Im Gespräch

Sascha Franz: „Viel Arbeit in familiärem Umfeld“

Da war die Welt noch in Ordnung: Sascha Franz beim Januar-Trainingslager im spanischen Andalusien. Foto: imago
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Da war die Welt noch in Ordnung: Sascha Franz beim Januar-Trainingslager im spanischen Andalusien.

Der Solinger Co-Trainer des Zweitligisten FC Erzgebirge Aue spricht über die Gefahr von Corona für den Profifußball.

Das Gespräch führte Jürgen König 

Wie verlief die Zeit zwischen Ihrem Einstieg und dem vorläufigen Abbruch in sportlicher Hinsicht?

Sascha Franz: Die 2. Bundesliga ist sehr stark und mit Vereinen wie zum Beispiel HSV, Stuttgart, Nürnberg und Hannover qualitativ überragend besetzt. Das sind Clubs, mit denen wir wirtschaftlich nicht mithalten können. Daher war und ist unser Ziel der Klassenerhalt. Momentan stehen wir mit 34 Punkten auf Platz acht der Tabelle. Das ist eine tolle Leistung, die nur mit dem richtigen Teamgeist möglich war. Allerdings gibt es ja noch einige Spieltage zu absolvieren. Daher sind wir aktuell auf einem guten Weg, unser Ziel zu erreichen, aber im Ziel sind wir noch lange nicht.

Auf welche Infrastruktur sind Sie und Cheftrainer Dirk Schuster in Solingens Partnerstadt gestoßen – das Stadion hinterlässt bei Fernsehübertragungen ja einen prächtigen Eindruck.

Franz: Wir haben eigentlich alles, was man braucht, um Profifußball spielen zu können. Es gibt ein modernes, neues Stadion und direkt daneben ein gut ausgestattetes Trainingsgelände. Das Nachwuchsleistungszentrum und die Geschäftsstelle sind auch mit auf der Anlage. Alles ist sehr nah beieinander. Dies führt dazu, dass sich Spieler, Trainer und Vereinsmitarbeiter oft sehen. Das stärkt natürlich das Gemeinschaftsgefühl.

Gibt es Hinweise auf die Städtepartnerschaft?

Franz: In der Stadt und bei den Menschen in Aue ist Solingen als Partnerstadt sehr präsent. Es gibt zahlreiche Schilder in der Stadt, auf denen das Solinger Wappen zu sehen ist.

„Vereine und Wirtschaft müssten wieder an einem Strang ziehen.“

Sascha Franz zur Perspektive im Solinger Fußball

Aue hat 16 000 Einwohner, allein Ohligs kommt auf 43 000 – wie lässt sich diese Diskrepanz mit zweit- und sechstklassigem Fußball in der Spitze erklären?

Franz: Die Familie Leonhardt hat mit ihrem Einsatz großen Anteil an der Entwicklung. Sie ist ja nicht nur als Sponsor, sondern auch als Vereinsführung aktiv und hat den Verein bis in die 2. Bundesliga geführt. In Aue erledigen wenige Menschen ganz viel Arbeit in einem sehr familiären Umfeld. Diese Geschlossenheit und Liebe des gesamten Erzgebirgskreises zum Club spürt man nicht nur bei den Heimspielen, sondern auch im Alltag.

Was müsste in der viel größeren Klingenstadt der erste Schritt sein, um zumindest mal Oberliga-Fußball präsentieren zu können?

Franz: Die Vergangenheit hat ja gezeigt, dass es auch in Solingen möglich ist, höherklassigen Fußball zu spielen. Es waren zwar andere Zeiten, aber damals wurden erfolgreich alle Kräfte gebündelt, um sich auf dieses Ziel zu konzentrieren. Die Vereine und die Wirtschaft müssten auch heute wieder an einem Strang ziehen, damit ein Club ein paar Klassen höher spielen kann. Aus Solingen kommen ja regelmäßig gute Fußballer und es wäre natürlich schön, wenn man diesen in der Stadt eine Perspektive bieten könnte.

Corona – wie sehr hat es Ihren Verein und die Mannschaft getroffen?

Franz: Ein Verein im Profifußball ist ja von seiner Struktur her ein Wirtschaftsunternehmen. Daher haben alle Bundesliga-Clubs, wie jede andere Firma auch, mit dieser Situation zu kämpfen. Wir sind abhängig von den Einnahmen, die sich vor allem durch Spieltage generieren. Wenn uns diese Spiele fehlen, hat das wirtschaftlich weitreichende Folgen. Mit der Mannschaft haben wir seit dem 6. April dank einer Ausnahmegenehmigung das Training wieder aufnehmen dürfen. Dabei müssen wir uns allerdings an strenge Regeln halten. Wir trainieren maximal in Dreier-Gruppen und ohne Körperkontakt. Diese Auflagen halten wir sehr genau ein.

Was ist Ihre persönliche Sicht der Dinge in dieser Krise?

Franz: Ich wünsche mir natürlich, dass diese Pandemie schnellstmöglich vorbei geht und alle Menschen wieder in ihr geregeltes Leben zurückkehren können. Viele Dinge, die wir vorher als selbstverständlich angesehen haben, lernen wir erst jetzt richtig zu schätzen.

Aues Präsident, Helge Leonhardt, hat als Mann der klaren Worte früh die Alarmstufe Rot ausgerufen, Geisterspiele abgelehnt, Pleiten befürchtet – wie ernst ist die Lage?

Franz: Unser Präsident hat uns den Ernst der Lage erläutert – und wir müssen alle an einem Strang ziehen, um dem Verein zu helfen. Dabei kommt uns allerdings zu Gute, dass die handelnden Personen in der Vergangenheit sehr gut gewirtschaftet haben. Aber kein Profiverein kann diese Situation endlos durchhalten. Daher ist es unbedingt notwendig, dass wir schnellstmöglich wieder Bundesliga-Spiele bestreiten können.

Wie können Sie die weitere Saison und die neue im Moment überhaupt planen?

Franz: Im Moment ist ein Planen über diese Saison hinaus nicht möglich. Aber hier ist es vorteilhaft, dass viele unserer Leistungsträger langfristige Verträge haben. Aktuell hoffen wir alle, dass der Plan der DFL aufgeht und die Saison mit Verspätung zu Ende gespielt werden kann.

SASCHA FRANZ

SPORTLICHES Als Co-Trainer arbeitete Sascha Franz bei SF Siegen (ab 2006), beim FC Augsburg (ab 2007), in Astana/Kasachstan (ab 2010), beim SV Darmstadt 98 (ab 2012), beim FC Augsburg (ab 2016) und erneut in Darmstadt (ab 2017). Seit August 2019 sind der A-Lizenzinhaber aus Solingen und Dirk Schuster in Aue – der Vertrag des eingespielten Duos läuft bis Juni 2022. Bei den Stationen bis zum ersten Darmstadt-Engagement waren Ralf Loose und Holger Fach seine Partner.

PERSÖNLICHES Der 46-Jährige ist in Solingen-Wald zu Hause, lebt dort mit seiner Frau und den beiden Töchtern. Sein Vater Horst (79) ist früherer Union- und Bundesliga-Trainer, unter anderem mit Stationen bei Borussia Dortmund und auf Schalke. Franz junior schätzt, nicht nur zum Joggen, die Wupper sowie Gräfrath und Ohligs mit der Heide und einem Espresso im Hitze-Frei. Generell behagt ihm die Schönheit des Bergischen Landes.

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