Handball

Saison-Glanz überstrahlt Spiel-Fiasko

Saison-Glanz: Cassandra Nanfack, am Samstag fünffache Torschützin, holte mit ihrem Team alleine in der Klingenhalle 9:1-Punkte – inklusive des vermeidbaren 30:30 gegen Harrislee. Die andere Niederlage gab es mit 28:31 in Herrenberg. Foto: Moritz Alex
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Saison-Glanz: Cassandra Nanfack, am Samstag fünffache Torschützin, holte mit ihrem Team alleine in der Klingenhalle 9:1-Punkte – inklusive des vermeidbaren 30:30 gegen Harrislee. Die andere Niederlage gab es mit 28:31 in Herrenberg.

2. Handball-Bundesliga: HSV-Frauen erleben 24:38 (9:19)-Debakel in Waiblingen.

Von Jürgen König

Etwas weniger als 400 Kilometer liegen zwischen Waiblingen in Baden-Württemberg und Solingen. Zeit genug für die Zweitliga-Handballerinnen also, am Samstagabend bis in die Nacht hinein ihre bisherige Saison und die finale Phase der vorherigen Spielzeit Revue passieren zu lassen. „Ich bin sehr zufrieden“, ordnet Kerstin Reckenthäler das Geleistete insgesamt weit oben ein. Daran änderte auch die abschließende 24:38 (9:19)-Niederlage nichts, wenngleich diese sehr deftig ausfiel.

Spiel-Fiasko: Szene aus Waiblingen, wo das Team von Kerstin Reckenthäler nicht den Weg zu einer guten Leistung fand.

Mit nur einem Zähler hatten die Solingerinnen den vergangenen Jahreswechsel verbracht, zum Zeitpunkt des Abbruchs der Saison 2019/20 aufgrund der Corona-Pandemie standen neun Punkte auf dem Konto. Jetzt sind es derer 13! Die Aufstockung dieser sehr erfreulichen Bilanz verpasste der HSV in der Waiblinger Rundsporthalle indes klar.

„Wir haben diesmal schlecht gespielt. Auf allen Positionen.“
Kerstin Reckenthäler, Trainerin des HSV Solingen-Gräfrath

Dabei sah es in den ersten Minuten durchaus nach einer Fortsetzung der Erfolgsserie aus – basierend auf einer effektiven Abwehrarbeit und durchdachten Angriffen hieß es in der 7. Minute 3:0. Doch schnell nisteten sich Ungenauigkeiten ein, die Waiblingen konsequent nutzte. Aus dem 0:3 machten die Süddeutschen ein 5:3 (12.), später aus dem 12:8 (21.) ein 17:8 (25.). Celina Meissner im VfL-Kasten distanzierte mit 16 Paraden ihre Gegenüber Lisa Fahnenbruck, die stark begonnen hatte, und Natascha Krückemeier. Viele Abschlüsse des HSV fanden den Weg nicht ins Tor, die auf diesem Arbeitsfeld üblicherweise beste – Vanessa Brandt – musste mit enger Bewachung vorliebnehmen.

„Wir haben diesmal schlecht gespielt. Auf allen Positionen“, fasste Reckenthäler die 60 Minuten zusammen. Keine Spielerin sei so in Form gewesen, die anderen mitzureißen, als dass ein Ruck hätte durch die Mannschaft gehen können. Und das galt nach einer durchaus ansprechenden Phase auch für den zweiten Durchgang. Einen Hauch von Hoffnung auf eine Wende gab es beim Stande von 18:24 (43.), aber danach ging es in krasser Form bergab – dem durchaus vorhandenen Kampfgeist zum Trotz führte ein 1:9-Lauf zum 19:33 (52.). „Bei Waiblingen hat alles funktioniert, bei uns war es hingegen ein gebrauchter Tag“, sagte die Trainerin, die einiges an taktischen Maßnahmen vornahm, aber es sollte alles wirkungslos verpuffen.

Der HSV respektierte die in allen Belangen vorhandene Überlegenheit des Gegners, konnte immerhin dem gesamten Kader Einsatzzeiten bieten – so erzielte Henriette Clauberg gleich zwei Tore. Die 20-Jährige bescherte sich damit persönlich einen Schub und hatte dann etwas mehr Freude am weihnachtlichen Wichteln auf der Heimreise im Bus. Wie auch Kerstin Reckenthäler, die das Spiel-Fiasko dem Saison-Glanz unterordnete. „Wir haben jetzt mal enttäuscht, aber insgesamt viel mehr geleistet, als von uns erwartet werden konnte. 13:5-Punkte sind sensationell gut.“

Bis zum 17. Dezember trainiert das Team noch durch, dann wieder ab dem 2. Januar. Denn der zweite Samstag im neuen Jahr 2021 beschert bereits die nächste Pflichtspiel-Aufgabe – zu Gast in der Klingenhalle wird dann zur gewohnten Zeit ab 18.15 kein Geringerer als Tabellenführer Füchse Berlin sein. „Der Januar startet hart“, bleibt Reckenthäler ihrer Linie treu, Skepsis über Euphorie zu stellen. „Ich habe die Perspektive im Kopf, und man kann gegen Berlin und in Leipzig auch schon mal leer ausgehen“, sagt die 38-Jährige, die mit ihren Spielerinnen noch daran arbeitet, dass sich durch schlechtere Phasen – auch während des Spiels – negative Gedanken nicht zu sehr festsetzen. Und Kerstin Reckenthäler sieht weitere Entwicklungsfelder, so die Durchsetzungsfähigkeit im Angriff oder auch im Bereich der Athletik. Nach Ausruhen auf 13 Punkten hört sich das ganz und gar nicht an.

HSV Solingen-Gräfrath: Fahnenbruck, Krückemeier; Nanfack (5), Brandt (5, 1), Müller (3), Penz (3), Reinarz (3), Clauberg (2), Senel (2), Bongarts (1), Bohnen, Karathanassis, Tesche, Winkelhoch

Rund um den HSV

Kader: Personell steht eine Aufwertung ins Haus. Zum Kader stößt Neuzugang Melina Fabisch, die aus gesundheitlichen Gründen gerade erst richtig ins Geschehen eingreifen durfte. „Das Berlin-Spiel ist unser Ziel, aber nicht um jeden Preis“, sagt Kerstin Reckenthäler über die Linkshänderin, die für zusätzliche Qualität im rechten Rückraum sorgen kann.

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