Fußball

Schlimme Erinnerungen des WMTV werden bei Fußball-EM geweckt

Sechs WMTVer der Tennisabteilung nutzten 2018 die Chance zur Erste-Hilfe-Weiterbildung. Foto: DK
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Sechs WMTVer der Tennisabteilung nutzten 2018 die Chance zur Erste-Hilfe-Weiterbildung.

Der Fall Eriksen: Wie die Solinger Vereine für ein Horrorszenario wie bei der Fußball-EM gewappnet sind

Von Fabian Herzog und Thomas Rademacher

Solingen. Dieser Moment wird vielen Sportinteressierten nicht mehr so schnell aus dem Kopf gehen. Als der Däne Christian Eriksen am Samstag bei der Fußball-Europameisterschaft kollabierte und wiederbelebt werden musste, sorgte das für die kollektive Schockstarre. Ein Glück, dass dem Spielmacher der Skandinavier umgehend geholfen und er stabilisiert werden konnte. Doch wie sind die Clubs auf lokaler Ebene für solch einen Fall gerüstet? Wir haben uns mal in Solingen umgehört.

Yorik Heiber, Vereins-Manager des TSV Solingen, verfolgte das Spiel am Fernseher und konnte schnell nicht mehr hinsehen: „Wir waren total geschockt. Der absolute Wahnsinn.“ Er gibt zu: „Für ein solches Horrorszenario wären wir im TSV schlecht aufgestellt.“ Schon öfter seien entsprechende Vorsichtsmaßnahmen wie die Anschaffung eines oder mehrerer Defibrillatoren diskutiert worden. „Das ist dann aber leider irgendwann im Sande verlaufen“, erzählt Heiber. Das am Samstag Geschehene habe aber alle noch einmal wachgerüttelt und aufgezeigt, dass großer Nachholbedarf bestehe. Wohlwissend, dass es schwierig sei, alle 25 Sportstätten adäquat auszustatten.

Übungsleiter im WMTV benötigen eine Erste-Hilfe-Schulungen

Immerhin: Bei den Herzsport-Gruppen des TSV sei immer ein Arzt anwesend. In allen anderen Abteilungen müsse man sich Gedanken machen. Nur der Besuch von Erste-Hilfe-Schulungen sei aus Sicht des Managers, der eine solche selbst schon mehrfach absolviert hat, nicht zielführend. Heiber ehrlich: „Trotzdem wäre ich in einer solchen Situation total überfordert.“

Beim WMTV Solingen fühlte man sich am Samstag ein wenig an einen schlimmen Fall von vor 20 Jahren erinnert, als ein Mitglied trotz eines anwesenden Arztes verstarb. „Das möchten wir nicht noch einmal erleben“, sagt Pressesprecher Daniel Konrad, dessen Verein aus diesem Grund diverse Maßnahmen ergriffen und umgesetzt hat. Vor Jahren wurden zwei Defibrillatoren angeschafft. Unter anderem einer für das Fitnessstudio, wo sich auch ein Notfallkoffer befindet. Ein weiterer wurde vom Förderverein der Jahnkampfbahn im Eingangsbereich des Walder Stadions installiert. Beide wurden den Mitgliedern erläutert und ganz bewusst – nomen est omen – ans Herz gelegt.

Grundsätzlich lege man beim WMTV auch großen Wert darauf, dass viele Übungsleiter die Erste-Hilfe-Lizenz haben. „Und das nicht nur auf die Erwachsenen bezogen“, erläutert Konrad, „auch diverse Jugendliche haben die Fort- beziehungsweise Ausbildung schon absolviert.“

Auch der BHC nimmt das Thema ernst

Im Spitzenhandball gibt es zwei Fälle, die an Eriksen erinnern und tragisch endeten. 2009 starb bei einem Länderspiel der U21 das Toptalent Sebastian Faißt an Herzversagen. Einen Herzinfarkt im Training erlitt im Februar 2021 der portugiesische Nationaltorwart Alfredo Quintana. Er konnte nicht mehr gerettet werden.

Entsprechend ernst nimmt man dieses Thema auch bei Handball-Bundesligist Bergischer HC. „Genaueres müsste ein Arzt dazu sagen“, erläutert Trainer Sebastian Hinze. „Aber wir gehen mit äußerster Vorsicht vor und achten genau darauf, dass auch nach einer Erkältung kein Spieler zu früh wieder ins Training einsteigt.“ Defibrillatoren seien in jeder Halle vorhanden, dazu ist immer ein ausgebildeter Ersthelfer vor Ort. Bei den Bundesliga-Spielen ist sogar stets mindestens ein Arzt im Einsatz.

Ähnlich sieht es beim EC Bergisch Land aus. Vorsitzender Wolfgang Lingen sagt: „Wir sind dazu verpflichtet, bei jedem Eishockeyspiel einen Sanitäter vor Ort zu haben.“ Bei den Männern seien dies meist die Johanniter, in der Jugend wie beim Training würden oft die Coaches durch ihre Übungsleiter-Lizenz die Rolle übernehmen. Fest in der Eishalle installiert ist seit Jahren ein Defibrillator.

Der Schock stand den dänischen Akteuren, die instinktiv einen Sichtschutz für ihren Mitspieler Christian Eriksen bildeten, ins Gesicht geschrieben. Später konnten sie aufatmen.

Was im Notfall zu tun ist

Dr. Stefan Redlin, Internist im Sportmedizinischen Zentrum Solingen, rät dazu, sich die App der Deutschen Herzstiftung auf dem Smartphone zu installieren. Dort ist eine Anleitung zu finden, wie mit einer kollabierten, leblosen Person umzugehen ist.

Schritt 1: Wählen die 112 und setzen Sie einen Notruf ab.

Schritt 2: Neben der Person knien. Den Oberkörper von Kleidung befreien.

Schritt 3: Mit der Hand die Stirn festhalten, den Kopf überstrecken und das Kinn anheben. Dabei prüfen, ob Speisereste oder Fremdkörper im Mund sind, und diese gegebenenfalls entfernen. Wichtig ist, dass die Atemwege frei sind.

Schritt 4: Verlieren Sie keine Zeit und beginnen umgehend mit der Herzdruckmassage. Das untere Brustbein wird dabei mindestens 100 Mal pro Minute fünf Zentimeter tief eingedrückt. Setzen Sie dies so lange fort, bis der Rettungsdienst eintrifft. Ist eine weitere Person in der Nähe, sollte man sich abwechseln.

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