Fußball

Saisonabbruch hält den VfB Solingen in der Landesliga

Aus, vorbei: Memduh Sürücü und der VfB Solingen halten die Landesliga, ohne noch mal gegen den Ball treten zu müssen. Foto: Moritz Alex
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Aus, vorbei: Memduh Sürücü und der VfB Solingen halten die Landesliga, ohne noch mal gegen den Ball treten zu müssen.

Fußballverband will dem Votum der Vereine folgen – Breite Zustimmung auch aus der Klingenstadt.

Von Timo Lemmer

Am frühen Freitagabend wurde etwas zur Gewissheit, das am Bavert unter normalen Umständen die Sektkorken hätte knallen lassen – oder besser die Kronkorken ploppen. Dass der Landesligist aber neun Tage vor dem ursprünglichen Saisonende die Klasse gehalten hat, war allerdings keinem sportlichen Wettstreit zu verdanken, sondern einer Mitteilung des Fußballverbands Niederrhein (FVN): Der gab bekannt, sich dem deutlichen Mehrheitsvotum seiner Vereine anschließen zu wollen und die Saison abzubrechen.

Nachdem es wenige Tage zuvor noch geheißen hatte, dass die Umfrage im Verbandsgebiet nur eine gewichtige Rolle bei der finalen Entscheidungsfindung spielen solle, überraschte die plötzliche Entscheidung die Protagonisten. Und nicht nur das bremste die Feierlaune beim damit weiterhin klassenhöchstem Solinger Team vom Bavert. Der sportliche Leiter Manuel Habljak: „Wir profitieren natürlich von dieser Entscheidung und das erleichtert uns auch. Aber jeder Sportler möchte am Ende für das Erreichte belohnt werden. Wir wollen im nächsten Jahr unbedingt zeigen, dass wir berechtigt in der Landesliga sind.“

Der Verband hatte es sich wahrlich nicht leicht gemacht. Die Sorge: Da ein Saisonabbruch nirgendwo in den Statuten festgehalten ist, könnten Vereine dagegen klagen. Auf zahlreiche Videokonferenzen folgte nun die Abstimmung per E-Mail – in der die absolute Mehrheit der Vereine erneut für einen sofortigen Abbruch mit Auf-, aber ohne Absteigern plädierte. Seit dem 13. März ruht am Niederrhein der Ball, nun soll ein außerordentlicher Verbandstag im Juni die finale Entscheidung treffen. Verbandspräsident Peter Frymuth ließ verlautbaren, dass die Saison nun „sportlich unvollständig endet“. Und: Die spielleitenden Stellen erarbeiten nun Vorschläge, wie die Ligen gewertet werden sollen.

Das ist für viele Teams unwichtig – Absteiger gibt es nun mal nicht. Was die engen Aufstiegsrennen angeht, ist das weitere Vorgehen aber freilich von Bedeutung. „Es sollte der jetzige Tabellenstand genommen werden“, findet beispielsweise Habljak, „und wo die absolvierten Spiele ungleich sind, errechnet man einen Koeffizienten.“ So haben es jedenfalls schon andere Sportarten gemacht: Letztlich entscheidet dann der Punkte-pro-Spiel-Wert über den Tabellenausgang.

„Ich hätte mir mehr Weitsicht und Geduld gewünscht.“

Vedat Atalay, DV Solingen

Zu den sportlichen Verlierern könnte sich beispielsweise Wald 03 zählen. Die Solinger liefern sich in der Kreisliga A ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Monheim 2, sind bei jeweils 24 absolvierten Spielen aber einen Punkt hinten dran. Trainer Kevin Dirks: „Ich finde, Westfalen hat die fairste Lösung gefunden.“ Dort steigt das aktuell nach Quotienten-Regelung beste Team auf – sowie die beste Mannschaft der Hinrunde, sofern diese eine andere ist. Das wären in Solingen Wald 03 als Hinrunden-Spitzenreiter sowie Monheim 2. Am Saisonabbruch gibt es bei ihm derweil keine Zweifel: „Es war der richtige Schritt. Man kann auch nicht sagen, eine Mannschaft würde unfair behandelt. In dieser Zeit ist es wichtig, dass wir alle unsere Jobs behalten und gesund bleiben. Das steht über allem.“

Zu den wenigen Befürwortern einer Fortsetzung zählt Ditib-Vatanspor Solingen. Vedat Atalay erklärt wieso: „Für uns ist es schwer nachzuvollziehen, dass nun abgebrochen wurde. Wie jetzt gewertet wird, ist zweitrangig. Aber die Entscheidung wirft Fragen auf.“ Unter anderem die, was passiere, wenn im Herbst ein weiterer Shutdown erfolge: „Brechen wir dann noch mal ab? Ich hätte mir mehr Weitsicht und Geduld gewünscht“, sagt der Sportliche Leiter.

Total konform mit der Entscheidung gehen Bezirksligist FC Britannia, der damit trotz bislang schwacher Ausbeute die Liga hält, sowie Frauen-Viertligist SV Eintracht Solingen. „Ich finde die Entscheidung gut“, sagt Spielertrainerin Jasmin Weide. „Man sieht, dass der FVN zugehört und die Vereine ernst genommen hat.“ Die Wertung sei nun brisantes Thema – in der Niederrheinliga können noch vier Frauen-Teams aufsteigen. Weide fände eine Hinrunden-Regelung noch fairer als eine Quotienten-Regelung: „In der Hinrunde hatten alle die gleichen Chancen.“

Die Abstimmung

Votum: Der Wille der 601 Vereine – 761 waren im Verbandsgebiet befragt worden – war klar: 93 Prozent stimmten für den Abbruch.

Solingen: Von allen 13 Kreisen im FVN gab es in der Klingenstadt mit 84,38 Prozent die geringste Zustimmung für den Abbruch.

Überblick: Der Deutsche Fußballbund hat 21 Landesverbände. Innerhalb dieser reiht sich der FVN mit seiner Entscheidung bei der Mehrheit ein: 13 Verbände haben die Abbruch-Entscheidung gefällt. In Bayern und Thüringen steht die Fortsetzung der Saison fest.

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