Leichtathletik

Schachtschneider und der staunende Spaziergänger

In Regensburg durfte Maike Schachtschneider (l.) Anfang Juni noch einmal im DLV-Trikot in der 4x400-Meter-Staffel starten.
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In Regensburg durfte Maike Schachtschneider (l.) Anfang Juni noch einmal im DLV-Trikot in der 4x400-Meter-Staffel starten.

Solinger Leichtathletin auf Heimatbesuch: Die 28-Jährige blickt nach vorne und zurück.

Von Fabian Herzog

Die Leichtathletik-Europameisterschaft findet quasi bei ihr vor der Haustür statt. Klar, dass Maike Schachtschneider extrem gerne dabei sein möchte, wenn sich die kontinentale Elite vom 15. bis 21. August im Münchener Olympiastadion miteinander misst. „Deshalb habe ich mir auch schon Tickets besorgt“, erzählt die 28-jährige Solingerin, die eine eigene Teilnahme zwar nicht gänzlich abgeschrieben hat, aber eben auch realistisch einschätzen kann, dass die Chancen ziemlich gering sind.

Bei einem Besuch in ihrer Heimatstadt, von wo aus sie für ihren Wechsel zur LG Telis Finanz Regensburg vor zwei Jahren in die bayerische Metropole gezogen ist, gibt sich Schachtschneider ganz entspannt und reflektiert. Die frühere Spitzenleichtathletin, die ihre größten Erfolge zwischen 2011 und 2015 mit vier Teilnahmen an internationalen Top-Events (U20-EM und -WM, U23-EM) samt zweier Bronze-Medaillen gefeiert hat, kann ihre Situation einschätzen. „Ich weiß, dass die Jüngeren nachrücken. Aber ich habe immer noch große Lust auf meinen Sport und nehme jetzt alles mit, was möglich ist.“

Dazu gehörte in dieser Saison auch die Deutsche Meisterschaft in Berlin. „Das habe ich alles unfassbar genossen und aufgesaugt. Es war so schön, in diesem Stadion zu laufen“, erzählt Schachtschneider, die über die 400 Meter in ihrem Halbfinale Sechste wurde und in 54,91 Sekunden am Ende Platz 19 belegte. Über allem stand für sie aber das Erlebnis im Olympiastadion, zu dem auch ein spontanes Zusammentreffen mit Max Kremser vom SLC in der Mixedzone zählte. „Das war echt witzig.“

Selbst wenn mein Leben davon abhängen würde, könnte ich nicht so schnell laufen.

Trainings-Beobachter am Schaberg

Wenige Tage nach der DM nahm die Solingerin an den bayerischen Meisterschaften teil. Über 100 Meter lief sie fast Bestleistung, tauchte in der Wertung aber nicht auf. Der Grund: „Ich bin zu spät bei der Anmeldung gewesen“, erzählt sie lächelnd und unterstreicht ihre Gelassenheit. Dank eines formidablen Starts hätte sie mit ihrer Zeit Platz drei belegt.

Eine tolle Erfahrung hat Schachtschneider Anfang Juni gemacht. Da durfte sie bei einer Staffel-Maßnahme des Deutschen Leichtathletik-Verbandes in Regensburg mal wieder den Adler auf der Brust tragen und ihr Können in Schwarz-Rot-Gold unter Beweis stellen. Was der Solingerin richtig gut gelang. Ihren Teil der 4x400 Meter lief sie in gestoppten 52,99 Sekunden – ihre Bestleistung im Einzel liegt bei 53,57 Sekunden. „Ich habe das sehr, sehr genossen“, erzählt die 28-Jährige.

Nach diesen intensiven Wettkämpfen kam der Solingerin, die in ihrer Karriere schon so manch einen gesundheitlichen Rückschlag (unter anderem das Pfeiffersche Drüsenfieber) wegstecken musste, eine sportliche Pause gar nicht ungelegen. An der Uni in Bochum, wo die ansonsten im Einzelhandel tätige Leichtathletin Gesundheit und Diversity studiert, standen zwei Prüfungen an.

Den damit verbundenen Heimatbesuch nutzte Maike Schachtschneider unter anderem auch, um mit ihrem Vater Thomas, der ebenfalls jahrelang beim SLC aktiv gewesen ist, am Schaberg zu trainieren. Dort zog sie bei ihren 60-Meter-Sprints einige verwunderte Blicke auf sich. „Ein Spaziergänger sagte zu mir: Also wenn ich mir einen Kommentar erlauben darf. Das sah sehr beeindruckend aus“, berichtet sie und musste lachen, als der Beeindruckte ergänzte: „Also selbst wenn mein Leben davon abhängen würde, könnte ich nicht so schnell laufen.“

Glänzen möchte die 28-Jährige in dieser Saison auch noch bei der Süddeutschen Meisterschaft in Ludwigshafen (23./24. Juli) und einem Meeting im österreichischen Andorf (6. August). Was danach kommt und wie lange Schachtschneider ihre Sportkarriere fortsetzt, lässt sie offen. „So lange der Körper mitmacht. . .“, sagt sie. Gedankenspiele für die Zeit danach existieren aber auch schon. Im Bobsport – vor Jahren hat es mal ein Angebot als Anschieberin gegeben – sieht sie sich nicht: „Ich werde der Leichtathletik auf jeden Fall auf irgendeine Art und Weise erhalten bleiben.“ Und sicherlich nicht nur als Zuschauerin, wie bei der Europameisterschaft vor ihrer Haustür.

Social Media

Ähnlich aktiv wie in der Leichtathletik ist Maike Schachtschneider auch auf Instagram. Unter dem Namen maikelarissa hat sie über 17 600 Follower, also Menschen, die sie mit ihren Beiträgen erreicht. Diese lässt sie in unregelmäßigen Abständen an ihrem (Sportler-) Leben teilhaben. „Das hat sich Schritt für Schritt entwickelt“, erzählt die Solingerin. Aus ihrer Sicht sei viel über so eine Plattform erreichbar. „Ich kann darüber zum Beispiel junge Leichtathletinnen motivieren. Das finde ich ziemlich cool.“ Dank Kooperationen mit verschiedenen Unternehmen komme so zudem „ein bisschen Taschengeld“ zusammen.

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