Pirates und Blade Dragons treffen ein. So heißen die beiden Teams des Vereins, die seit Jahren an Welt- und Europameisterschaften wie auch an der 2017 selbst initiierten Bundesliga teilnehmen. Die Vorfreude auf das Training ist den Spielern anzumerken, nach der Corona-Zwangspause dürfen sie erst zum zweiten Mal wieder ihrem Hobby nachgehen.

Der Ball beim Segway-Polo ähnelt einem Hundespielzeug, ist aus Schaumstoff und hat einen Durchmesser von knapp zehn Zentimetern.

Wir spielen zunächst Vier gegen Vier, wobei schnell klarwird, dass der Platz das nicht hergibt. Auf Turnieren und sonstigen Partien wird im Modus Fünf gegen Fünf quer auf einer Fußballhälfte gespielt. Zu dritt pro Team geht’s weiter und ich merke, warum alle von diesem Sport so fasziniert sind. Je sicherer ich werde, desto mehr Spaß macht es auch mir. Eine der größten Herausforderungen, das wird schnell klar, ist es, eine Kollision mit den anderen Spielern zu vermeiden. Weil man diesen zwar am Torschuss hindern möchte, ihm aber das alles andere als günstige Segway nicht beschädigen möchte.

„Die kosten neu um die 10 000 Euro“, erzählt mir Bärbel Krahforst in einer meiner herbeigesehnten Pausen. „Wir bekommen sie in einem guten, gebrauchten Zustand aber für 3000 bis 3500 Euro.“ Spätestens jetzt wird mir klar, dass ich mein anvisiertes Ziel, ein Tor zu schießen, den Gegebenheiten anpassen muss. Bloß nichts kaputtmachen, lautet nun die Devise.

Segway-Polo kämpft um Anerkennung

Weil mein Rücken eine Pause verlangt, habe ich Zeit, mir Bärbel Krahforsts lustige Geschichte anzuhören, wie sie zum Segway-Polo gekommen ist. 2013, bei der Weltmeisterschaft in Washington/USA, war sie ursprünglich nur als Spielerfrau eingeplant. Doch dann fiel der Torhüter der Pirates aus. „Plötzlich stand ich zwischen den Pfosten“, erzählt die 48-Jährige lächelnd. Und nicht nur das: Beim Elfmeterschießen im Spiel um Platz drei musste sie auch noch selbst antreten – und verwandelte den entscheidenden Versuch.

Krahforst, die sich selbst als „Mutter der Kompanie“ bezeichnet, schildert mir auch die Probleme des Vereins. „Wir kämpfen um Anerkennung“, sagt sie. Zu gerne hätte der Verein bessere Trainingsbedingungen in der Stadt, gegen König Fußball sei man aber chancenlos. „Viele denken, Segway-Polo sei eine Rollatorsportart.“

Auch wenn ich mich nach meinem ersten Spiel nach einem solchen fast sehne, kann ich diese Thesen nur widerlegen. Segway-Polo ist richtig anstrengend und macht dabei eine Menge Laune. Dies bestätigt mir auch der Oldie der beiden Teams. Peter Stöcker ist 65, gleichzeitig Hauptsponsor des Vereins und seit zehn Jahren mit Begeisterung an Bord. „Das ist eine verrückte Angelegenheit“, sagt er. Und genau die hatte der Golfer und Motorradfahrer als zusätzlichen Kick gesucht.

Die Faszination schwappt an diesem Abend im Bergischen Sportzentrum auch auf mich über. Was mehrere Gründe hat und unter anderem damit zusammenhängt, dass ich am Ende meine vorher gesteckten Ziele erreiche. Im abschließenden Elfmeterschießen treffe ich tatsächlich ins Tor – und keines der Segways trägt durch mich einen größeren Schaden davon. Und, was ich natürlich auch extrem super finde: Ich gehöre endlich mal zu den Schnellsten.

Segway-Polo Bergisches Land

Kader: Jens Krahforst, Bärbel Krahforst, Sascha Kratz, Peter Stöcker, Jan Wevers, George Voudouris, Klaus Wiechert, Lutz Reuen (alle Blade Dragons), Ralph Königs, Jens Lubienski, Ralf Dobigallo, Torben Zeleny, Bhushan Bodekar, Ralf Esser (alle Blade Pirates).

Trainingszeiten: Immer donnerstags zwischen 20 und 22 Uhr – nach Absprache auch mal sonntags zwischen 12 und 14 Uhr. Bei gutem Wetter in Oberburg (Talsperrenstraße), bei schlechtem im Bergischen Sportzentrum (Albertus-Magnus-Straße).

Erfolge: Weltmeister 2011, Vize-Weltmeister 2010 und 2012 (alle Pirates), WM-Dritter 2013 (als Blade Allstars, also beide Teams gemeinsam), Vize-Europameister 2018 (Dragons), Deutscher Meister 2018 (Blade Allstars).

Kontakt: www.segwaypolo-bergischesland.de

Aufruf: Zeigen Sie uns Ihren Sport!

Sie möchten die Sportredaktion des Solinger Tageblatts auch mal zum Mittrainieren einladen? Dann schreiben Sie uns doch einfach eine Mail: lokalsport @solinger-tageblatt.de Sportart und Ligazugehörigkeit sind dabei im Übrigen vollkommen irrelevant.

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