Fußball

Sascha Franz startet auf dem „Betze“ durch

Die große Bühne Betzenberg: Dirk Schuster und Sascha Franz wurden mit offenen Armen empfangen.
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Die große Bühne Betzenberg: Dirk Schuster und Sascha Franz wurden mit offenen Armen empfangen.

Der Solinger Fußball-Trainer arbeitet nun beim Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern.

Von Jürgen König

Sascha Franz war gerade in Ohligs im Fitnessstudio, als sein Handy klingelte. Der Anruf kam aus Kaiserslautern, wo der dortige Fußballverein nach einer gut verlaufenen Drittliga-Saison mächtig ins Schlingern geraten war und die Relegation gegen Dynamo Dresden auf dem Programm stand. Drei Niederlagen in Folge hatten Coach Marco Antwerpen den Job gekostet, Franz sollte mit Dirk Schuster den direkt verpassten Aufstieg in die 2. Bundesliga schaffen. „Das kam natürlich überraschend. Aber dieser Verein hat so eine Strahlkraft, das wollten wir unbedingt machen. Und wir haben es uns auch zugetraut, den Aufstieg zu schaffen“, erzählt der Solinger mit etwas Abstand zu den Tagen, in denen durch ein 0:0 daheim und 2:0 in Dresden tatsächlich der lang ersehnte Sprung zurück in die Zweitklassigkeit geschafft wurde.

Sascha Franz verspürt die Begeisterung rund um den FCK.

Im Mai 2021 war das Zweitliga-Kapitel von Franz/Schuster in Solingens Partnerstadt Aue trotz ansprechender Platzierungen zu Ende gegangen. Es habe nicht mehr gepasst. Ein Jahr Pause folgte – mit viel Zeit in Solingen, wo die Familie wohnt und fast ihr komplettes Umfeld hat. „Ich habe unheimlich viele Spiele gesehen und hospitiert“, blickt Sascha Franz auch ohne Job auf eine abwechslungsreiche Zeit zurück, unter anderem auf eine „super Woche“ beim FC Bayern München. Zu Dino Toppmöller, Co-Trainer von Julian Nagelsmann, pflegt er einen engen Kontakt. Schon einmal durfte Franz in die große Welt des Deutschen Abonnement-Meister eintauchen. Das war noch unter Louis van Gaal während dessen Amtszeit von 2009 bis 2011. „Was sich seitdem auf der Anlage an der Säbener Straße entwickelt hat, ist atemberaubend“, sagt der A-Lizenz-Inhaber.

Während seiner einjährigen Wartezeit auf den nächsten Job traf er in den Stadien des Öfteren Thomas Hengen, den Geschäftsführer Sport beim FCK. Er war es dann auch, der die Verantwortung für den Wechsel bei der Sportlichen Leitung übernahm. Für Sascha Franz und Dirk Schuster ging es ausschließlich um inhaltliche Dinge, denn die Zeit drängte. „Uns hat es unheimlich gut getan, dass die letzte Drittliga-Partie wegen der Insolvenz von Türkgücü nicht mehr stattfand und so die Vorbereitungszeit auf zehn Tage anwuchs“, sagt der Walder Familienvater, der das gewonnene Duell mit Dresden als verdient erachtet – die erste Halbzeit daheim und die zweite auswärts sei man besser gewesen, der Rest ausgeglichen. Nicht gerade ein Nachteil war es gewesen, dass Franz und Schuster die Sachsen kurz zuvor auf ihrer Scoutingtour zufällig live in Augenschein genommen hatten.

„Die ganze Region lechzt nach hochklassigem Fußball.“

Sascha Franz

Auch dies trug dazu bei, dass noch in Dresden mit dem zweiten Treffer in der Nachspielzeit eine mega Party startete, die inklusive großem Empfang der Stadt mit ihren rund 100 000 Einwohnern zwei Tage andauerte. „In beiden Stadien herrschte eine Gänsehautatmosphäre, der Finalcharakter tat ein Übriges“, schwärmt der Sohn des früheren Bundesliga-Trainers Horst Franz auch insgesamt von der Begeisterung in Kaiserslautern mit seinem modernen, 50 000 Zuschauer fassenden WM-Stadion und der gesamten Pfalz. „Zu unserem ersten öffentlichen Training waren Tausende Fans da. Und was sich auf dem Weg hoch zum Betze vor dem Spiel abgespielt hat, ist einfach unbeschreiblich“, zeigt sich der 48-Jährige total begeistert. Auch im Bergischen hat er schon einen FCK-Fanclub ausgemacht – und wird das Prickeln noch länger genießen dürfen. Unabhängig vom Ausgang der Relegation war klar gewesen, dass das eingespielte Duo die attraktive Trainerstelle weiter besetzen würde.

Am vergangenen Donnerstag startete der FCK mit der Vorbereitung auf die neue Saison, der erste Test ist bereits absolviert – die Winter-Weltmeisterschaft in Katar lässt grüßen. Trainingslager in Südtirol, Pokal-Heimspiel gegen den unterlegenen Finalisten SC Freiburg – trotz bestehender Eckdaten können Franz und Schuster durchaus in die Planungen eingreifen, wollen den Aufstiegskader über Bundesliga-Torhüter Andreas Luthe (Union Berlin) hinaus punktuell auf drei, vier Positionen mit guten Zweitliga-Akteuren verstärken. Und versuchen, den langjährigen Erstligisten, der 2020 in die Planinsolvenz geriet, in der 2. Bundesliga zu etablieren.

„Die ganze Region lechzt nach hochklassigem Fußball“, weiß Sascha Franz, dass dies gleichermaßen beeindruckend wie auch eine große Verpflichtung ist. Noch weist wenig darauf hin, an den legendären Darmstädter Durchmarsch vom Abstiegskandidaten der 3. Liga zum Klassenerhalt in der 1. Liga (2013 bis 2016) anknüpfen zu können. Die Realität sieht anders aus, ist 270 Kilometer entfernt, wo der Solinger in einem Hotel ein Appartement beziehen wird. Mit viel Lust auf großen „Betze“-Fußball.

Hintergrund

Solinger Wurzeln in der Pfalz gab es auch vor Sascha Franz schon. Trainer Eckhard Krautzun gewann mit den „Roten Teufeln“ 1996 den DFB-Pokal. Demir Hotic, Zweitliga-Ass der SG Union von 1983 bis 1987, schaffte dies 1990 und wurde ein Jahr später sogar Deutscher Meister.

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