Baseball

Das schlagartige Ende einer Baseball-Karriere

Wenn Linus Hartmann von rechts schwang, zwickte es im Rücken. Der Gang zum Arzt brachte eine zumindest sportlich schicksalhafte Diagnose. Foto: Andreas Horn
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Wenn Linus Hartmann von rechts schwang, zwickte es im Rücken. Der Gang zum Arzt brachte eine zumindest sportlich schicksalhafte Diagnose.

Linus Hartmann wird nie wieder für die Solingen Alligators auflaufen – seine Gesundheit zwingt ihn zu diesem Schritt.

Von Thomas Rademacher

Vor Linus Hartmann schien eine rosige sportliche Zukunft zu liegen. Der Baseballer der Solingen Alligators war in der Bundesliga zum Stammspieler avanciert und hatte bereits ein Sport-Stipendium in den USA sicher. Doch dann kam die Diagnose: Spinalkanalstenose – eine Verengung des Wirbelkanals im Rücken, die nicht nur schmerzhaft ist, sondern auch verheerende Folgen haben kann, wenn sie ignoriert wird. „Die Aussage der Ärzte ist klar“, erläutert Hartmann. „Wenn ich weiterspiele, sitze ich in fünf Jahren im Rollstuhl.“ Der Sportler hatte keine Wahl: Er musste den Baseball-Handschuh mit 20 Jahren an den Nagel hängen.

Begonnen hat das Problem am Ende der vorigen Spielzeit. „Immer wenn ich von rechts geschlagen habe, habe ich beim Schwung ein merkwürdiges Zwicken im Rücken gespürt“, blickt Hartmann zurück. „Das war erstmal nicht ganz so schlimm, weil ich irgendwann dann einfach immer von links geschlagen habe.“ Hartmann war ein sogenannter Switch-Hitter – ein Baseballer, der von beiden Seiten der Platte schwingen kann und dies zu seinem Vorteil variiert, je nachdem, ob der gegnerische Werfer Links- oder Rechtshänder ist.

„Ich kann eigentlich recht gut mit der Diagnose leben.“

Linus Hartmann, Ex-Baseballer

Trotzdem war dem damals 19-Jährigen schnell klar, dass er zum Arzt gehen muss. „Ich hatte häufiger ein Kribbeln in den Beinen und ein Taubheitsgefühl am Hintern“, sagt der Wuppertaler. Die Diagnose ließ nicht lange auf sich warten. Nach einer Magnetresonanztomographie (MRT) stand die Verengung des Wirbelkanals fest. Hartmann: „Es gibt natürlich Therapiemöglichkeiten, aber verschwinden wird es leider nicht. Ich musste mich von meinem Lieblingssport verabschieden.“

Gerade Baseball, bei dem die Schwünge mit einer erheblichen Rotatation des Rückens durchgeführt werden, ist Gift für Hartmanns Körper. „Aber auch Joggen darf ich leider nicht mehr“, berichtet er. Das Studium in den USA konnte er ebenfalls nicht antreten. Stattdessen unterzog er sich einer Operation, um die Schmerzen loszuwerden. „Die Ursache ist damit nicht beseitigt, aber die Lebensqualität hat sich enorm verbessert.“

Wer nun glaubt, der 20-Jährige würde angesichts seines sportlichen Schicksals hadern, sieht sich allerdings getäuscht. „Ich kann eigentlich recht gut mit der Diagnose leben“, sagt Hartmann. „Es bringt mir ja auch nichts, lange darüber nachzudenken und mich bemitleiden zu lassen. Ich schaue lieber nach vorne und versuche, das Beste daraus zu machen.“ So möchte sich Hartmann künftig aus wissenschaftlicher Sicht mit dem Sport beschäftigen und visiert auch die Ausbildung zum Trainer an. An der Bergischen Universität in Wuppertal hat er ein Mathematik-Studium begonnen, das er bald wohl um Biologie ergänzen wird.

Und auch sportlich bleibt der ehemalige Baseballer aktiv. „Ich gehe nach wie vor ins Fitnessstudio, muss dort aber natürlich das Hanteltraining weglassen“, sagt er. „Neu habe ich das Schwimmen für mich entdeckt.“ Für den Wuppertaler Club SV Neuenhof ist er sogar schon bei Wettkämpfen gestartet. „Der Leistungssportgedanke ist geblieben.“

Aktuell ist aber zu allererst Schonung angesagt. Bei einem Motorradunfall brach sich Hartmann die Hand. „Mein Terminkalender ist voll“, sagt er. „Arzttermine wechseln sich mit Physiotherapie ab. Bei den Alligators bin ich trotzdem so oft wie möglich dabei – wenn auch nur als Zuschauer.“

Linus Hartmann

2016 wechselte der Sportler von seinem Heimatverein, den Wuppertal Stingrays, zu den Alligators. Durch seine Schnelligkeit war er bald im Centerfield gesetzt. Zum Saisonauftakt 2020 am vorigen Wochenende in Dortmund war Linus Hartmann dabei, um sein Team mental zu unterstützen. „Da juckt es schon in den Fingern, den Schläger in die Hand zu nehmen“, sagt der 20-Jährige. „Aber es geht eben leider nicht.“

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